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	<title>josefbarth &#187; USA</title>
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		<title>&#8220;Gegen Kopfgeld an die USA verkauft&#8221;</title>
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		<pubDate>Sat, 31 Jan 2009 14:59:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jb</dc:creator>
				<category><![CDATA[for profil]]></category>
		<category><![CDATA[Guantanamo]]></category>
		<category><![CDATA[Justiz]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Obama]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>

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		<description><![CDATA[Murat Kurnaz, fünf Jahre unschuldig in Guantanamo eingesperrt, über seine Mithäftlinge und Europas Verpflichtung, sie aufzunehmen. 
(Interview für profil; mit Martin Staudinger)
profil: US-Präsident Barack Obama schließt Guantanamo. Ist das eine Genugtuung für Sie?
Kurnaz: Nein. Ich freue mich zwar darüber, aber eigentlich ist es nicht mehr als normal, eine Rückkehr zum Gesetz und zur Menschlichkeit. Es [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Murat Kurnaz, fünf Jahre unschuldig in Guantanamo eingesperrt, über seine Mithäftlinge und Europas Verpflichtung, sie aufzunehmen. </strong><em></p>
<p>(Interview für <a href="http://www.profil.at">profil</a>; mit Martin Staudinger)</em></p>
<p><strong>profil</strong>: US-Präsident Barack Obama schließt Guantanamo. Ist das eine Genugtuung für Sie?</p>
<p><strong>Kurnaz</strong>: Nein. Ich freue mich zwar darüber, aber eigentlich ist es nicht mehr als normal, eine Rückkehr zum Gesetz und zur Menschlichkeit. Es gibt viele amerikanische Gesetze, die geändert werden müssen, weil sie unter George Bush so abgeändert wurden, dass sie den Menschenrechten widersprechen.</p>
<p><strong>profil</strong>: Sie kennen die Häftlinge in Guantanamo: Welche Leute sitzen dort ein?</p>
<p><strong>Kurnaz</strong>: Nach meiner Einschätzung sind die meisten unschuldig. Der Großteil der Häftlinge wurde gegen Kopfgeld an die Amerikaner verkauft. Nur wenige wurden von den US-Einheiten selbst gefangen genommen &#8211; darunter ein neunjähriges Kind und ein 105-jähriger Greis. Das macht doch einiges deutlich.</p>
<p><strong>profil</strong>: Es waren aber wohl auch Terroristen darunter.</p>
<p><strong>Kurnaz</strong>: Dazu möchte ich Folgendes erzählen: Als ich verhaftet und in Kandahar festgehalten wurde, saßen dort auch sieben bekannte Mitglieder von Al Kaida in Haft. Sie wurden bereits am Anfang von uns getrennt. Später kamen Spezialsoldaten, steckten sie in sargähnliche Kisten und transportierten sie ab. Das heißt: Diejenigen, bei denen die Amerikaner sicher waren, dass es sich um Terroristen handelt, wurden anders behandelt als wir. Ich glaube, diese Leute sind nie in Guantanamo angekommen. Es ist ja kein Zufall, dass die Amerikaner in sieben Jahren nicht einmal 20 Gefangene aus Guantanamo angeklagt haben.</p>
<p><strong>profil</strong>: Derzeit warten 60 Häftlinge, die als ungefährlich gelten, auf Freilassung. Kennen Sie jemanden davon?</p>
<p><strong>Kurnaz</strong>: Ich kenne viele davon, ich habe schließlich fünf Jahre mit diesen Menschen zusammengelebt. Viele können nicht in ihre Heimat zurück &#8211; manche etwa, weil sie schon viele Jahre vor ihrer Verhaftung durch die Amerikaner von dort geflohen sind, weshalb auch immer.</p>
<p><strong>profil</strong>: Können Sie ein Beispiel nennen?</p>
<p><strong>Kurnaz</strong>: Zum Beispiel ein Uigure, also ein Angehöriger einer moslemischen Volksgruppe in China. Er hatte bereits Jahre vor seiner Haft in Guantanamo aus seiner Heimat flüchten müssen.</p>
<p><strong>profil</strong>: Kennen Sie den Grund dafür, dass er vefolgt wurde?</p>
<p><strong>Kurnaz</strong>: Er hatte nichts mit Terrorismus zu tun. Sein Vergehen in China war es, dass er mehr Kinder hatte als gesetzlich erlaubt. Deshalb wurde er verfolgt. Es gibt viele ähnliche Fälle. Er kann nicht mehr in seine Heimat zurück, weil dort bekanntermaßen Folter und Rechtlosigkeit herrschen.</p>
<p><strong>profil</strong>: Gilt das auch für andere Häftlinge, die Sie kennen gelernt haben?</p>
<p><strong>Kurnaz</strong>: Ja. Unter den 60, die zur Freilassung vorgesehen sind, sind viele davon. Deshalb muss sich Europa bereit erklären, ehemalige Guantanamo-Insassen aufzunehmen. Europäische Länder haben den Krieg gegen den Terror aktiv unterstützt. Wenn dieser Krieg Opfer gefordert hat, sind sie auch genauso verpflichtet, sich um diese unschuldigen Menschen zu kümmern.</p>
<p><strong>profil</strong>: Österreich hat Amerikas Krieg gegen den Terror kaum aktiv unterstützt. Verstehen Sie, dass die Regierung jetzt eine Aufnahme von ehemaligen Häftlingen vehement ablehnt?</p>
<p><strong>Kurnaz</strong>: Österreich sollte unbedingt aus humanitären Gründen einige dieser Menschen aufnehmen &#8211; wir sprechen von unschuldigen Menschen, die nie ein Verbrechen begangen haben, aber jahrelang gefoltert wurden.</p>
<p><strong>profil</strong>: Die meisten Länder haben aber Angst, sich damit ein Sicherheitsproblem einzuhandeln.</p>
<p><strong>Kurnaz</strong>: Ich denke, dass Menschen nach sieben Jahren Folter einfach die Ruhe genießen möchten und das Beste tun, um von kriminellen Aktivitäten wegzubleiben.</p>
<p><strong>profil</strong>: Immerhin ist ein ehemaliger Häftling kürzlich als Vizechef von Al Kaida im Jemen aufgetaucht.</p>
<p><strong>Kurnaz</strong>: Das hat aber doch nichts mit den 60 Häftlingen zu tun, die jetzt zur Freilassung anstehen. Seit Jahren gehen die USA von deren Unschuld und Harmlosigkeit aus.</p>
<p><strong>profil</strong>: Wenn man Ihnen angeboten hätte, in den USA zu bleiben &#8211; wären Sie dort geblieben?</p>
<p><strong>Kurnaz</strong>: Nein, auf keinen Fall. Und ich kann es mir auch bei den anderen Häftlingen nicht vorstellen.</p>
<p><strong>profil</strong>: Warum?</p>
<p><strong>Kurnaz</strong>: Unter anderem, weil man nicht weiß, wie es in den USA politisch weiterläuft. Die CIA gibt es ja immer noch. Ich würde mich dort einfach nicht sicher fühlen.</p>
<blockquote><p>***</p>
<p><strong>Murat Kurnaz, 26</strong></p>
<p>Der in Bremen lebende Türke war kurz nach den Anschlägen von 9/11 als Pilger nach Pakistan gereist. Dort wurde er festgenommen und gegen Kopfgeld den US-Streitkräften übergeben. Obwohl selbst die Amerikaner bald seine Unschuld einräumten, blieb er bis 2006 in Guantanamo &#8211; weder Deutschland noch die Türkei wollten ihn zurück. 2007 schrieb er das Buch &#8220;Fünf Jahre meines Lebens&#8221;. John LeCarrés aktueller Thriller &#8220;Marionetten&#8221; greift ebenfalls seine Geschichte auf.
</p></blockquote>
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		<title>Patrioticals</title>
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		<pubDate>Sat, 06 Dec 2008 22:22:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jb</dc:creator>
				<category><![CDATA[for profil]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>

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		<description><![CDATA[So schwer ein Abschied aus New York auch fällt, so hat ein Abschied aus den USA auch sein Gutes: Der Blutdruck rebelliert nicht mehr gegen Rush Limbaugh und andere scheuklappen-konservative Radio-Talker, oder kirchlich geförderte Gottesdienst-Übertragungen mit Erdöl-Problem-Predigten. Die Gehörgänge befreien sich von platt-patriotischem Getexte jeiernder Countrysongs.
Das Dumme ist nur: manche haben sich festgesetzt. Und musikalische [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>So schwer ein Abschied aus New York auch fällt, so hat ein Abschied aus den USA auch sein Gutes: Der Blutdruck rebelliert nicht mehr gegen <a href="http://rushlimbaugh.com">Rush Limbaugh</a> und andere scheuklappen-konservative Radio-Talker, oder kirchlich geförderte Gottesdienst-Übertragungen mit Erdöl-Problem-Predigten. Die Gehörgänge befreien sich von platt-patriotischem Getexte jeiernder Countrysongs.</p>
<p>Das Dumme ist nur: manche haben sich festgesetzt. Und musikalische Phantomschmerzen kennen keine Grenzen.</p>
<p>Dennoch lässt sich die kollektive Sozialpsyche im Kernland der Vereinigten Staaten, zwischen New York und Los Angeles, zwischen Chicago und Miami, kaum besser begreiflich machen als durch Songs, die man eigentlich zu verdrängen sucht&#8230;</p>
<p><strong>Einige Reminiszenzen, denen man als sendersuchender Autofahrer zwischen Kansas und Alabama nie entrann:</strong></p>
<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="425" height="344" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/rM_tDB8OZok&amp;hl=de&amp;fs=1" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="425" height="344" src="http://www.youtube.com/v/rM_tDB8OZok&amp;hl=de&amp;fs=1" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
<p><strong>Im Übrigen sei dem sterbenden Soldaten für die Freiheit des Freitagbiers gedankt:</strong></p>
<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="425" height="344" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/e4ujS1er1r0&amp;hl=de&amp;fs=1" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="425" height="344" src="http://www.youtube.com/v/e4ujS1er1r0&amp;hl=de&amp;fs=1" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
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		<title>Generation O</title>
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		<pubDate>Sun, 16 Nov 2008 09:58:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jb</dc:creator>
				<category><![CDATA[for profil]]></category>
		<category><![CDATA[Obama]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>

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		<description><![CDATA[USA. Barack Obama inspirierte mit seinem Wahlkampf vor allem die Jungen. Die sind politisch motiviert wie schon lange nicht. Washingtons Anzugträger könnten bald Konkurrenz von einer frischen geistigen Elite bekommen. (für profil; aus New York)

Das Buch war nicht zufällig gewählt. George Orwells &#8220;1984&#8243; liegt auf dem Tisch von Josh Bolotsky. Im warmen Souterrain des kleinen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>USA. Barack Obama inspirierte mit seinem Wahlkampf vor allem die Jungen. Die sind politisch motiviert wie schon lange nicht. Washingtons Anzugträger könnten bald Konkurrenz von einer frischen geistigen Elite bekommen.</strong><em> (für <a href="http://www.profil.at">profil</a>; aus New York)</em></p>
<p><a href="http://josefbarth.com/wp-content/uploads/2009/01/hillarybarack1sm1.jpg"><img src="http://josefbarth.com/wp-content/uploads/2009/01/hillarybarack1sm1-530x353.jpg" alt="" title="Hillary Clinton, Barack Obama in Orlando, FL (c) Josef Barth" width="530" height="353" class="alignleft size-thumbnail wp-image-369" /></a></p>
<p>Das Buch war nicht zufällig gewählt. George Orwells &#8220;1984&#8243; liegt auf dem Tisch von Josh Bolotsky. Im warmen Souterrain des kleinen &#8220;Tea Spot&#8221; am New Yorker Washington Square, wo jeden zweiten Freitag ein Literatur-Club tagt, diskutiert eine kleine Runde kluger Köpfe die Parallelen von Orwells fiktional-faschistoidem Überwachungsstaat und dem amtlichen Spitzelwesen des Homeland-Security-Ministeriums, die von Präsident George W. Bush gebilligt und befürwortet wurden.</p>
<p>Trotz des sensiblen Themas wird es eine der entspanntesten Veranstaltungen seit Langem. Kein Wunder: Bush ist demnächst Geschichte. Die Erleichterung ist zu spüren.</p>
<p>Der 24-jährige Josh Bolotsky, einer der Initiatoren des Intellektuellenzirkels vom Tea Spot, hat einen langen Kampf hinter sich. Als einer der drei Gründer der progressiven Plattform mit dem flapsigen Titel &#8220;Drinking Liberally&#8221; bastelte er jahrelang an einem engmaschigen Netzwerk liberaler Geister, die sich gegen die Bush-Administration organisierten. 2003 gleichsam als große öffentliche Selbsthilfegruppe unter dem Eindruck des Irak-Kriegs ins Leben gerufen, entwickelte &#8220;Drinking Liberally&#8221; schnell schlagkräftige Untergruppen. Aktive Protestierer marschierten bei Antikriegsdemos auf, Blogger verbreiteten Bush-Kritiken im Netz, und die Kreativeren überzogen die &#8220;Stop&#8221;-Schilder landauf, landab mit &#8220;War&#8221;-Aufklebern.</p>
<p>&#8220;Nicht nur Bush ist der Verlierer der Präsidentenwahl vom 4. November, auch ich bin ein Verlierer&#8221;, witzelt Josh Bolotsky. &#8220;Wir haben unseren Feind verloren und damit gewissermaßen unsere Existenzberechtigung.&#8221; Und er zitiert das Politmovie aus den siebziger Jahren &#8220;Der Kandidat&#8221;, in dem Robert Redford den perfekten Politliebling mimt und schließlich am Abend seines Sieges nach endlosem Wahlkampf seinen Chefstrategen verdattert fragt: &#8220;Und was machen wir jetzt?&#8221;</p>
<p><a href="http://josefbarth.com/wp-content/uploads/2008/11/geno-jared1.jpg"><img src="http://josefbarth.com/wp-content/uploads/2008/11/geno-jared1.jpg" alt="" title="Jared @ Obama campaign office, PA (c) JB" width="500" height="333" class="alignleft size-full wp-image-230" /></a></p>
<p>Wo sollen die Aktivisten der vergangenen Jahre nun hin mit ihrem Engagement, der Energie, die über Jahre im kritischen Aktionismus gegen die ungeliebte Regierung Bush aufgingen? Verkommt das dicht gesponnene Netzwerk zum vereinsmeiernden Selbstzweck? Wogegen auflehnen, wenn der eigene Kandidat gerade Präsident wurde und die politische Mehrheit alle gewünschten Weichenstellungen zulässt?</p>
<p>&#8220;Und was machen wir jetzt?&#8221;</p>
<p>Barack Obamas Wahlsieg hat eine ganze Generation in den USA inspiriert, sich politisch zu engagieren &#8211; anders als Bush, im positiven Sinne. Mit einer Mehrheit von fast 70 Prozent waren es vor allem die Wähler zwischen 18 und 30, die ihn mit der Flut ihrer Stimmen ins Präsidentenamt schwemmten. Am 4. November erfüllten sich die Hoffnungen und Sehnsüchte der &#8220;Generation O&#8221; mit einem Schlag.</p>
<p>Kaum eine andere Generation hat nach einer so langen Durststrecke ihren Wunsch nach einem radikalen Wechsel so plötzlich erfüllt bekommen &#8211; zumindest was die Person betrifft. Die Ablöse Bushs durch Obama erschien vielen wie die Realisierung einer Utopie.</p>
<p>Identifikation. Der Sieg eines Weltoffenen mit klarem Bekenntnis zu Bildung und Wissensdrang schaffte eine neue Identifikationsfigur für eine Legion gebildeter, progressiver junger Menschen. Vor allem junge Menschen in urbanen Ballungszentren wie New York fühlen sich nun nicht mehr als Einwohner einer vom Rest des Landes abgekoppelten Enklave. Deren Energie will nun sinnvoll kanalisiert sein.</p>
<p>&#8220;Wir haben mehr Zulauf denn je&#8221;, sagt Josh. &#8220;Viele wollen das Engagement, das sie im Wahlkampf bewiesen haben, irgendwie weiterführen.&#8221; Rund vier Millionen Freiwillige volontierten für Barack Obama, hunderttausende davon aus New York, die in den nahen Swingstates Ohio und Pennsylvania Wahlkampf machten.</p>
<p>Jared Goldman war einer von ihnen. Der 22-jährige Literaturstudent aus New York fand in Pennsylvania Gefallen am politischen Engagement: erstmals für und nicht gegen etwas. &#8220;Wenn man sich einmal als Teil dieses großen Ganzen begriffen hat, ist es schwer, sich wieder gänzlich zurückzuziehen&#8221;, sagt er.</p>
<p><a href="http://josefbarth.com/wp-content/uploads/2008/11/geno-kyle.jpg"><img src="http://josefbarth.com/wp-content/uploads/2008/11/geno-kyle.jpg" alt="" title="Kyle @ Columbia (c) JB" width="500" height="333" class="alignleft size-full wp-image-228" /></a></p>
<p>Und mit dem Wechsel von George W. Bush zum 15 Jahre jüngeren Barack Obama könnte die liberale &#8220;Generation O&#8221; demnächst die alten Eliten in Washington ersetzen.</p>
<p>&#8220;Man spürte immer eine tiefe Kluft zwischen der Regierung und den Menschen&#8221;, sagt Kyle Athayde. &#8220;Obama gibt einem das Gefühl, diese durch seinen neuen Stil schließen zu können.&#8221; Kyle trägt seine Obama-Kappe mit Stolz, auch wenn er damit auf dem coolen Campus der Columbia University von New York ein wenig deplatziert wirkt. Der 20-jährige stämmige Bartträger studiert eigentlich Jazz-Trompete. Seit er bei Obamas Wahlkampagne dabei sein durfte, bewirbt er sich jedoch auch um einen Studienplatz im Fachbereich Politik.</p>
<p>&#8220;Man darf Washington nicht den Anzugträgern überlassen&#8221;, sagt er. Wenn er auch viele seiner Konzerte im Dreiteiler gibt, lässt er sich mit seinem schäbigen T-Shirt und der gemütlichen Fleecejacke im schicken Washington nur schwer vorstellen. Seine Ziele sind nicht zu tief gesteckt: das Repräsentantenhaus als späterer Arbeitsplatz. Entweder als Mitarbeiter oder sogar selbst als Politiker. &#8220;Ich denke, Obama hat gezeigt, dass es mehr darauf ankommt, was man kann und wer man ist, als wen man kennt und wie man sich gibt. Das ist ein ganz neuer Stil.&#8221;</p>
<p>Vernetzung. Barack Obama hat es glänzend verstanden, die jungen Menschen an sich zu binden und sich so zu einem von ihnen zu machen. In seiner Biografie &#8220;Dreams from my father&#8221; legte er nicht nur ein politisches Bekenntnis ab. Die Beschreibung all der Hürden auf seinem langen Weg zu sich selbst macht es heutigen Mittzwanzigern leicht, sich in ihm wiederzuerkennen.</p>
<p>Und mit einer genialen Internetkampagne schien der brillante Rhetoriker direkten Konktakt zu jedem Einzelnen aufzunehmen. Von jenem Barack, den man bereits zu kennen glaubte, trudelten plötzlich personalisierte E-Mails oder SMS-Nachrichten im Postfach oder am Handy ein. Selbst konservative junge Mitglieder der evangelikalen Glaubensgemeinschaften ließen sich so zum Teil motivieren: In der Gruppe der 18- bis 29-Jährigen stimmte diesmal ein Viertel für den liberalen Kandidaten. Für den demokratischen Präsidentschaftskandidaten John Kerry stimmten vor vier Jahren keine zwölf Prozent.</p>
<p>Einer der Verantwortlichen dafür: Ethan Roeder, 33. Der entspannte Internetprofi mit dem schwarzen Filzhut passt selbst noch fast ins Schema der &#8220;Generation O&#8221;. &#8220;Anders als Politker in den Jahren zuvor haben wir das Internet nicht nur als Werbeplattform benutzt. Wir haben Menschen vernetzt und sie gemeinsam dazu gebracht, sich zu engagieren.&#8221; Und die eigene Idee färbt auf ihn selbst ab: Selbst wenn der bärtige Brillenträger eine Washington-Karriere für sich immer ausgeschlossen hatte, jetzt verbleibt er doch in Obamas Diensten.</p>
<p>Unter www.change.gov ließ der &#8220;President-elect&#8221; übrigens schon eine neue Seite online stellen, um auch als künftiger Staatschef den so eng aufgebauten Kontakt zu seinen Unterstützern nicht zu verlieren.</p>
<p>Den wird er wahrscheinlich auch dringend brauchen können. Er wird mit seinen verschiedenen politischen Initiativen auf vehementen Widerstand von einflussreichen Machtgruppen stoßen. &#8220;Ich kann mir vorstellen, dass Obama seine Anhänger aufrufen wird, aktiv an diesem politischen Kampf teilzunehmen&#8221;, so Todd Gitlin, Soziologieprofessor an der New Yorker Columbia University (siehe Interview).</p>
<p>Die Wählerkoalition, die Obama im Wahlkampf schmiedete, könnte von langfristiger Bedeutung werden. Wie kein anderer Präsidentschaftskandidat vor ihm verlieh er den ethnischen Minderheiten eine Stimme.</p>
<p>Rund 90 Prozent der Schwarzen votierten für ihn, unter den Latinos waren es stolze zwei Drittel. Selbst eine satte Mehrheit der aus Asien stammenden Amerikaner, die traditionell eher konservativ eingestellt sind, wählte ihn.</p>
<p><a href="http://josefbarth.com/wp-content/uploads/2008/11/geno-asad.jpg"><img src="http://josefbarth.com/wp-content/uploads/2008/11/geno-asad.jpg" alt="" title="Asad and Jill @ Columbia (c) JB" width="500" height="333" class="alignleft size-full wp-image-229" /></a></p>
<p>Inspiration. Die nichtweißen Minderheiten sind die Zukunft der USA: Nach jüngsten Studien werden sie schon mit der kommenden Generation zur Mehrheit in den USA. Die junge Generation von Amerikanern stammt nicht mehr aus den kleinen weißen Städten. Und sie ist zunehmend &#8211; wie Obama &#8211; mulitkulturell sozialisiert.</p>
<p>Der 19-jährige Architekturstudent Asad Muhammed, Sohn afrikanischer Einwanderer, will sich neben dem Studium &#8211; wie einst Barack Obama &#8211; als Sozialarbeiter verdingen: &#8220;Wir Jungen konnten mit Politik jahrelang nichts anfangen. Jetzt ist jemand da, zu dem wir aufschauen können&#8221;, sagt Asad. Auch seine gleichaltrige Kollegin, Jill Schackner, einst glühende Anhängerin von Hillary Clinton, die jegliche Form von Personenkult ablehnt, räumt ein: &#8220;Kaum jemand anderer hätte so viele junge Menschen mobilisiert.&#8221;</p>
<p>Aqsa Shakoor hat einen kleinen Stand auf dem Unicampus der Columbia aufgebaut, an dem sie Infomaterial von Amnesty International verteilt. Im Zentrum ihrer Arbeit: die Situation pakistanischer Flüchtlinge. Sie selbst kam mit ihren Eltern vor elf Jahren aus Pakistan in die Staaten. &#8220;Im Gegensatz zu Obama bin ich zwar nicht der Meinung, dass man Pakistan den Geldhahn zudrehen sollte&#8221;, sagt die 22-Jährige, die sich in ihrem Medizinstudium auf Neurologie spezialisiert hat. Obama hatte das mehrfach gefordert, solange sich Pakistan als terroristisches Rückzugsgebiet erweise. &#8220;Aber er hat mich nicht zuletzt inspiriert, mich selbst im politischen Bereich zu betätigen.&#8221; Für die Außenpolitik der USA habe man sich in den Bush-Jahren nur genieren müssen, meint sie. Damit sei es Gott sei Dank vorbei.</p>
<p>Das freut auch Bill Olander. Er studiert Internationale Beziehungen an der School of International and Public Affairs (SIPA). &#8220;Obama ist jener kluge Kopf, der über die Grenzen hinweg die zerbrochenen Koalitionen mit der Welt neu aufbauen kann&#8221;, sagt er. &#8220;Er ist der Typ, der vor die UN-Vollversammlung treten kann, um zu sagen: Leute, wir haben Mist gebaut! Lasst uns das gemeinsam reparieren.&#8221;</p>
<p>Nach einer kurzen Karriere im Militärdienst hätte sich der 27-Jährige lange nicht mehr vorstellen können, der Politik auch nur nahezukommen. Und obwohl er nicht zu den enthusiastischsten Obama-Aficionados zählt, schreckt ihn eine Politkarriere in seinem Spezialgebiet des Krisenmanagements und der humanitären Hilfseinsätze nun viel weniger ab als noch vor dem 4. November. Und Olander gibt sich als Realist: &#8220;Lassen Sie uns diese Zeit des Aufbruchs genießen, solange er anhält. Enttäuscht werden wir früh genug.&#8221;</p>
<p>&#8220;Und was machen wir jetzt?&#8221;</p>
<p>Die Frage schwebt noch immer über dem kleinen Tee-Tischchen im Souterrain des New Yorker Tea Spot.</p>
<p>Josh Bolotsky schüttelt den Kopf. &#8220;Gegen Bush zu protestieren war wichtig.&#8221; Einen Präsidenten Obama müsse man nun permanent an die Einhaltung seiner Wahlversprechen erinnern. &#8220;Unsere Generation war es, die ihn gerade in dieses Amt gewählt hat. Ein wenig Druck lässt sich da schon machen.&#8221; Freilich aber auch nicht zu viel, sagt Josh: &#8220;Schließlich soll er 2012 ja wiedergewählt werden.&#8221;</p>
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		<title>Reality Check</title>
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		<pubDate>Mon, 10 Nov 2008 06:00:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jb</dc:creator>
				<category><![CDATA[for profil]]></category>
		<category><![CDATA[Obama]]></category>
		<category><![CDATA[Reportagen]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>

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		<description><![CDATA[US-Wahl. Barack Obama wurde zum Popidol einer ganzen Generation stilisiert. Doch seine Anhänger wissen genau: Auch als Präsident wird er keine Wunder bewirken können. (für profil; aus Chicago / USA)
Auf den Straßen Chicagos begann es bereits zu dämmern, als bei der letzten Party der Stadt in einer noblen Suite im 35. Stock des altehrwürdigen Chicago [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>US-Wahl. Barack Obama wurde zum Popidol einer ganzen Generation stilisiert. Doch seine Anhänger wissen genau: Auch als Präsident wird er keine Wunder bewirken können.</strong> <em>(für <a href="http://www.profil.at">profil</a>; aus Chicago / USA)</em></p>
<p>Auf den Straßen Chicagos begann es bereits zu dämmern, als bei der letzten Party der Stadt in einer noblen Suite im 35. Stock des altehrwürdigen Chicago Tribune Tower noch immer Samba getanzt wurde. Eine knappe Hundertschaft der engsten Mitarbeiter des Obama-Wahlkampfhauptquartiers füllte Becher aus Magnumflaschen mit Whiskey und holte sich Bier aus der eisgefüllten Badewanne. Sektkorken knallten, Gläser klirrten, und immer wieder wurde der Refrain der Pophymne &#8220;We Are the Champions&#8221; intoniert.</p>
<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="425" height="344" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/rOQMimG9rO8&amp;hl=de&amp;fs=1" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="425" height="344" src="http://www.youtube.com/v/rOQMimG9rO8&amp;hl=de&amp;fs=1" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
<p>Es war jener über 21 Monate eingeschworene kleine Kreis, der in täglichen 18-Stunden-Schichten Barack Obama zu einem historischen Wahlsieg verholfen hatte und sich nun für die Knochenarbeit belohnte: für die teils frustrierenden Tage und Nächte, die verschleppten Verkühlungen und all die anderen Unannehmlichkeiten. An diesem Dienstag, dem 4. November, war das alles egal.</p>
<p>Bush out now. Nirgendwo auf der Welt war die Siegesparty ausgelassener als hier in Chicago, jener Stadt, in welcher der nächste US-Präsident, Barack Obama, studierte, seine Frau Michelle kennen lernte und die er zunächst als kleiner Community Organizer und später als Senator prägte. Noch Stunden nach Obamas Rede verwandelten zigtausende die breite Michigan Avenue entlang des Grant Park in einen riesigen Party-Boulevard, den die Polizei schließlich für den Verkehr sperren musste.</p>
<p>&#8220;Bush out now, nanana!&#8221;, sangen sie in Chören und rissen dabei die Arme in die Luft. George W. Bush war Geschichte. Im Partyjubel in der Suite der Obama-Mitarbeiter betonte die Mutter eines leitenden Obama-Mitarbeiters die historische Bedeutung des Moments: &#8220;1960 hatte ich das Glück, in einem der beiden Bundesstaaten zu leben, in denen man als 18-Jährige schon wählen durfte. Und ich bin seit damals stolz, meine erste Stimme John F. Kennedy gegeben zu haben&#8221;, sagte die 66-jährige Virginia Roeder. &#8220;Und als ich vor wenigen Jahren Barack Obama zum ersten Mal persönlich hörte, wusste ich, er kann &#8211; wie damals Kennedy &#8211; einer neuen Generation nun neue Hoffnung auf ein verändertes Amerika geben. Erfüllen müssen wir uns diese Hoffnungen aber gemeinsam. Allein kann er das nicht.&#8221; Wie Millionen andere trug sie an diesem Abend ein T-Shirt mit dem Abbild Obamas, ähnlich jenem von Che Guevara, dem kubanischen Revolutionär.</p>
<p>Ein US-Präsident als Popikone, als Heilsbringer einer ganzen Nation &#8211; das ist ein gefährliches Image für einen, der schon bald der mächtigste Mann der Welt sein wird und in diesem Amt Realpolitik betreiben muss. Obamas Wahlkampfteam rund um seinen genialen Chefstrategen David Axelrod hat längst verstanden, dass ihr Mann mit allzu hochfliegenden Botschaften von Hoffnung und Wandel zur Projektionsfläche vieler unrealistischer Erwartungen geworden ist. Gegen Ende seines Wahlkampfes wurde Obama zusehends realistischer und bodenständiger. Immer seltener schwang das anfängliche &#8220;Change&#8221;-Pathos mit. Immer öfter reduzierte er die Botschaft auf ein vageres &#8220;Hope&#8221; und schwor seine Landsleute auf harte Zeiten ein.</p>
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<p>Und so fiel seine Rede vor 200.000 Anhängern im Grant Park von Chicago bei allem Freudentaumel auch nachdenklich, fast schaumgebremst aus. &#8220;Die Straße vor uns wird lang sein. Der Hang wird steil sein. Wir werden nicht alles in einem Jahr oder in einer Amtszeit erreichen. Es wird sicherlich viele Rückschläge und Fehlstarts geben. Auch wenn wir diese Nacht feiern, so wissen wir doch, dass die Herausforderungen, denen wir ab morgen gegenüberstehen, die größten unseres Lebens sind&#8221;, sagte Obama mit ernster Miene und forderte von den Amerikanern einen neuen Geist des Dienstes am Land, der Opferbereitschaft und härteren Arbeit ein.</p>
<p>Am Morgen nach der Wahlparty kehrt in Chicago wie auch im Rest der USA der Alltag zurück. Es ist Mittwoch, ein ganz normaler Arbeitstag. Ein schwules Pärchen sitzt auf einer Parkbank und ärgert sich über das Homoehe-Verbot in Kalifornien, über das der westliche Bundesstaat am Tag der Präsidentenwahl abgestimmt hatte. Daneben stehen zwei ältere Damen, die über Hüftoperationen diskutieren, die man sich in den USA schlichtweg nicht leisten könne.</p>
<p>Tageszeitungen sind in Obamas Heimatstadt komplett vergriffen. Hunderte Menschen pilgern an seinem mittlerweile vom Secret Service streng bewachten Familienwohnsitz vorbei, einem roten Backsteinbau mit Basketballkorb vor der Garage &#8211; gegenüber einer Synagoge mitten in der Wohlstandsinsel Hyde Park an der ärmlichen schwarzen South Side Chicagos.</p>
<p>Schon in den frühen Morgenstunden melden sich in den Medien bereits zahlreiche Skeptiker zu Wort: &#8220;Dämpft euren Enthusiasmus, Demokraten!&#8221;, titelt etwa das &#8220;National Journal&#8221;. Obama stehe als 44. Präsident &#8220;vor einem unglaublichen Chaos&#8221;. &#8211; &#8220;Großer Sieg, noch größere Herausforderungen&#8221;, schreibt die &#8220;International Herald Tribune&#8221; und zählt eine ganze Liste von ungelösten Problemen auf: die Kriege in Afghanistan und dem Irak, die Finanzkrise, die Arbeitslosigkeit, der Konsumrückgang. Und Leon Paletta, der ehemalige Stabschef des Weißen Hauses, verzichtet ganz auf Glückwünsche: &#8220;Die schwierigen Dinge packen Sie lieber gleich an. Wenn Sie glauben, dass Sie die großen Reformen verschieben können, stecken Sie in ernsthaften Schwierigkeiten.&#8221;</p>
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<p>Realismus. Doch muss Obama tatsächlich auf den Boden der Realität geholt werden? Schon am ersten Tag des Interregnums präsentiert sich der schwarze Noch-Senator keineswegs mehr in Partylaune. Fünf Stunden zieht er sich mit seinen engsten Beratern zurück, um Strategien gegen die Finanzkrise zu erarbeiten. Danach trifft er sich mit den Chefs von CIA und FBI. &#8220;Barack war immer ein Realist&#8221;, versichert Toni Preckwinkle. &#8220;Ein Realist mit Träumen, aber ein Realist. Und er weiß, dass es für ihn nicht leicht wird.&#8221; Die schwarze Stadträtin der South Side Chicagos war Obamas erste politische Mentorin und kennt ihn seit seinen Tagen als Community Organizer. In ihrem spartanischen Büro an der Cottage Grove Avenue debattierten sie oft über überwindbare und unüberwindbare Hürden. &#8220;Er arbeitete immer hart. Und er machte den Menschen aber auch immer klar, dass sich ohne ihr eigenes Engagement nichts verändern wird.&#8221; Auch wenn er sich vor allem für die bis heute benachteiligten Schwarzen eingesetzt habe: Wer sich nicht selbst bemühe, &#8220;bei dem lässt Obama auch die Hautfarbe nicht als Ausrede für mangelnden Erfolg gelten&#8221;.</p>
<p>Der Eindruck, die Obama-Wähler seien blind vor Euphorie, täuscht. Die meisten, die am Abend zuvor noch Tränen über Obamas Sieg vergossen, geben sich am Tag nach dem Sieg erstaunlich bodenständig. &#8220;Wir sind nicht unrealistisch&#8221;, sagt die College-Professorin Lisa Rosen, die in der Nachbarschaft Obamas wohnt und eine Kollegin des Uni-Professors Bill Ayers ist &#8211; jenes Obama-Bekannten und ehemaligen Linksradikalen und Vietnam-Gegners, den die Republikaner im Wahlkampf als &#8220;Terroristen-Freund&#8221; des demokratischen Kandidaten verunglimpften. &#8220;Auch wenn man Barack zur Ikone gemacht hat, ist er auch nur ein Mensch. Sicher einer, der zu viel fähig ist, aber eben auch nur ein Mensch.&#8221;</p>
<p>Jobsuche. Die Afroamerikanerin Joanne Norwood bringt ihren Sohn gerade in eine Schule im Norden Chicagos. &#8220;Yes we can&#8221; steht in großen Buchstaben auf dem T-Shirt des Jungen. &#8220;Natürlich ist unser Traum wahr geworden&#8221;, sagt die 36-Jährige. &#8220;Über Jahre hinweg habe ich meinen Kindern immer erklärt, dass man alles erreichen kann. Mit Obama wurde diese abstrakte Möglichkeit erstmals tatsächlich auch personifiziert. Aber jedem von uns ist klar: Alle Probleme wird er von heute auf morgen nicht lösen können.&#8221;</p>
<p>Als am Mittwochmorgen draußen die Sonne aufgeht, weiß auch Obamas Wahlkampfteam, dass die Zeit der Träume vorbei ist. Tag eins der Realität hat sie eingeholt. Jene in hohen Positionen werden in Obamas Diensten bleiben, die vielen anderen müssen sich nach der langen Zeit im Wahlkampfhauptquartier nun neue Jobs suchen. Die miserable Wirtschaftslage macht das nicht einfacher. Und auch ein neuer Präsident Barack Obama kann ihnen auf ihrem Weg nicht helfen. &#8220;Für wie naiv hält uns die Welt eigentlich?&#8221;, sagt Jamie Hall, 25. Bis zum letzten Jahr hat Hall als Eventmanager in Las Vegas gearbeitet und dann seinen Job an den Nagel gehängt, um unentgeltlich Obama-Events zu koordinieren. &#8220;Auch unter einem Präsidenten Barack Obama ist immer noch jeder für sich selbst verantwortlich, ganz egal, wie sehr wir ihn lieben.&#8221;</p>
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