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	<title>josefbarth &#187; Universitäten</title>
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		<title>&#8220;Ich trete aus der SPÖ aus&#8221;</title>
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		<pubDate>Mon, 15 Jan 2007 07:00:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jb</dc:creator>
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		<category><![CDATA[ÖH]]></category>
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		<description><![CDATA[Interview. ÖH-Vorsitzende Barbara Blaha über ihren Abschied von den Sozialdemokraten, einen &#8220;arroganten und selbstgefälligen&#8221; Alfred Gusenbauer und die &#8220;Zerstörung einer politisch engagierten jungen Generation&#8221;. (für profil)
profil: Sie haben bei der Angelobung gegen die Beibehaltung der Studiengebühren demonstriert. Wird Alfred Gusenbauer nach Elisabeth Gehrer zum neuen Feindbild von Studenten und Jungroten?
Blaha: Dass sich die Studierenden von [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Interview. ÖH-Vorsitzende Barbara Blaha über ihren Abschied von den Sozialdemokraten, einen &#8220;arroganten und selbstgefälligen&#8221; Alfred Gusenbauer und die &#8220;Zerstörung einer politisch engagierten jungen Generation&#8221;.</strong><em> (für <a href="http://www.profil.at">profil</a>)</em></p>
<p>profil: Sie haben bei der Angelobung gegen die Beibehaltung der Studiengebühren demonstriert. Wird Alfred Gusenbauer nach Elisabeth Gehrer zum neuen Feindbild von Studenten und Jungroten?</p>
<p>Blaha: Dass sich die Studierenden von ihm verraten fühlen, ist verständlich. Wer ein so zentrales Versprechen bricht oder es in den Verhandlungen nicht halten kann, sollte den Mut und die Ehrlichkeit haben, sich zumindest zu entschuldigen &#8211; und sich nicht über Leute beschweren, die einen an seine Versprechen erinnern.</p>
<p>profil: Eine Entschuldigung erwartet sich Gusenbauer eher von den Studenten für ihre Proteste mit &#8220;kommunistischen Slogans&#8221;.</p>
<p>Blaha: Sich arrogant und selbstgefällig ins Fernsehen zu setzen und junge Menschen zu diffamieren, die den ganzen Wahlkampf über für ihn gelaufen sind, zeugt weder von politischer noch persönlicher Größe. Das ist eines Bundeskanzlers nicht würdig.</p>
<p>profil: Haben Sie wirklich gedacht, dass er die Gebühren abschafft?</p>
<p>Blaha: Ich sehe ein, dass es keine parlamentarische Mehrheit dafür gibt. So realistisch bin ich. Aber bei einem so starken Versprechen hätte ich zumindest einen Kompromiss erwartet: zum Beispiel freies Studium für die Mindeststudiendauer. Dass sein Wort aber gar nichts wert ist, hat sogar mich überrascht.</p>
<p>profil: Wie kann man als Studentenvertreterin und Sozialdemokratin dieser Linie folgen?</p>
<p>Blaha: Den Gusenbauer-Kurs kann ich nicht mittragen. Ich trete also mit heutigem Tage aus der SPÖ aus &#8211; ebenso wie die VSStÖ-Vorsitzende Sylvia Kuba. Wenn sich die SPÖ vom freien Unizugang verabschiedet, muss ich mich von ihr verabschieden. Ich bin in erster Linie den Studenten verpflichtet, und vor denen kann ich Gusenbauers Kurs nicht vertreten.</p>
<p>profil: Damit reihen Sie sich in die Legion der jungen Politikverdrossenen ein.</p>
<p>Blaha: Dutzende rote Studenten haben die Partei bereits verlassen. Eine ganze Generation von politisch engagierten jungen Leuten ist in diesen Tagen enttäuscht und zerstört. Das nehmen Gusenbauer und seine SPÖ bewusst in Kauf &#8211; meine SPÖ ist das nicht mehr.</p>
<p>profil: Nun sind zwei Tage im Monat ja nicht die Welt: Sind die Studenten so egoistisch, dass sie den Sozialarbeitsvorschlag ablehnen?</p>
<p>Blaha: Gerade wer sich Studiengebühren erarbeiten muss, muss viel dazuverdienen. Einen Sozialdienst für sechs Euro die Stunde muss man sich leisten können. Dass ein Sozialdemokrat den Ärmeren Sozialdienst predigt und den Reicheren die Möglichkeit gibt, sich davon freizukaufen, ist, höflich gesagt, eine Frechheit.</p>
<p>profil: Was erwarten Sie vom neuen ÖVP-Wissenschaftsminister Johannes Hahn?</p>
<p>Blaha: Wir hatten noch nicht das Vergnügen. Aber schlimmer als unter Gehrer kann&#8217;s ja wohl nicht werden, oder? </p>
<p><em>Interview: Josef Barth</em></p>
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		<title>Sanierungsfall: Universitäten</title>
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		<pubDate>Mon, 25 Sep 2006 16:00:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jb</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Universitäten]]></category>

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		<description><![CDATA[Hochschulpolitik. Vernichtende OECD-Studie, finanzmarode Institute: Nach den Wahlen am 1. Oktober kommt auf jede neue Regierung viel Arbeit zu. Eine Bestandsaufnahme der akademischen Großbaustellen Österreichs. (für profil, mit Kaspar Fink)
W enn es etwas gibt, was Elisabeth Gehrer aber schon überhaupt nicht leiden kann, ist es Schwarzmalerei: &#8220;Sie nehmen den jungen Menschen die Freude am Lernen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Hochschulpolitik. Vernichtende OECD-Studie, finanzmarode Institute: Nach den Wahlen am 1. Oktober kommt auf jede neue Regierung viel Arbeit zu. Eine Bestandsaufnahme der akademischen Großbaustellen Österreichs. </strong><em>(für <a href="http://www.profil.at">profil</a>, mit Kaspar Fink)</em></p>
<p>W enn es etwas gibt, was Elisabeth Gehrer aber schon überhaupt nicht leiden kann, ist es Schwarzmalerei: &#8220;Sie nehmen den jungen Menschen die Freude am Lernen und Studieren&#8221;, blaffte die ÖVP-Bildungsministerin vorvergangene Woche von der Regierungsbank im Parlament die Abgeordneten von Rot und Grün an. Denn die Opposition würde einmal mehr &#8220;alles immer nur schlechtreden&#8221; &#8211; vor allem die angeblich so exzellenten heimischen Hochschulen mitsamt den dort herrschenden Studienbedingungen.</p>
<p>Doch die Kritik kam weniger von einer durch Wahlkampfemotion getriebenen Opposition als von der eher unverdächtigen transnationalen Organisation für Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD). Und die Mängelliste war mehr als nur ein Schlechtreden, da mit Fakten untermauert: Die kühlen Rechner der honorigen Organisation, der neben Österreich 29 weitere demokratisch regierte Industriestaaten angehören, legten einen 502 Seiten starken Bericht voller Zahlen und Daten vor (siehe Grafiken).</p>
<p>Der Bericht stellt Österreichs Universitäten ein wenig erfreuliches Zeugnis aus: In kaum einem OECD-Land stagniert die Zahl der Studienanfänger derart wie in Österreich. Zudem schließt jeder dritte österreichische Student sein Studium nicht ab. Und auch für die kommenden zehn Jahre sei keine nennenswerte Steigerung der Akademikerzahl zu erwarten. Unter den OECD-Mitgliedsstaaten bildet nur ein wegen seines teils dürftigen Entwicklungsstandes gescholtener EU-Beitrittswerber noch weniger Akademiker aus als Österreichs: die Türkei.</p>
<p>Wer auch immer nach der Nationalratswahl am 1. Oktober das Chefbüro des Wissenschaftsministeriums am Wiener Minoritenplatz beziehen wird: Eine neue Regierung mit Rot-oder Grün-Beteiligung hat auf jeden Fall eine Menge offener Baustellen zu sanieren. Und auch wenn die Wissenschaftsministerin weiterhin Elisabeth Gehrer heißen sollte und der momentane Kurs weiterverfolgt wird, gilt es eine ganze Reihe von Problembereichen zu lösen.</p>
<p><strong>Dringend gesucht: Lehrpersonal</strong></p>
<p>Die Relation von Lehrenden zu Studenten ist an manchen Instituten geradezu alarmierend. Dass Professoren bis zu 50 oder mehr Diplomarbeiten gleichzeitig betreuen, ist mittlerweile keine Seltenheit. Auch vor widerrechtlichen Schritten schrecken einige Universitäten ob der Personalnot nicht mehr zurück &#8211; und nehmen Doktoratsstudenten teilweise nur noch unter der Bedingung auf, dass sie einen Betreuer vorweisen können, der bereit ist, ihre Dissertation zu unterstützen. Das verstößt gegen das Gesetz. Am unteren Ende des Lehrendenspektrums wiederum werden die Möglichkeiten für den wissenschaftlichen Nachwuchs eingeschränkt: Durch das neue Dienstrecht können Assistenten nicht mehr mit einer durchgängigen wissenschaftlichen Karriere rechnen. Nach den ersten vier Jahren müssen sich die Jungwissenschafter erneut bewerben. Ausschlaggebend für eine Weiterbeschäftigung ist unter anderem die Zahl der Publikationen und Forschungsarbeiten. Weil die Neo-Assistenten aber hunderte Studenten in ihren Lehrveranstaltungen betreuen müssen, bleibt die Forschung oft auf der Strecke &#8211; ein Teufelskreis. In der Folge könnte den heimischen Hochschulen wegen momentaner Finanznot eine ganze Generation der geistigen Elite verloren gehen.</p>
<p><strong>Sanierungsbedürftig: Infrastruktur</strong></p>
<p>Aufgrund von Ausgliederung und Vollrechtsfähigkeit sind die Universitäten nun auch für die von der Bundesimmobiliengesellschaft gemieteten Gebäude verantwortlich. Viele der Bauten sind jedoch renovierungsbedürftig, einige stehen teilweise unter Denkmalschutz. Zu wenig Platz hatten die meisten Institute ohnehin schon vor der Ausgliederung; zusätzliche Räumlichkeiten, die sich bereits das Bildungsministerum nicht leisten konnte, als es noch die Budgethoheit über die einzelnen Hochschulen hatte, müssen die Unis nun aus ihren jeweiligen Budgets bezahlen, welche sie wiederum mit dem Ministerium ausverhandeln müssen. Technische Studienrichtungen haben vor allem mit dem vor Jahren verfügten Anschaffungsstopp zu kämpfen: Die Geräte, mit denen Studenten und Wissenschafter arbeiten, entsprechen oftmals schon lange nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik. Lehre und Forschung auf der Höhe internationaler Standards sind daher vielfach kaum möglich. Die Bilder von einstürzenden Hörsaaldecken im nun sanierten Neuen Institutsgebäude oder Massenvorlesungen und-prüfungen, wie noch vor zwei Jahren von Studenten der Wirtschaftsuni in Kinosälen, sind nach wie vor präsent. Wenngleich sich die Situation um eine Nuance entspannt hat.</p>
<p><strong>Glaubensfrage: Zugangsbeschränkungen</strong></p>
<p>Mit dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom Juli vergangenen Jahres dürfen in Österreich nun auch jene EU-Bürger (hauptsächlich Deutsche) studieren, die &#8211; etwa ob ihres zu schwachen Notenschnitts &#8211; in ihrem Heimatland keinen Studienplatz bekommen hätten. Den daraus resultierenden Ansturm auf die Medizinunis bremste man diesen Sommer erstmals mit Aufnahmetests. Dennoch müssen beispielsweise an der Wiener Medizinuni immer noch hunderte Studenten ein ganzes Jahr lang aussetzen: Sie haben den ersten Studienabschnitt &#8211; trotz Knock-out-Prüfungen &#8211; zwar erfolgreich absolviert. Die Universität sah sich aber außerstande, genügend Laborplätze für den zweiten Studienabschnitt zur Verfügung zu stellen. Die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH) warnt nun davor, dass die Zugangsbeschränkungen auch auf andere Fächer ausgedehnt werden könnten. Prinzipiell möglich wären sie abgesehen von Medizin bereits in den Studienrichtungen Veterinär-und Zahnmedizin, Biologie, Psychologie, Pharmazie, Betriebswirtschaft und Publizistik. Wollte eine Regierung unter Rot-oder Grün-Beteiligung die Beschränkungen rückgängig machen (beide Parteien äußerten sich skeptisch gegenüber Zugangsbeschränkungen), stünde man erneut vor dem Problem unkontrollierbaren Studentenzulaufs aus dem Ausland.</p>
<p><strong>Streitfall: Studiengebühren</strong></p>
<p>Die Studiengebühren sind der Kernkritikpunkt der beiden momentanen Oppositionsparteien. Sowohl Grüne als auch die SPÖ haben mehrfach beteuert, die Gebühren im Falle einer Regierungsbeteiligung abschaffen zu wollen. SPÖ-Bildungssprecher Erwin Niederwieser hat dies der damaligen ÖH-Führung bereits vor der vergangenen Nationalratswahl während einer Diskussionsveranstaltung zugesichert und sein Versprechen spontan handschriftlich festgehalten und unterzeichnet: &#8220;Die SPÖ wird die Studiengebühren ersatzlos wieder abschaffen&#8221; (siehe Faksimile). Woher die SPÖ das Geld zur Stopfung des dann noch größeren Lochs in der Finanzierung der Uni-Betriebs nehmen will (sollte es im Gegenzug nicht möglich sein, die Eurofighter-Bestellung zu stornieren und die Mittel umzuleiten, wie sich die Roten das vorstellen), hat sie noch nicht verraten. Die Grünen wiederum würden laut Wissenschaftssprecher Kurt Grünewald zumindest 700 Millionen Euro allein in die Grundausstattung der Unis investieren. Das deckt sich mit der Forderung der österreichischen Rektorenkonferenz: Die Uni-Chefs haben diese Summe mehrfach genannt, um das Nötigste finanzieren zu können.<br />
<strong><br />
Kernproblem: Finanzierung</strong></p>
<p>Derzeit verhandeln die einzelnen Universitäten mit dem Wissenschaftsressort ihr jeweiliges Budget für die kommenden drei Jahre. Der Gesamtkuchen, den das Ministerium zur Verfügung hat, wurde im Budget bereits festgeschrieben. Jedoch liegt Österreich mit Ausgaben von 0,78 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für die Universitäten weit unter der von der EU-Kommission empfohlenen und von Rektoren wie Studenten geforderten Mindestmarke von zwei Prozent. Nun haben die Universitäten so genannte Leistungsvereinbarungen vorgelegt, auf welche Fächer sie sich in den kommenden drei Jahren jeweils mehr und auf welche sie sich weniger konzentrieren wollen. Danach bemisst sich die Höhe der Mittel, die sich bei den Budgetverhandlungen im Ministerium lukrieren lassen. Auch wenn die Rektoren in dieser heiklen Verhandlungsphase offene Konfrontationen mit der Ministerin vermeiden wollen, monieren einige von ihnen doch das Fehlen eines gesamtösterreichischen Hochschulkonzepts. Den schwarzen Peter, nun selbst entscheiden zu müssen, welche Studienrichtung man in der eigenen Uni aushungert, wollen sich die Uni-Chefs naturgemäß nur ungern zuschieben lassen. Eine neue Regierung sähe sich &#8211; nach Abschluss der momentanen Budgetverhandlungen &#8211; zweifellos mit Wünschen der Rektoren nach einem solchen ganzheitlichen Konzept konfrontiert.</p>
<p>&#8220;Bisher hat sich die Regierung nicht getraut zu sagen: Das ist uns ein Student wert&#8221;, kritisiert SPÖ-Wissenschaftssprecher Josef Broukal. &#8220;Die Unis bekommen immer noch einen Fixbetrag, und dafür müssen sie genauso viele Studenten nehmen wie eben kommen.&#8221; Genau das sollte sich ändern: Die Politik solle künftig bekannt geben, wie viel sie bereit ist, sich die Ausbildung eines Studenten kosten zu lassen. Daran möge eine neue Regierung &#8211; und ein etwaiger neuer Wissenschaftsminister &#8211; gemessen werden.  </p>
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		<title>Wie ich fast Arzt wurde</title>
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		<pubDate>Mon, 10 Jul 2006 07:00:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jb</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Medizin]]></category>
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		<category><![CDATA[Universitäten]]></category>

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		<description><![CDATA[Reportage. Erstmals entscheidet in Österreich ein Test über die Zulassung zum Medizinstudium. 3685 Maturanten wollen unbedingt Arzt werden und ließen sich prüfen. Josef Barth auch. (für profil)
Sie sind alle da. Die gleichen Typen, wie man sie aus den eigenen Uni-Tagen kannte und zu denen man selbst freilich nie gehörte: der Streber mit Bundfaltenhose und Brille, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Reportage. Erstmals entscheidet in Österreich ein Test über die Zulassung zum Medizinstudium. 3685 Maturanten wollen unbedingt Arzt werden und ließen sich prüfen. <em>Josef Barth</em> auch.</strong> <em>(für profil)</em></p>
<p>Sie sind alle da. Die gleichen Typen, wie man sie aus den eigenen Uni-Tagen kannte und zu denen man selbst freilich nie gehörte: der Streber mit Bundfaltenhose und Brille, die beide schon uncool waren, als sie sein älterer Bruder in den neunziger Jahren trug; die Eifrige, der man den Wunsch nach dem weißen Kittel von den Augen ablesen könnte, würde ihr Rot-Kreuz-Poloshirt nicht ohnehin auf ihr ehrenamtliches Engagement hinweisen. Deutsche und Österreicher unterscheiden sich da kaum voneinander.</p>
<p>Auch die Pragmatiker sind präsent. Jene, die sich das &#8220;alles mal ansehen&#8221; und nach einem Scheitern beim Test sagen werden, dass sie &#8220;ohnehin nie Medizin studieren&#8221; wollten. Ebenso wie die höhere Tochter mit gold-ledernem Louis-Vuitton-Handtäschchen und den dazupassenden Nobelsandaletten, die braun gebrannt erst von der Maturareise retour kam und sich gelangweilt die Sonnenbrille ins Haar steckt.</p>
<p>&#8220;Also Psychosen find ich ja supercool&#8221;, sagt sie und entpuppt sich als Tochter eines Neurologen-Ehepaars. &#8220;Ich find das so spannend, wie jemand die Krise kriegen kann, obwohl das, was er sich vorstellt, gar nicht existiert.&#8221; Wenn sie nach diesem Nachmittag zu jenen zwei Dritteln gehört, für die es im Herbst leider doch keinen Studienplatz gibt, wird sie wissen, wie das so ist.</p>
<p>Immerhin, auch sie wartet um 7.30 Uhr vor der Halle A am Wiener Messegelände. Obwohl es nicht die beste Uhrzeit ist, um junge Menschen auf die Jahre als Studenten vorzubereiten, spucken die Sonderzüge der Straßenbahnen immer neue Delinquenten aus. 2261 sind es schließlich, die in Wien, nachdem sie Sicherheitschecks ähnlich jenen auf einem Flughafen passiert haben, in die klimatisierte Halle drängen. Nur die besten 740 werden Medizin studieren dürfen.</p>
<p>Für die meisten geht es um ihre persönliche Zukunft. Um ihre Chance, Arzt werden zu dürfen.</p>
<p>Die Auflagen sind streng. Erlaubt sind nur &#8220;weiche Bleistifte, Härte 2 oder HB, optional ein dünner Filzschreiber, Radiergummi, Spitzer&#8221;. Elektronische Geräte dürfen nicht einmal in stillgelegter Variante in den Hosentaschen sein. Mehr als 2000 Twens ohne Handy auf einem Fleck: Für wenige Stunden wird die Messehalle zum Unikum in der westlichen Welt.</p>
<p>Alles ist durchdacht und geplant. Schon vor Wochen trudelte die Platzanweisung per E-Mail ein: EMS-Nummer 10607355, Eingang 1, Sektor 1, Gruppe C, Platz 155. Nun wird kontrolliert und registriert, jeglicher Individualismus ausgeschaltet. Gespannte Stille im Saal. Aus dem Funkgerät des Oberaufsehers tönt die Vollzugsmeldung: &#8220;Sektor 1 &#8211; Zählung abgeschlossen!&#8221; Aufmüpfigere Studenten, wie jene der Politikwissenschaft, hätten den Organisatoren vermutlich schon autoritär-faschistoides Handeln unterstellt.</p>
<p>&#8220;Für den Test braucht man nicht zu lernen&#8221;, sagt Vizerektor Rudolf Mallinger am Eingang. &#8220;Wenn man in seiner Mittelschulzeit gut aufgepasst hat, ist das aber nicht negativ.&#8221; Zu dumm, dass die schon eine Weile her ist.</p>
<p>Für die naturwissenschaftlichen Schlussrechnungen des Kapitels &#8220;Quantitative und formale Probleme&#8221; reicht es glücklicherweise noch: Eine Maispflanze bindet durch Fotosynthese 2,5 Prozent der aufgenommenen Energie. Durch die Atmung gehen 40 Prozent davon verloren. Von der verbleibenden Energie entfallen 5 Prozent auf die Körner. Welcher Anteil der aufgenommenen Sonnenenergie steckt also in den Körnern? A: 0,05%, B: 0,075%, C: 0,5%, D: 0,75% oder E: 1,0%?</p>
<p>Die Fragen zum &#8220;medizinischen Grundverständnis&#8221; gleichen den Aufgaben im Info-Heft, mit dem man seit der Anmeldung zum Test im Frühjahr trainieren konnte: Im Körper ist die Stickstoffbilanz normalerweise ausgeglichen. Der aufgenommene Stickstoff ist in den Eiweißen der Nahrung enthalten. Bei Hunger werden körpereigene Eiweiße abgebaut. Wie sieht die Stickstoffbilanz eines Menschen im Hungerzustand aus? Okay, derlei glaubt man ja noch mit dem von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer gern zitierten Hausverstand lösen zu können.</p>
<p>Die Antwortmöglichkeiten Positiv, Negativ oder Ausgeglichen sind jedoch in fünf Varianten mit unterschiedlichen Begründungen verpackt. Der Stift kreuzt also nur zitternd an. Bei anderen Fragen würde man ohnehin lieber eine zweite Meinung einholen &#8211; vorzugsweise jene eines Internisten.</p>
<p>Dagegen fühlt sich der gelernte Student durch das &#8220;Planungs-und Organisations&#8221;-Kapitel von der Uni-Leitung verhöhnt. Hier werden die Fähigkeiten geprüft, die für eine effiziente Selbstorganisation im Studium wichtig sind. Als könnte man an Wiener Unis ohne solche Skills überhaupt inskribieren.</p>
<p>Die gestellte Aufgabe: Sie haben für die Sommerfete der medizinischen Fakultät drei Getränkestände zu organisieren. Aufbau durch Hilfskräfte und Bestellung bei den Bierlieferanten inklusive. Am effizientesten ist derjenige Ablaufplan, der die kürzestmögliche Zeit in Anspruch nimmt und ohne unnötige Pausen auskommt. Ein Affront! Während es die Medizin-Uni bisher nicht schaffte, ihren Studenten durch bessere Organisation der Übungsplätze Leerlaufzeiten zu ersparen, war noch jedes Studentenfest ein Erfolg.</p>
<p>Der &#8220;Schlauchfigurentest&#8221; (<a href="http://www.ems-trainer.org/material/Schlauchfiguren/27h.jpg">Beispiel hier</a>) stellt schon andere Hürden auf. 20 dieser obskur verschlungenen Figuren innerhalb von nur zwölf Minuten im Geiste in alle Richtungen rotieren zu lassen grenzt für einen Menschen, der ohne räumliches Vorstellungsvermögen zur Welt kam, an Psychoterror. Dafür drängt sich die Frage nach dem praktischen Nutzen dieser Übung im ärztlichen Tagesgeschäft auf.</p>
<p>Bei aller Kritik an Auswahlverfahren lässt sich zumindest eines sagen. Ohne naturwissenschaftliche Begabung besteht man diesen Test nur durch Zufall. Und für das Medizinstudium ist derartiges Talent vermutlich nicht nachteilig.</p>
<p>Heureka! Soziale Kompetenz wird doch geprüft! Zumindest im Ansatz. &#8220;Fakten lernen&#8221; heißt die Übung. Im Sinne einer menschlichen Behandlung des Patienten soll die kommende Ärztegeneration ebendiesen nicht mehr nur über seine Krankheit definieren: &#8220;Der Kreislaufkollaps&#8221; ist auch Lehrling, &#8220;der Herzinfarkt&#8221; heißt auch Herr Müller, und &#8220;die Lungenentzündung&#8221; hat drei Kinder. Das darf man sechs Minuten lang strebern, eine Stunde später wird es abgefragt. Ob die heute schon praktizierenden Ärzte diesen Testteil bestehen würden?</p>
<p>Textverständnis&#8221; &#8211; endlich! Das Kapitel, ein Heimspiel! Eine Aufgabe, bei der man punkten kann. Der einseitige Text enthält keine Zahlen. Blutgerinnung nach Verletzung &#8211; gut, da kann jeder mitreden. Auszug gefällig? Die sekundäre Hämostase (Blutstillung) kennt ein endogenes und ein exogenes System. Beim exogenen System werden Substanzen freigesetzt, die den Faktor VII aktivieren. Dieser aktiviert Faktor X, der wiederum die Aktivierung von Faktor II zu Thrombin bewirkt. So weit, so unklar. Beim endogenen System wird erst Faktor XII aktiviert. Dieser aktiviert Faktor XI, dann geht es über Faktor IX und Faktor VIII zu Faktor X, von wo ab die Reaktionsketten der beiden Systeme identisch sind.</p>
<p>Derart gebrieft lässt sich folgende Frage freilich leicht beantworten: Kann durch das Gift einer indischen Vipernart, das Faktor X aktiviert, auch im Blut von Blutern die Fibrinbildung angeregt werden? Oder kann die Thrombinbildung durch besagtes Gift auch in Abwesenheit von Faktor XII angeregt werden? &#8211; Ja? Nein? Beides richtig oder alles falsch?</p>
<p>Dass in einem anderen Text (Thema: Atmung) die Worte Inspiration und schweres Koma dicht beieinander stehen, ist an diesem Tag kein Zufall mehr.</p>
<p>Zehn Stunden dauert die Prozedur. Etwa die Hälfte der Zeit wird effektiv gearbeitet. Muster erkennen und wiedererkennen, wissenschaftliche Diagramme und Tabellen interpretieren &#8211; es wird gelesen und angekreuzt, gelesen und angekreuzt. Den Gutteil der Fragen beantwortet man schlussendlich nur noch instinktiv und tröstet sich damit, dass der Test laut Hersteller so konzipiert ist, dass im Durchschnitt etwa nur 50 Prozent der Aufgaben richtig beantwortet werden. Es ist praktisch unmöglich, dass Sie alle lösen.</p>
<p>Die Antworten im Schlussteil gibt man gern: Ob man eine eigene Praxis oder lieber in die Forschung will. Wie man sich auf den Test vorbereitete, in welche Schule man ging. Doch bei allem Verständnis, so viele Kriterien wie möglich für die Zulassung zum Studium in Betracht zu ziehen: Meine Schulnoten in Physik, Biologie und Mathematik gehen niemanden etwas an.</p>
<blockquote><p><strong>Quote, Test &amp; Deutsche</strong></p>
<p>Der Eignungstest für das Medizinstudium (EMS) wurde gemeinsam mit einer Quotenregelung eingeführt. Erarbeitet wird er vom Zentrum für Testentwicklung an der Université Fribourg in der Schweiz. Es gibt kein &#8220;Bestanden&#8221; oder &#8220;Nicht bestanden&#8221;. 75 Prozent der Studienplätze sind für Österreicher reserviert, 20 Prozent für EU-Bürger &#8211; was aufgrund des Wettbewerbsvorteils der gleichen Sprache großteils Deutsche sind -, und fünf Prozent gehören Drittstaatsangehörigen. Jene mit den besten Testergebnissen innerhalb ihrer Quote bekommen die Studienplätze. Damit bekommen Österreicher sogar noch Plätze, auch wenn viele Deutsche vielleicht besser abschneiden. Durch die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) vergangenen Sommer konnten Maturanten aus EU-Ländern plötzlich den freien Hochschulzugang in Österreich nutzen. Vor allem tausende Deutsche stürmten die Medizin-Unis, da Sprache und Ausbildung gleich sind. Vor dem EuGH-Urteil durfte hier nur studieren, wer ein österreichisches Maturazeugnis oder einen Studienplatz in seinem Heimatland hatte. Durch den in Deutschland herrschenden Numerus clausus reicht dort manchmal selbst ein Notenschnitt von 1,2 nicht aus, um Medizin zu studieren.</p></blockquote>
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		<title>Eine Weltklasse für sich</title>
		<link>http://josefbarth.com/eine-weltklasse-fur-sich</link>
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		<pubDate>Mon, 12 Sep 2005 16:00:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jb</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Hochschulpolitik. Wer jetzt schon studiert, hat noch Glück &#8211; obwohl Hörsäle überfüllt und Professoren überfordert sind. Fünf Gründe, warum sich die Lage der Universitäten und Studenten nicht bessern wird. (für profil)
Seit dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs am 7. Juli dieses Jahres ist alles anders. Erstmals kann einem Maturanten tatsächlich ein bestimmtes Studium verwehrt werden. Veterinär-, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Hochschulpolitik. Wer jetzt schon studiert, hat noch Glück &#8211; obwohl Hörsäle überfüllt und Professoren überfordert sind. Fünf Gründe, warum sich die Lage der Universitäten und Studenten nicht bessern wird. </strong><em>(für <a href="http://www.profil.at">profil</a>)</em></p>
<p>Seit dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs am 7. Juli dieses Jahres ist alles anders. Erstmals kann einem Maturanten tatsächlich ein bestimmtes Studium verwehrt werden. Veterinär-, Zahn- und Humanmedizin, Biologie, Betriebswirtschaft sowie Pharmazie, Psychologie und Publizistik dürfen nun Aufnahmestopps verhängen, da sonst der komplette Kollaps durch Numerus-clausus-Flüchtlinge vor allem aus Deutschland droht. Die genannten Institute brauchen nur so viele Hörer zu unterrichten, wie sie bewältigen können.</p>
<p>Das lange absehbare Urteil hat die Diskussionen um die Zukunft der Unis neu angeheizt: Vorlesungen, die aus Platz- und Geldmangel in Kinosälen abgehalten werden; Professoren, die sich weigern, Diplomarbeiten zu betreuen; Studien, die Österreich bescheinigen, im internationalen Vergleich hohe Abbrecher- und geringe Akademikerquoten zu produzieren &#8211; Bildungsministerin Elisabeth Gehrer hatte im vergangenen Studienjahr viel Kritik einzustecken. Und die triste Situation der Unis dürfte sich trotz Verhandlungen und Beteuerungen auch nicht verbessern &#8211; aus mehreren Gründen.<br />
<strong><br />
1. Der offene Hochschulzugang ist Geschichte</strong></p>
<p>Die Kriterien, nach denen in den acht Studienrichtungen mit Zugangsbeschränkungen in Wien, Graz, Salzburg, Innsbruck und Klagenfurt Studenten ausgewählt werden, stehen noch nicht zur Gänze fest. &#8220;Wo Studien sehr ähnlich sind, kann es sein, dass es einheitliche Regelungen geben wird&#8221;, sagt Christoph Badelt, der Vorsitzende der Rektorenkonferenz. &#8220;Unterschiedliche Auswahlkriterien haben aber den Vorteil, dass Leute mit unterschiedlichen Stärken zum Zug kommen.&#8221;</p>
<p>Das Privileg einiger Institute weckt nun Begehrlichkeiten an anderen Instituten und Universitäten. Vor allem durchlässige Stellen könnten bald abgedichtet werden: So unterliegt zwar Betriebswirtschaft einer Beschränkung, bei seinen Verwandten Wirtschaftspädagogik und Volkswirtschaft bestehen dagegen keine solchen Hürden. Folglich könnten Studenten dorthin ausweichen &#8211; und damit das Andrangsproblem verlagern.</p>
<p>&#8220;Die Rektoren würden die Zugangsbeschränkungen nur allzu gerne auf andere Fächer ausweiten&#8221;, fürchtet die stellvertretende ÖH-Vorsitzende Barbara Blaha. Tatsächlich empfahl der Rechnungshof bereits Anfang August Eingangstests für Lehramtsstudenten. Das Ministerium signalisiert Wohlwollen, die AHS-Lehrergewerkschaft ebenfalls.</p>
<p>Mit einer so genannten Studieneingangsphase, an deren Ende meist eine Knock-out-Prüfung stand, konnten einzelne Fächer schon bisher die Massen filtern. Die Summative Integrierte Prüfung (SIP) am Ende des ersten Medizinstudienjahres ließ nur so viele Studenten passieren, wie Laborplätze im zweiten Abschnitt zur Verfügung standen. Hunderte Studenten, die die Prüfung an sich positiv absolviert hatten, mussten warten &#8211; und im schlimmsten Fall ein ganzes Jahr mit dem Studium aussetzen.</p>
<p><strong>2. Die Studienbedingungen werden nicht besser</strong></p>
<p>Die Verhältnisse an Österreichs &#8220;Weltklasseunis&#8221; (Ministerin Gehrer) werden sich auch durch die Zugangsbeschränkungen nicht wesentlich verbessern. Zu lange wurde im Unibetrieb improvisiert: Professoren und Assistenten investieren das Gros ihrer Energie in die Abwicklung des Lehrbetriebs, prüfen hunderte Studenten pro Semester. Schriftliche Arbeiten werden teils von Studienassistenten &#8211; oft höhersemestrigen Studenten &#8211; korrigiert. Teilweise wird wissenschaftliches Personal gar zu reinen Administrationsarbeiten eingeteilt. In Seminaren sitzen bis zu viermal so viele Hörer wie vorgesehen. Die vernünftige wissenschaftliche Erarbeitung von Themen ist da kaum möglich. An der Wiener Publizistik weigerten sich Professoren vergangenes Jahr, neue Diplomarbeiten zu betreuen &#8211; auch nach Bewilligung zusätzlicher Gelder hat sich die Lage nicht entspannt. Die Forschungstätigkeit bleibt deshalb vielfach auf der Strecke.</p>
<p>Ändern wird sich daran nicht viel: In den Führungsetagen des Ministeriums und der Rektorate registriert man, dass das System auch so funktioniert. Und für die Abschaffung dieser Selbstausbeutung würde es viel mehr Personal und damit Geld brauchen. In den vergangenen 20 Jahren habe sich die Zahl der Professoren zwar verdoppelt, sagt ÖH-Chefin Rosa Nentwich-Bouchal, die Zahl der Studenten aber vervierfacht. Dabei weist Österreich im OECD-Vergleich eine sehr bescheidene Akademikerrate auf (siehe Grafik Seite 8). Die Wirtschaftsuniversität reagierte modern: Ohne Universitätsboden betreten zu müssen, kann man den Stoff der Studieneingangsphase online erarbeiten. Das ist effektiv, fördert aber andererseits weder Networking noch Sozialkompetenz.</p>
<p><strong>3. Der Geldmangel wird chronisch</strong></p>
<p>Die vergangenen Jahre waren für die Universitäten finanziell dramatisch. Die Hochschulen wurden von der Politik zwar in die Selbstständigkeit entlassen, jedoch ohne ausreichendes Budget. Inzwischen zeigt die neue Autonomie ihre monetären Schattenseiten &#8211; begleitet von teils absurden Regelungen: Konnten beispielsweise früher Gastvortragende aus der Privatwirtschaft mit Lehrerlaubnis des Ministeriums abgabenschonend im Rahmen von Werkverträgen abgerechnet werden, sind die Unis nun gezwungen, viele Vortragende anzustellen, was deutlich mehr kostet.</p>
<p>Außerdem will die Bundesimmobiliengesellschaft durch anfallende Grundsteuer mehr Geld für die gemieteten Unigebäude, und die Rektorate zahlen sich selbst durch neu geschaffene Funktionstitel bis zu dreimal so viel wie früher. Fast 660.000 Euro kosten der Rektor und seine vier Vizes die Universität Wien nun &#8211; statt wie bisher rund 242.000 Euro. Man habe die Unis bei der Ausgliederung gehörig über den Tisch gezogen, ließ ein Verhandler aus dem Finanzministerium gegenüber profil einmal triumphierend wissen.</p>
<p>Für die Universitäten rächt sich das bis heute. &#8220;Derzeit fehlen uns rund 170 Millionen Euro&#8221;, sagt der Budgetverantwortliche der Rektorenkonferenz, der Innsbrucker Rektor Manfried Gantner. Zwar sollte durch die Leistungsvereinbarungen ab 2007 wieder mehr Geld fließen, doch müssen sich die Unis auch um private Sponsoren kümmern. Unternehmen werden aber hauptsächlich in jene Studienrichtungen investieren, die verwertbare Ergebnisse liefern. Und die Finanzierung der restlichen Fächer, die Bildung statt Ausbildung und Erkenntnisse statt Ergebnisse liefern, genießt politisch derzeit keine Priorität.</p>
<p><strong>4. Das akademische Durchschnittsniveau sinkt</strong></p>
<p>Aufgrund der Konkurrenzsituation zwischen den Universitäten dürften nun jene Studien unter die Räder kommen, deren beruflich-wirtschaftlicher Nutzen nicht sofort erkennbar ist. Vor allem viele &#8220;Orchideenstudien&#8221; (siehe Seite 34) wie Rumänisch oder Alte Geschichte könnten in andere Studienrichtungen integriert werden, da sie in Relation zu Massenstudien aufgrund des vorteilhaften Betreuungsverhältnisses &#8211; wenige Studenten pro Professor &#8211; sehr kostenintensiv sind. 39 Fächer produzieren österreichweit nur bis zu je fünf Absolventen jährlich. &#8220;So viel Bildung muss sich ein Staat wie Österreich einfach leisten&#8221;, monierten die Verantwortlichen dieser Fächer bereits in den Ferien.</p>
<p>Im jüngsten weltweiten Uni-Ranking, das von der US-Universität Harvard angeführt wird, rangiert die Universität Wien auf Platz 85, die anderen heimischen Hochschulen belegen Plätze zwischen den Positionen 200 und 500. Dafür hat sich die Zahl der Fachhochschüler in den vergangenen fünf Jahren von 4114 auf 7558 nahezu verdoppelt (siehe Grafik). Bis 2010 sollen rund 30.000 Maturanten &#8211; ein Siebtel der derzeitigen Unistudenten &#8211; an den Fachhochschulen für einen Beruf ausgebildet werden.</p>
<p>Mit dem durch den europäischen Hochschulraum neu geschaffenen Bakkalaureat versuchen die Universitäten dem ein wenig nachzueifern &#8211; allerdings ohne den starken Praxisbezug der Fachhochschulen. Bisher gab es einen Magistertitel nach mindestens vier Jahren Studium, zum Bachelor reichen drei Jahre. Wer seinem Namen das Kürzel &#8220;Mag.&#8221; voranstellen will, muss zwei weitere Jahre anhängen. Die Jobchancen dürften damit kaum steigen: Die Lehrpläne vieler Studienrichtungen sehen derzeit lediglich die Absolvierung von zusätzlichen Seminaren zwischen &#8220;Bakk.&#8221; und &#8220;Mag.&#8221; vor. Der Durchschnittsabsolvent wird sich daher künftig wohl mit dem Bakkalaureat als Abschluss zufrieden geben.</p>
<p><strong>5. Die Eliteunis werden zu politischen Feigenblättern</strong></p>
<p>Während in der akademischen Bildung der Universitäten der Mainstream Einzug halten dürfte und die dortigen Professoren mehr mit Lehre denn Forschung eingedeckt sind, soll schon kommendes Jahr eine Eliteuni ihre Pforten öffnen. Insgesamt rund 800 Millionen Euro sollen im kommenden Jahrzehnt in das Projekt des Vorzeigephysikers Anton Zeilinger gepumpt werden (siehe Seite 29). Es werden jedoch hauptsächlich Naturwissenschaftler sein, die &#8211; in Kooperation mit der Wirtschaft &#8211; dort nach dem Unidiplom weiterforschen sollen.</p>
<p>Innerhalb von nur sechs Monaten gab das Wissenschaftsministerium grünes Licht für das in vielen Details noch unklare Projekt. Ein derartiges Prestigevorhaben und die möglichen daraus resultierenden technisch-wirtschaftlich verwertbaren Forschungsergebnisse lassen sich in der Öffentlichkeit gut verkaufen. Die Mittel für den üblichen Unibetrieb werden dagegen knapp gehalten werden.</p>
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