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Das Archiv.

Die als Journalist publizierten Texte finden Sie im Archiv des Nachrichtenmagazins profil – ebenso die aktuellen Stories von profil unter www.profil.at.

Posted: März 1st, 2010
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In eigener Sache

…ein kurzes Update:

Nach mehr als sieben Jahren als Journalist bei profil verlasse ich das Magazin mit Ende 2009.

Damit endet auch die Serie der hier bisher parallel publizierten Stories. Die Texte der Jahre 2002 bis 2009 bleiben aber freilich weiterhin abrufbar.

Posted: Dezember 31st, 2009
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Journalismus auf Rädern

Ausbildung. Ein neuer Redaktionslehrgang soll hör-, seh- und gehbehinderten Menschen hierzulande den Einstieg in den Journalismus ermöglichen. (für die Stadtzeitung Falter)

Peter White bringt auch die verstocktesten Interviewpartner zum Sprechen. Der Engländer ist Vollblutjournalist – und blind seit Geburt. Seit 1974 ist der heute 55-Jährige für die britische Radio- und TV-Anstalt BBC tätig, gestaltet Hörfunk- und Fernsehbeiträge und präsentiert sie vor Mikrofon und Kamera. Auch Magazine für Menschen mit Behinderung, aber nicht ausschließlich. “Es ist das gehaltvollste Interview der Woche, wenn Peter White mit führenden Größen aus der Welt der Politik, der Medien, des Showbusiness und des Sports im Gespräch ist”, verspricht die BBC in ihren Ankündigungen für das wöchentliche Radioformat am Samstagvormittag. Mit White gearbeitet, von ihm gelernt hat die Wienerin Constanze Hill. Seit Dezember ist sie jeden Samstagabend auf “Radio Arabella” “die Dame, die Ihnen zuhört, was immer Sie erzählen wollen”. Auch sie kann nicht sehen, beherrscht das journalistische Handwerk, beschränkt sich derzeit jedoch auf den Talk mit ihren Hörern.

Beide sind voll in ihren Redaktionen integriert. Ein Ausnahmefall – in Österreich noch mehr denn in anderen europäischen Ländern oder gar den USA. Gerade der Einstieg in den Journalismus ist die größte Hürde für Menschen mit Behinderung. Die Postulate der Medienbranche lassen auf den ersten Blick keinen Platz für physische Handicaps: Gefordert werden große Mobilität und Flexibilität sowie rasche optische und akustische Auffassungsgabe. Höchst problematisch für Menschen mit Rollstuhl, Blindenstock oder Hörgerät.

Hans Hirnsperger und Jasna Puskaric wollen dorthin, wo White und Hill bereits sind: in den Journalismus. Seit September absolvieren sie den “Integrativen Journalismuslehrgang für Menschen mit Behinderung”. Organisiert vom Verein Integration Österreich und finanziert aus Mitteln der so genannten Behinderten-(Schilling-) Milliarden, werden ihnen und weiteren zehn Teilnehmern ein Jahr lang die Grundzüge journalistischen Arbeitens im Print-, TV-, Radio- und Internetbereich vermittelt. Zusätzlich absolvieren sie Übungswerkstätten und auch Praktika in verschiedenen Redaktionen, um das Gelernte umzusetzen.

Der Lehrgang ist der erste und bislang einzige seiner Art in Österreich. Er offeriert Lehrinhalte, die von den Organisatoren (darunter die Journalistin Beate Firlinger) selbst erarbeitet wurden und lehnt sich ein wenig an den Lehrplan des ehemaligen Redaktionslehrgangs Magazinjournalismus des trend/profil-Verlages an. Und er ist deshalb so essenziell für den Berufseinstieg, da hier – neben der Vermittlung fachlich fundierter Qualifikationen durch kompetente Referenten wie Standard-Redakteurin Lydia Ninz – jene Defizite kompensiert werden sollen, die Menschen mit Behinderung bislang meist am Einstieg in den Journalismus gehindert haben. Fähigkeiten der Informationsbeschaffung oder technischen Umsetzung, die sich Kollegen ohne Handicaps meist mit extremen zeitlichem und physischem Aufwand im training on the job aneignen. Denn institutionalisierte Journalismusausbildungen haben in Österreich immer noch Seltenheitscharakter.

Puskaric und Hirnsperger haben eine Erkrankung des Muskelsystems. Bei der 21-jährigen Jusstudentin hat sich die Muskulatur nie wirklich aufgebaut, die Kräfte des 39-jährigen promovierten Mediziners bauen sich schon seit Jahren langsam und stetig ab. Beide bedienen sich eines Rollstuhls, der sich elektrisch steuern lässt, können aber damit “ein selbstbestimmtes Leben führen”, wie sie es nennen. Und – was beide noch mehr verbindet – sie wollen journalistisch tätig sein. Nicht “trotz”, sondern “mit” ihrer Behinderung. Denn von den Stereotypen medialer Darstellung von Menschen mit Handicaps haben sie mehr als genug. Über die Klischees von “bewundernswerten Pflegefällen, die an den Rollstuhl gefesselt sind und trotzdem nicht aufgeben”, ärgert sich Hans Hirnsperger fast täglich: “Das rückt uns in weite Ferne. Aber vielleicht ist das der Sinn solcher Beiträge.” Integration ist seiner Meinung nach mit einer derartigen Diktion nicht zu erreichen. “Es wäre gut, wenn einige von uns in Redaktionen tätig werden können, dann geht da vielleicht wieder was weiter.”

Damit unterstützt er eine zweite zentrale Zielsetzung des Lehrgangs: die Schaffung eines “neuen Bildes von Menschen mit Behinderung in den Medien” durch innerredaktionelle Integration. Journalisten mit Behinderung – und zwar einer solchen, die ein wesentliches Handicap für die Ausübung dieses Berufs darstellt – gibt es in Österreich kaum. Weder im Print-noch im elektronischen Bereich. Der ORF beschäftigt zwar nach den Vorgaben des Behinderteneinstellungsgesetzes rund 130 Mitarbeiter mit Behinderung in den verschiedensten Unternehmensbereichen, wirklich journalistisch tätig sind aber nur wenige. Namen möchte man “aus Rücksicht auf die Betroffenen” nicht nennen. “Darum freut es uns auch sehr, dass der ORF sich als Kooperationspartner auf dieses Projekt einlässt. Aus dieser Zusammenarbeit können sowohl wir, als auch der ORF lernen”, meint Franz Josef Huainigg von Integration Österreich, selbst ehemaliger Journalist und geistiger Vater des Redaktionslehrgangs. “Journalismus ist ein guter Beruf für Behinderte. Vielleicht nicht im tagesaktuellen Bereich, aber die Gestaltung von Beiträgen auf jeden Fall.” Die Hilfsmittel dazu sind vorhanden, wie das Beispiel einer blinden deutschen Wissenschaftsjournalistin belegt, die sich die fachliche Literatur mittels eigenen Scanners von ihrem Computer vorlesen lässt.

“Endlich auch Behinderung vor der Kamera”, also Präsentation und Moderation von TV-Formaten, wünscht sich Jasna Puskaric von den Medien. Im deutschsprachigen Raum ist die Sendung “Normal” des Sportfernsehsenders DSF, oft präsentiert vom Rollstuhlfahrer Peter Radke, nahezu ein Einzelfall. Doch der Weg, den es für die Jusstudentin zu beschreiten gilt, ist ein anderer. Behinderte nicht ausschließlich in speziellen Behinderten-Formaten, sondern “eben in ganz normalen Sendungen.” So normal wie ihre Behinderung.

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Umfrage: Behinderung im Journalismus

Man darf nicht so tun, als ob Behinderte ganz einfach Journalisten werden könnten”, sagt Meinrad Rahofer, Geschäftsführer des Kuratoriums für Journalistenausbildung. “Der Einstieg ist für jeden schwierig. Ich bin aber erstaunt, wie gut die Lehrgangsteilnehmer arbeiten. Und der Journalismus ist vielfältig, ich sehe da durchaus Möglichkeiten.” APA-Chefredakteur Wolfgang Mayr attestiert Österreich ein ungeheures Defizit im Umgang mit Behinderten – vor allem im Vergleich zu den USA: “Ich kann mir durchaus vorstellen, dass es machbar ist. Wir versuchen jedenfalls dazu beizutragen und Praktikumsplätze bereitzustellen.” “Bei entsprechender Qualifikation ist es egal, ob jemand behindert ist”, meint Brigitte Wolf, ORF-Landesdirektorin Wien und ehemalige Leiterin der Berufsaus- und Fortbildung im ORF. Es gäbe schließlich auch journalistisches Arbeiten, bei dem beispielsweise Sehen keine zwingende Voraussetzung sei. Was die Behinderung vor der Kamera betrifft, sagt Wolf: “Bei uns werden Sie niemanden finden, der sagt: Um Gottes willen! Jemand, der im Rollstuhl sitzt, darf doch nicht vor die Kamera.’” Auch Andy Kaltenbrunner, ehemaliger profil-Redakteur und Leiter des Redaktionslehrgangs Magazinjournalismus, ist überzeugt, dass hier die doppelte Überzeugungsarbeit bei Medienschaffenden nötig sei. Einerseits in Bezug auf die Handicaps, andererseits, weil noch immer viele der Überzeugung seien, Journalismus ließe sich ausschließlich im training on the job erlernen. “Es darf aber kein reservater Journalismus entstehen”, so Kaltenbrunner. “Behinderte dürften nicht nur im Behindertenressort eingesetzt werden, sondern auch im ganz normalen Journalismus – das würde auch den Redaktionen gut tun.”

Posted: März 13th, 2002
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