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Tote reden nicht

Exklusiv. Die umstrittenen Millionen von Alfons Mensdorff-Pouilly: Das Geld kam von einem Briten mit dem Spitznamen “der weiße Sultan” – und ging angeblich an einen Österreicher in Dubai. Beide Herren sind inzwischen überraschend verstorben. (für profil; mit Ulla Schmid und Martin Staudinger)

Ein Blatt Papier ist nur ungefähr 0,1 Millimeter dick. Aber man kann trotzdem darüber stolpern – das muss Alfons Mensdorff-Pouilly gerade schmerzlich erfahren.

Es war ein einzelner Zettel, der den “Grafen” zu Fall, oder genauer gesagt: in Untersuchungshaft, brachte. Seit September 2008 hatte die Justiz wegen Verdachts auf Bestechung und Geldwäscherei gegen ihn ermittelt. Und bisher war der burgenländische Adelige elegant allen Versuchen ausgewichen, seiner habhaft zu werden.

Aber dann lag da ein Zahlungsbeleg im Weg.

Er fand sich in einem ganzen Packen von Quittungen, mit denen Mensdorff fragwürdige Geldtransaktionen über eines seiner Bankkonten rechtfertigen wollte. Eines der Blätter zupften die Ermittler heraus, weil es ihnen besonders auffiel: Gefälscht, befanden sie.

Diese Annahme gab ihnen am Ende der vorvergangenen Woche einen willkommenen Anlass, den angeblich gerade von der Jagd gekommenen Mensdorff-Pouilly in Handschellen zu legen. Frühestens nach einer Haftprüfungsverhandlung am kommenden Freitag, den 13. März, darf er die Justizanstalt Josefstadt im siebten Wiener Gemeindebezirk wieder verlassen. Es ist aber gut möglich, dass er noch viel länger dort ausharren muss.*

Die österreichischen Behörden ermitteln in einem internationalen Bestechungsskandal um den britischen Rüstungskonzern BAE Systems gegen Mensdorff. Der Ehemann von Ex-Ministerin Maria Rauch-Kallat (ÖVP) ist aber auch in Großbritannien, Schweden und Tschechien unter Verdacht geraten. Er soll für BAE Schmiergelder gezahlt haben, um Politiker und andere Entscheidungsträger davon zu überzeugen, Jagdflugzeuge des Typs JAS-39 Gripen zu kaufen.

Für Alfons Mensdorff-Pouilly gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung.

Im derzeitigen Stadium des Verfahrens geht es um rund 14 Millionen Euro, die im Zeitraum von drei Jahren bei einem Unternehmen im Umfeld von Mensdorff gelandet und von dort aus weiterverteilt worden sein sollen. Bei 4,7 Millionen davon konnte der “Graf”offenbar keinen nachvollziehbaren Zahlungszweck angeben.

Der Sultan und der Tote. Darauf konzentrieren sich im Moment die Ermittlungen. Allerdings: An zwei wichtige Auskunftspersonen kommt die Justiz nicht mehr heran. Sowohl der Mann, der das Geld an Mensdorff überwiesen hat, ist inzwischen tot – wie auch der Empfänger, der es von Mensdorff erhalten haben soll. Die beiden starben 2007 binnen weniger Wochen.

Ihre Namen finden sich auf dem inkriminierten Zahlungsbeleg, der mit 8. Dezember 2003 datiert ist und nunmehr für die Verhaftung Mensdorffs ausschlaggebend war: Wolfgang Hamsa, Österreicher, als Geschäftsmann unter anderem in Dubai und verschiedenen Steuerparadiesen tätig, sowie Timothy Landon, Brite, Milliardär und Ex-Militär, Spitzname: “der weiße Sultan”.

Die Quittung selbst mag gefälscht sein (wobei Mensdorffs Anwalt Harald Schuster vehement dementiert, dass sein Klient eine mögliche Fälschung durchgeführt hat). Das Geld, mutmaßen die Fahnder, sei aber trotzdem geflossen. Und es ist vor allem das Datum auf dem Beleg, das sie stutzig macht.

Im Dezember 2003 steht BAE, mit 20 Prozent am schwedischen Saab-Konzern beteiligt, in der Tschechischen Republik vor schweren Problemen: Im Sommer 2002 hat die Regierung in Prag wegen Budgetnot ein bereits fixiertes Milliardengeschäft wieder storniert – den Ankauf von 24 Gripen-Jagdflugzeugen (siehe Kasten Seite 42). Jetzt versucht BAE, eine Alternative durchzusetzen: Die Tschechen sollen den Gripen leasen.

Eine geheime Vereinbarung, die das schwedische TV-Magazin “Uppdrag Granskning” publiziert hat, legt nahe, dass BAE im Jahr 2003 zu diesem Zweck mehrere “secret agents” beschäftigte – also geheime Vermittler. Verbrieft ist, dass tschechische Politiker unmoralische Angebote erhalten: Geld für die Zustimmung zur Anmietung von Gripen-Jets. Im Zusammenhang damit wird offenbar auch ein Unternehmen namens Valurex von BAE mit insgesamt vier Millionen britischen Pfund (damals fast sechs Millionen Euro) bedient.

Valurex wiederum wird einer schillernden Figur zugerechnet: James Timothy Whittington Landon, dem “weißen Sultan”. Der Spitzname stammt aus den siebziger Jahren. Damals hatte Landon als Geheimagent geholfen, den Sultan des Oman in einem Staatsstreich zu entmachten und war daraufhin zum Berater des neuen Herrschers aufgestiegen. In der Folge machte der Brite ein Vermögen: geschätzte 700 Millionen Euro, vor allem mit Waffengeschäften.

Landon hatte aber nicht nur Verbindungen in den Nahen Osten. Er soll einer der führenden Leute gewesen sein, die im Auftrag von BAE tätig waren. Und er hatte auch beste Kontakte nach Österreich. Durch seine Heirat mit Katalina Esterhazy Galantha taten sich hier Verwandtschaftsverhältnisse zum pannonischen Adel auf – und damit auch zu Mensdorff. Und der war, wie er gegenüber profil bereits vor einiger Zeit eingeräumt hat, auch für Valurex tätig: Nach eigenen Angaben allerdings erst ab 2005.

Inzwischen ist klar: Es war der “weiße Sultan”, von dem Mensdorff die nunmehr umstrittenen 14 Millionen Euro erhalten hat – einen Teil davon offenkundig bereits im Jahr 2003, also just zu dem Zeitpunkt, als sich Tschechien entschied, Gripen-Abfangjäger zu leasen.

Mensdorffs Anwalt Harald Schuster will den Geldfluss gar nicht dementieren. Allerdings hätten die Transaktionen absolut nichts mit Schmiergeldzahlungen oder gar mit Geldwäsche für Rüstungsgeschäfte zu tun gehabt: “Wenn der Verdacht der Geldwäsche so gesichert wäre, dann wäre wohl schon der halbe Vorstand von BAE in Haft. Denn Geldwäsche geht nicht ohne Mitwirkung von BAE. Dasselbe gilt für den Vorwurf der Bestechung. Mein Mandant hat damit nichts zu tun. Das sind alles Behauptungen von den britischen Behörden, und diese muss die heimische Staatsanwaltschaft einmal nachweisen.”

Investoren. Die Ermittler sehen das naturgemäß anders. Das Geld, das Landon an Mensdorff überwiesen habe, stammt ihrer Meinung nach in Wirklichkeit von BAE Systems und war für Bestechung vorgesehen.

Mensdorffs Anwalt Schuster sagt, die Millionen seien von Landon für Investoren vorgesehen gewesen und “an Dritte” weitergeflossen. Mensdorff sei nur ein Mittelsmann gewesen, der seinem britischen Verwandten kostenlos eine kleine Gefälligkeit erwiesen habe.

Ob auch Hamsa zu den “Dritten” gehört? Schuster: “Kein Kommentar.”

Über die Person von Wolfgang Hamsa und seine Verbindungen zu Mensdorff und Landon ist wenig bekannt. Der 1964 geborene Wiener hatte sich nach dem Studium der Betriebswirtschaft Ende der neunziger Jahre auf ein zukunftsweisendes Fach verlegt: die steuerschonende Gründung von Offshore-Gesellschaften. “Ich habe selten jemanden kennen gelernt, der dabei so firm war wie er”, erinnert sich ein früherer Geschäftspartner.

Bald hatte Hamsa einen Firmensitz auf den Kanalinseln, offiziell ein Büro in Dublin. Zu seinem Haupterwerbszweig wurde jedoch der Betrieb von Business Centern, die Büros und die dazugehörende Infrastruktur vermieteten.

Eines davon betrieb Hamsa im Wiener Millennium-Tower. Doch er beschränkte sich nicht auf Wien. Nach dem Jahr 2000 expandierte Hamsa ins arabische Emirat Dubai, um mit der neu gegründeten Emirates Business Center FZC im Luxushotel Fairmont nach Wiener Vorbild Geld zu machen.

Zu Weihnachten 2004 stieg Hamsa aus dem Dubai-Geschäft aus – genau ein Jahr zuvor, am 18.12.2003, soll er von Tim Landon 4,7 Millionen Euro erhalten haben. Das besagt zumindest der von Mensdorff der Justiz präsentierte Zahlungsbeleg.

Wusste Hamsa, dass sein Name auf diesem Beleg aufscheint? Welche Investments hatte der “weiße Sultan” in den Emiraten geplant? Und warum wählte der Brite den komplizierten Umweg über Österreich, wenn er das Geld auch einfach direkt hätte überweisen können? Das sind drei zentrale Fragen, denen die Justiz nun nachgeht.

Die Antwort kann nur Mensdorff geben. Denn Timothy Landon starb im Juli 2007 an Lungenkrebs.

Und auch Wolfgang Hamsa, einer der mutmaßlichen Empfänger, kann nichts mehr sagen. Er war wenige Wochen vor Landon Anfang April 2007 im Alter von 43 Jahren einem Herzinfarkt erlegen.

* Er teilt sich übrigens eine Zelle mit jenem mutmaßlichen Betrüger, der vor wenigen Wochen nach profil-Recherchen im so genannten Buchhaltungsskandal verhaftet wurde.

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Money Maker

Affäre. Über Umwege sollen 13 Millionen Euro vom britischen Rüstungskonzern BAE an Alfons Mensdorff-Pouilly geflossen sein. Vergangene Woche wurde der Waffenlobbyist aufgrund von profil-Recherchen festgenommen. (für profil; mit Ulla Schmid und Martin Staudinger)

Es sollte kein Höflichkeitsbesuch werden, der die Herren aus Wien am Freitagnachmittag vergangener Woche ins Burgenland nahe an die ungarische Grenze führte. Sie peilten ein konkretes Ziel an: das prachtvolle Schloss in Luising. Dessen Besitzer ist Alfons Mensdorff-Pouilly, Waffenlobbyist und Berater des britischen Rüstungskonzerns BAE Systems. Den Haftbefehl der Staatsanwaltschaft Wien hatten die Ermittler mitgebracht. Noch am Abend wurde der Gatte von Ex-Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat in die Justizanstalt in Wien-Josefstadt gebracht.

Der Verdacht wiegt schwer: Es geht um mutmaßliche Geldwäsche im Zusammenhang mit untitulierten – also nicht zuordenbaren – Zahlungen des britischen Waffenkonzerns BAE Systems an Mensdorff. Und es geht um die sagenhafte Summe von 13 Millionen Euro, “die von BAE an Mensdorff geflossen sein sollen”, wie Michaela Schnell, Sprecherin der Staatsanwaltschaft, profil gegenüber angibt.

BAE steht im Verdacht, im Zuge militärischer Beschaffungsvorgänge Schmiergeld gezahlt zu haben. In den vergangenen Monaten haben Ermittler nun verschiedenste Konten geöffnet, Geld-Ein- und -Ausgänge gecheckt, Empfänger überprüft. Dabei stieß man auf Zahlungsflüsse, die von BAE über diverse Firmen ihren Weg zu Mensdorff fanden. Mensdorff seinerseits war für BAE seit 1992 als Berater in Tschechien tätig gewesen. Im Zuge von Einvernahmen sei der Waffenlobbyist mit den Zahlungsflüssen konfrontiert worden, sagt Michaela Schnell. Der Waffenlobbyist habe daraufhin “versucht, die Zahlungseingänge zu rechtfertigen – und zwar indem er unter anderem gefälschte Zahlungsbelege vorlegte”. Die Ermittler befürchteten “Verdunkelungsgefahr” und “Tatbegehung” und erwirkten einen Haftbefehl.

“Es gab kein Rechtshilfeansuchen. Der Haftbefehl basiert auf Ermittlungsergebnissen heimischer Behörden”, so Schnell. Für Alfons Mensdorff-Pouilly gilt die Unschuldsvermutung.

Firmennetzwerk. Am Anfang der Affäre stand ein profil-Bericht im Februar 2007. Recherchen in Zusammenarbeit mit dem schwedischen TV-Sender SVT hatten Hinweise auf ein weit verzweigtes Firmennetzwerk ergeben, über das BAE – der viertgrößte Rüstungskonzern der Welt – bei Abfangjäger-Deals Schmiergelder verteilt haben soll. So etwa als BAE im Jahr 2003 versucht haben soll, Gripen-Abfangjäger – die Briten sind zu 20 Prozent am schwedischen Saab-Konzern beteiligt – an Tschechien zu verkaufen. Aus einer geheimen Vereinbarung aus dem Jahr 2003 geht zudem hervor, dass Mensdorff für ein in der französischen Schweiz domiziliertes Unternehmen aus Panama tätig war: die Valurex International S.A. Die Valurex wiederum wurde im Zusammenhang mit der Anbahnung des Gripen-Geschäfts in Tschechien von BAE mit Geldmitteln bedient. Mensdorff stritt gegenüber profil ab, dabei in unsaubere Geschäfte verwickelt gewesen zu sein. Für Valurex habe er erst ab 2005 gearbeitet. Und: “Ich habe niemals Provisionen oder Schmiergelder angeboten, um den Gripen zu verkaufen. Ich habe auch nie mit einem tschechischen Politiker oder Parlamentarier über den Gripen-Verkauf gesprochen.”

Zumindest diese Behauptung geriet im vergangenen Dezember ins Wanken. Damals berichtete profil von einer Anzeige, die ein Verwandter Mensdorffs bei der Staatsanwaltschaft Wien eingebracht hatte. Darin schildert der Mann, wie er im Auftrag des Grafen ein Treffen mit dem damaligen tschechischen Premier Milos Zeman sowie dessen Finanzminister Ivo Svoboda organisiert habe.

Mensdorff habe sich erhofft, die von Tschechien eigentlich schon anders (nämlich für den US-Hersteller Lockheed-Martin und dessen Kampfjet F-16) getroffene Entscheidung “noch zugunsten BAE Systems plc umdrehen zu können”, heißt es in der Anzeige.

Faktum ist: Die tschechischen Ermittler bestätigten zumindest Bestechungsversuche während der Verhandlungen über einen Leasingvertrag. Was umso bemerkenswerter ist, als sich die dortigen Behörden nie sonderlich eifrig um Aufklärung bemüht haben. BAE soll im Jahr 2003 Regierungsvertreter mit verdeckten Zahlungen in Höhe von 8,7 Millionen Euro dazu gebracht haben, einen Leasingvertrag für 14 Jagdflugzeuge des Typs JAS39 Gripen abzuschließen. Über einen österreichischen Geschäftsmann – der natürlich nicht Mensdorff-Pouilly heißen muss.

Faktum ist auch: Im Jahr 2005 landeten die ersten Gripen in Tschechien. Die dortige Regierung hatte den Amerikanern ab- und den mit BAE verbandelten Schweden zugesagt. Allerdings: Mensdorff wollte plötzlich nichts mehr mit dem Erfolg zu tun haben. Sein Verwandter vermutet hinter dieser Kindesweglegung rein pekuniäre Motive. Immerhin hatte ihm Mensdorff einen Anteil von einer Million Euro versprochen, sollte der Deal durch seine Vermittlung im gewünschten Sinne zustande kommen.

Der Anwalt Mensdorffs war Freitagabend für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Er stand seinem Mandanten bei der Einvernahme zur Seite.

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Unter Verdacht

Exklusiv. Bei der Staatsanwaltschaft Wien ist ein Ermittlungsverfahren gegen Alfons Mensdorff-Pouilly wegen des Verdachts der falschen Zeugenaussage anhängig. (für profil; mit Martin Staudinger)

In der Affäre um den Waffenlobbyisten Alfons Mensdorff-Pouilly ermittelt die Staatsanwaltschaft Wien nun wegen des Verdachts der falschen Zeugenaussage vor dem parlamentarischen Eurofighter-Untersuchungsausschuss. Gegen den Berater des britischen Rüstungskonzerns BAE Systems ist ein entsprechendes Ermittlungsverfahren anhängig, bestätigt der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Gerhard Jarosch, gegenüber profil.

BAE Systems soll laut schwedischen Fernsehberichten über einen österreichischen Mittelsmann Gelder an tschechische Politiker verteilt haben, um den schwedischen SAAB-Gripen-Jet zu verkaufen. profil berichtete zuletzt über klärungsbedürftige Aussagen Mensdorffs: In einer Anzeige behauptet ein Verwandter Mensdorffs, in dessen Auftrag ein Treffen mit dem damaligen tschechischen Premier Milos Zeman sowie dessen Finanzminister Ivo Svoboda in der Gripen-Causa organisiert zu haben. Vor dem U-Ausschuss gab Mensdorff jedoch zu Protokoll: “Sie werden niemanden finden in Österreich oder auch in anderen Ländern – was man behauptet -, wo ich jemals mit einem Politiker oder mit einem Beamten über so etwas geredet habe.” Für Mensdorff gilt die Unschuldsvermutung.

Posted: Januar 3rd, 2009
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