<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>josefbarth &#187; Fußball</title>
	<atom:link href="http://josefbarth.com/tag/fusball/feed" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://josefbarth.com</link>
	<description>digital strategies</description>
	<lastBuildDate>Sun, 25 Jul 2010 12:01:41 +0000</lastBuildDate>
	<generator>http://wordpress.org/?v=2.9.2</generator>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
			<item>
		<title>Sonderangebot</title>
		<link>http://josefbarth.com/sonderangebot-2</link>
		<comments>http://josefbarth.com/sonderangebot-2#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 21 May 2007 07:00:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jb</dc:creator>
				<category><![CDATA[for profil]]></category>
		<category><![CDATA[Fußball]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.josefbarth.com/?p=75</guid>
		<description><![CDATA[   Exklusiv. Ex-Skirennläufer und TV-Kommentator Armin Assinger wirbt im Rahmen der EURO 2008 als EM-Botschafter für die Stadt Klagenfurt. Sein Salär: bis fast zu 300.000 Euro. (für profil)
   Armin Assinger spricht viel und gerne. Das gehört zu seinen Jobs: ORF-Moderator für die &#8220;Millionenshow&#8221; und Skirennen, Testimonial für Baumärkte und Sportartikelketten. Vor [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>   Exklusiv. Ex-Skirennläufer und TV-Kommentator Armin Assinger wirbt im Rahmen der EURO 2008 als EM-Botschafter für die Stadt Klagenfurt. Sein Salär: bis fast zu 300.000 Euro.</strong> <em>(für profil)</em></p>
<p>   Armin Assinger spricht viel und gerne. Das gehört zu seinen Jobs: ORF-Moderator für die &#8220;Millionenshow&#8221; und Skirennen, Testimonial für Baumärkte und Sportartikelketten. Vor keiner Kamera, keinem Mikrofon ist der <span id="more-50"></span>kernige Kärntner (eigentlich gebürtiger Grazer) mit dem Sonnyboy-Image um Wortspenden verlegen.</p>
<p>   Bei der Frage nach seinem Salär beschränkt sich Assingers Wortschatz jedoch auf ein stereotypes Motto: Stillschweigen!</p>
<p>   Dies wurde auch für seinen jüngsten Nebenjob mit dem Auftraggeber vereinbart: Seit Jahresbeginn ist der frühere Skirennläufer und Exgendarm offizieller EM-Botschafter der Stadt Klagenfurt. &#8220;Jede Werbebotschaft braucht ein Gesicht. Und Klagenfurt als Host City der EURO 2008 ist es gelungen, das wohl populärste Gesicht des Landes für dieses Event zu gewinnen&#8221;, freute sich Klagenfurts VP-Bürgermeister Harald Scheucher.</p>
<p>   Und auch Assinger war angetan: &#8220;Es ist eine Auszeichnung, für meine Landeshauptstadt und für Kärnten als Botschafter auftreten zu dürfen.&#8221;</p>
<p>   Allein um der Auszeichnung willen dürfte es Assinger allerdings nicht gemacht haben. &#8220;I hob an bestimmten Tagsatz &#8211; oba für Klognfurt moch i&#8217;s billiger&#8221;, zitierte ihn der &#8220;Kurier&#8221; kurz nach Vertragsabschluss.</p>
<p>   Der übliche Tagsatz des Herrn Assinger ist profil nicht bekannt &#8211; sehr wohl jedoch, was er unter &#8220;billiger&#8221; versteht: Laut dem profil exklusiv vorliegenden Werbevertrag mit der Assinger Consult GmbH zahlt ihm die Stadt Klagenfurt &#8220;pro begonnenen Arbeitstag einen Betrag in Höhe von Euro 6000,00 (in Worten Euro sechstausend) zuzüglich Umsatzsteuer&#8221;.</p>
<p>   Ein eintägiges Fotoshooting lässt sich Assinger mit weiteren 10.000 Euro entlohnen. Und bei Terminen außerhalb Kärntens hat die Stadt Klagenfurt zusätzlich &#8220;angemessenen Spesenersatz&#8221; zu leisten.</p>
<p>   Stammtisch-Motivation. Die Gegenleistung: Assinger soll dafür unter anderem an &#8220;Motivationsabenden&#8221; zur Bildung von &#8220;EURO-08-Stammtischen&#8221; möglichst &#8220;aktiv teilnehmen&#8221;, an einem Prominenten-Elferschießen mitwirken und die Eröffnung des Klagenfurter Stadions mit seiner Anwesenheit beehren. Weiters soll er eine Gewinnspiel-Verlosung vornehmen und in zehn Kärntner Schulen jeweils 90-minütige &#8220;EURO-2008-Quizshows&#8221; abhalten. Selbst wie lange Assinger im Anschluss daran an die Kids Autogrammkarten zu verteilen hat, ist relativ genau geregelt: &#8220;jeweils rund 20 Minuten&#8221;.</p>
<p>   Zuzüglich der 10.000 Euro für das Fotoshooting kommen mit den &#8211; aus dem Vertrag herauslesbaren &#8211; &#8220;begonnenen&#8221; 16 Arbeitstagen immerhin stattliche 106.000 Euro zusammen. Außerdem kann die Stadt bis zum Ende der Europameisterschaft bei Bedarf bis zu 30 weitere Termine (für insgesamt rund 180.000 Euro) von Assinger beanspruchen. Fast 300.000 Euro netto (einst immerhin mehr als vier Millionen Schilling) könnte der Stadtführung für Assingers Engagement in Summe kosten.</p>
<p>   6000 Euro bezieht nach Medienberichten übrigens auch der EURO-Koordinator der Kärnten Werbung &#8211; allerdings monatlich, nicht pro Tag. (Wobei mittlerweile drei Koordinatoren am Werk sind: einer für die Stadt, einer fürs Land &#8211; und einer, der die beiden Koordinatoren koordiniert.)</p>
<p>   ÖVP-Bürgermeister Harald Scheucher scheint die Gage Assingers dennoch nicht zu hoch gegriffen. &#8220;Der Armin ist ein Superstar, er ist in der Welt des Sports zu Hause und der Mann, der die Leute in der Stadt Klagenfurt und im Land Kärnten auf dieses einmalige Event einstimmen kann&#8221;, ließ er bei der Präsentation des Neo-Botschafters wissen, ohne allerdings dessen Honorar zu nennen.</p>
<p>   Armin Assinger war nicht sonderlich glücklich, dass sein Vertrag kundgemacht wird, inhaltlich wollte er ihn gegenüber profil aber nicht kommentieren. In einem Interview mit der &#8220;Kleinen Zeitung&#8221; sagte er dazu einmal: &#8220;Nur so viel, als echter Kärntner hab ich schlecht verhandelt.&#8221;</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://josefbarth.com/sonderangebot-2/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>&#8220;Gaunereien &amp; Großmannssucht&#8221;</title>
		<link>http://josefbarth.com/gaunereien-grosmannssucht</link>
		<comments>http://josefbarth.com/gaunereien-grosmannssucht#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 06 Apr 2007 07:00:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jb</dc:creator>
				<category><![CDATA[for profil]]></category>
		<category><![CDATA[Fußball]]></category>
		<category><![CDATA[Gericht]]></category>
		<category><![CDATA[Justiz]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.josefbarth.com/?p=69</guid>
		<description><![CDATA[   Fußball. Ein Jahr vor der Euro 2008 trudelt die Bundesliga ins Chaos. Die FIFA droht Österreich mit dem Ausschluss von der EM. Jetzt beschäftigt der Fall GAK auch die Staatsanwaltschaft. (für profil; mit Josef Redl)
   Obwohl eben aus dem Lanzarote-Urlaub zurückgekehrt, war Franz Grad, Präsident des Paschinger Fußballvereins FC Superfund, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>   Fußball. Ein Jahr vor der Euro 2008 trudelt die Bundesliga ins Chaos. Die FIFA droht Österreich mit dem Ausschluss von der EM. Jetzt beschäftigt der Fall GAK auch die Staatsanwaltschaft.</strong> <em>(für <a href="http://www.profil.at">profil</a>; mit Josef Redl)</em></p>
<p>   Obwohl eben aus dem Lanzarote-Urlaub zurückgekehrt, war Franz Grad, Präsident des Paschinger Fußballvereins FC Superfund, merkbar angespannt, als er <span id="more-43"></span>am vergangenen Mittwoch vor versammelter Presse erneut das Ende des Profi-Fußballs in der Linzer Vorstadt proklamierte. Was in Pasching nun geschehen soll, ließ Grad vorerst offen. Als wahrscheinlich gilt eine Verschmelzung mit dem Zweitligisten FC Kärnten, der dann ab kommender Saison erstklassig wäre.</p>
<p>   Es ist die jüngste Posse in der großen Tragikomödie des österreichischen Fußballsports. Ein Verein geht pleite, nimmt eine ganze Liga in Geiselhaft. Ein anderer gibt kurz vor Schluss de facto auf. Ein Jahr vor der Europameisterschaft in Österreich herrscht im heimischen Fußball blankes Chaos.</p>
<p>   Nun macht selbst die FIFA kräftig Druck. In einem Schreiben droht der Weltfußballverband dem ÖFB mit dem Ausschluss österreichischer Mannschaften aus allen Bewerben. Die FIFA ist in solchen Belangen wenig zimperlich: Ähnliche Sanktionen wurden bereits über Polen oder Griechenland verhängt. Sie will den Fall GAK geregelt wissen. Andernfalls droht sie implizit damit, selbst das Nationalteam für die Euro 2008 zu sperren. Wenngleich dieser Fall als höchst unwahrscheinlich gilt, wäre es wohl die größte Blamage des österreichischen Fußballs überhaupt: als Gastgeber zum Zuschauer degradiert. Ein Platz in jedem einzelnen Geschichtsbuch, das je über den Fußballsport noch geschrieben wird, wäre Österreich sicher.</p>
<p>   Ins Rollen gekommen war die Affäre nicht zuletzt durch einen profil-Artikel. In der Ausgabe vom 5. März erklärte Harald Sükar, von Mai 2005 bis Juli 2006 Vereinspräsident des GAK, es hätte beim Lizenzierungsverfahren für die laufende Saison Ungereimtheiten gegegeben. Konkret hatte die Sportvermarktungsagentur International Management Group GmbH (IMG) einen Vertrag, der dem GAK eine jährliche Garantiesumme von fünf Millionen Euro bringen sollte, mit einer &#8220;Änderungsvereinbarung&#8221; (unterschrieben von Sükar) wieder gekündigt. Darüber, dass nun ein Millionenloch im Budget klaffte, informierte Sükar die Lizenzstelle der Bundesliga jedoch nicht &#8211; der GAK erhielt die Spielgenehmigung. Um in der höchsten österreichischen Spielklasse mitkicken zu dürfen, müssen die Klubs entsprechende wirtschaftliche Eckdaten vorweisen. Andernfalls gibt es keine Lizenz. So wurde der insolvente FC Tirol beispielsweise 2002 als regierender Meister zum Zwangsabstieg in die Landesliga verdonnert. Für seine Insolvenz bestrafte die Bundesliga nun den GAK &#8211; wie auch den Stadtrivalen Sturm Graz &#8211; mit einem Abzug von zehn Punkten in der laufenden Meisterschaft. Weitere sechs Punkte wurden dem GAK per Urteil eines internationalen Sportgerichts aberkannt, weil er einem Ex-Spieler noch immer Geld schulde (siehe Chronologie Seite 34). Und nochmals zwölf Punkte verloren die &#8220;roten Teufel&#8221; wegen der durch profil bekannt gewordenen Mängel beim Lizenzierungsverfahren.</p>
<p>   Vor Gericht. Nun ist in der Liga Feuer am Dach. Der GAK-Masseverwalter ging zu Gericht und ließ sich eine einstweilige Verfügung ausstellen, die dem GAK seine Punkte wieder zurückgibt. Sinngemäße Begründung des Gerichts: Durch den Punkteabzug drohen dem GAK mitten im Insolvenzverfahren wirtschaftliche Nachteile, Gläubigerinteressen seien gefährdet. Nun ist innerhalb der Bundesliga unklar, wer an letzter Stelle liegt und absteigen muss und wer in der neuen Saison ab Sommer in der obersten Spielklasse verbleibt.</p>
<p>   Dass ein Verein deswegen vor Gericht geht, war in der Welt der Liga-Granden bislang nicht vorstellbar. Per Statuten unterwirft sich jeder Verein der Schiedsgerichtsbarkeit der Bundesliga. Der Masseverwalter des GAK, Norbert Scherbaum, beruft sich jedoch auf das Konkursrecht. &#8220;Selbst wenn eine Bestrafung in anderer Form &#8211; etwa durch einen Punkteabzug &#8211; in Vereinsstatuten vorgesehen wäre, ändert das nichts daran, dass eine solche Strafe nicht umgesetzt werden darf, da das Konkursrecht den Vereinsstatuten vorgeht.&#8221; Das gelte auch für Strafen, die von der Bundesliga wegen angeblicher Fehler bei der Lizenzvergabe verhängt wurden.</p>
<p>   Ein Passus, der in der Liga mit Kopfschütteln aufgenommen wurde. Kommende Woche wollen Scherbaum und die Ligachefs weiterverhandeln. Dennoch wollen mehrere österreichische Vereine sicherheitshalber Regressforderungen in Millionenhöhe gegen den GAK anmelden, da sie durch etwaige FIFA-Sanktionen Schaden erleiden könnten.</p>
<p>   Mittlerweile beschäftigt die GAK-Insolvenz jedoch nicht nur Zivilgerichte und Weltfußballverband, sondern auch die Staatsanwaltschaft Graz. Sie hat gerichtliche Vorerhebungen eingeleitet und lässt sich derzeit die Unterlagen des Falles kommen. Dies bestätigte Staatsanwalt Peter Gruber gegenüber profil. In zwei bis drei Wochen will die Anklagebehörde dann entscheiden, ob und gegen wen unter Umständen konkret ermittelt wird.</p>
<p>   Das Problem zweifelhafter Finanzunterlagen in der Liga ist allerdings hausgemacht: Die Bundesliga besteht aus den Vereinen. Und diese kontrollieren sich mehr oder minder selbst. Die Liga beschäftigt keine eigene Wirtschaftsprüfungskanzlei, die Originalunterlagen der Vereine prüfen würde. Zu groß ist das Misstrauen untereinander. Vielmehr übergibt ein Klub seine Unterlagen einem Wirtschaftstreuhänder seines Vertrauens. Nur dessen Bericht wird der Liga übermittelt.</p>
<p>   &#8220;Zum Teil werden den Prüfern ganz einfach falsche Zahlen vorgelegt&#8221;, sagt Rudolf Novotny, Geschäftsführer der Fußballergewerkschaft VdF (siehe Interview). Und nicht nur bei Sponsorenkontrakten, auch bei Spielerverträgen tricksen manche Vereine ganz gern.</p>
<p>   Wie profil vorliegende Dokumente beweisen, wurden kickende Angestellte von österreichischen Fußballvereinen nämlich häufig mit doppelten Verträgen ausgestattet. Sommer 2004: Ein Bundesligaverein hält vertraglich mit seinem prominenten Neuzugang unter Punkt &#8220;III. Bezüge&#8221; fest: &#8220;Dem Spieler gebührt ein monatlicher Grundbezug (Fixum) in Höhe von brutto Euro 5000 (…) 14-mal jährlich.&#8221; Ergibt: 70.000 Euro vor Steuern. Dazu kommen Platzierungsprämien zwischen 100.000 (für das Erreichen der Tabellenplätze fünf bis zehn) und 150.000 Euro (für den Meistertitel). &#8220;Die Beträge verstehen sich als Nettobeträge, alle Abgaben und Steuern werden vom Verein getragen.&#8221; Das Ganze bis 30. Juni 2006 mit der Option auf ein weiteres Jahr. So weit der offizielle Vertrag für Bundesliga und Finanzamt.</p>
<p>   Tatsächlich bekommt der Spieler weit mehr ausbezahlt. Über die Konditionen hat man sich in einem geheimen Nebenkontrakt geeinigt: In dem zwei Seiten schlanken, von Spieler und Vereinsmanager unterzeichneten (und profil ebenfalls vorliegenden) Papier wird die Platzierungsprämie mit einem Minimum von 150.000 Euro (statt der oben angegebenen 100.000) vereinbart, und auch das Fixgehalt beträgt plötzlich stolze 150.000 (statt 70.000) Euro. Dazu kommen unversteuerte Zusatzleistungen wie Wohnung und Dienstwagen. Der Fußballer verdient pro Jahr zumindest 300.000 Euro netto, etwa doppelt so viel wie offiziell angegeben.</p>
<p>   Eidesstattliche Erklärungen. Legt man das auf einen Kader von mehr als 20 Spielern pro Verein um, ergibt sich ein erkleckliches Sümmchen, das der jeweilige Klub nicht nur an der Steuer vorbeischleust, sondern auch gegenüber der Bundesliga verheimlicht, um auf diese Weise leichter an seine Lizenz zu kommen.</p>
<p>   &#8220;Die Beträge werden bar im stillen Kämmerchen ausgezahlt&#8221;, erklärt ein Insider gegenüber profil. Diese Vorgangsweise sei im bezahlten Sport noch gang und gäbe &#8211; für das Finanzamt jedoch schwer zu beweisen. Und die Liga drückte bisher beide Augen zu. Jedenfalls werden die vorgelegten Spielerverträge nicht allzu penibel geprüft. Die Spieler werden aber auch zu Komplizen der Vereine und derartiger de facto krimineller Machenschaften gemacht. Fußballer schwiegen bisher lieber über ausständige Honorare oder geheime Nebenabreden, als den eigenen Verein unter Umständen die Bundesliga-Lizenz zu kosten und in einer der unteren Spielklassen zu kicken.</p>
<p>   Um die Spieler aus dieser Zwickmühle zu befreien, sollen sie künftig in die Pflicht genommen werden. Für das Lizenzierungsverfahren 2008/2009 will die Bundesliga den Spielern eine eidesstattliche Erklärung oktroyieren. Darin sollen die Kicker bestätigen, weder offene Forderungen gegenüber dem Verein noch Nebenkontrakte mit ihrem Arbeitgeber zu haben. Einen entsprechenden Entwurf hat die Präsidentenkonferenz der Ligavereine bereits im Jänner vorab abgesegnet.</p>
<p>   &#8220;Wir müssen schnell weg von den Gerichtssälen und uns wieder auf den Fußball konzentrieren. Dazu brauchen wir eine saubere Liga&#8221;, sagt Bundesliga-Vorstand Georg Pangl. Eine Lösung für die Rechtsstreitigkeiten mit dem GAK stellt er indes noch nicht in Aussicht, wiewohl am Mittwoch bereits erste Gespräche zwischen Pangl, Liga-Präsident Martin Pucher und GAK-Masseverwalter Norbert Scherbaum geführt wurden. &#8220;Von einem Waffenstillstand zu sprechen wäre verfrüht. Aber die Gespräche werden nächste Woche fortgesetzt&#8221;, so Pangl. &#8220;In Zukunft braucht es jedenfalls schärfere Kontrollen, um ein Chaos wie beim GAK zu vermeiden.&#8221;</p>
<p>   Bisher zählen vor allem die zuletzt in Graz gern als Wiener Mafia gescholtenen Vereine Austria und Rapid gemeinsam mit Salzburg und Tirol zu den seriösesten Klubs der obersten Spielklasse. Austria-Geschäftsführer Markus Kretschmar: &#8220;Es müssen endlich alle Klubs von Gaunereien und Großmannssucht loskommen.&#8221;</p>
<p>   Das Vertrauen der Österreicher in seine Kicker ist ohnehin nicht besonders hoch. Wie eine europaweite Umfrage im Auftrag des Magazins &#8220;Reader&#8217;s Digest&#8221; kürzlich offenbarte, rangieren Fußballer im Vertrauensranking der Österreicher nur auf dem vorletzten Platz.</p>
<p>   Schlechter liegt nur noch eine Berufsgruppe: die Politiker.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://josefbarth.com/gaunereien-grosmannssucht/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Die Abschiebung des Tigers</title>
		<link>http://josefbarth.com/die-abschiebung-des-tigers</link>
		<comments>http://josefbarth.com/die-abschiebung-des-tigers#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 02 Jan 2007 07:00:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jb</dc:creator>
				<category><![CDATA[for profil]]></category>
		<category><![CDATA[Asyl]]></category>
		<category><![CDATA[Fremdenpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Fußball]]></category>
		<category><![CDATA[Menschen]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.josefbarth.com/?p=62</guid>
		<description><![CDATA[   Asyl. Als &#8220;Black Pearls&#8221; führten sie die Eichgrabener Kicker zu neuen Höhen: wie eine Gemeinde gegen die Ausweisung ihrer Nigerianer kämpft und einem davon eine neue Existenz schenkte. (für profil)
   Zumindest einen letzten Rest von Stolz und Würde versuchte er zu bewahren. Innig drückte er in der sterilen Abflughalle des [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>   Asyl. Als &#8220;Black Pearls&#8221; führten sie die Eichgrabener Kicker zu neuen Höhen: wie eine Gemeinde gegen die Ausweisung ihrer Nigerianer kämpft und einem davon eine neue Existenz schenkte.</strong> <em>(für profil)</em></p>
<p>   Zumindest einen letzten Rest von Stolz und Würde versuchte er zu bewahren. Innig drückte er in der sterilen Abflughalle des Flughafens Wien-Schwechat all die Freunde, die ihm <span id="more-36"></span>bis zuletzt mit all ihren Möglichkeiten beigestanden hatten und schließlich doch machtlos gewesen waren: die Teenager, die er trainiert hatte und die ihn zu ihrem Bruder machen wollten; deren Eltern, die bereits mit dem Gedanken gespielt hatten, ihn zu adoptieren. Immer hatte er es verstanden, sie alle mit einem Wort, einer Grimasse oder einer seiner seltsam-witzigen Bewegungen zum Lachen zu bringen. Nur dieses Mal waren die Tränen stärker. Zwei Dutzend Vertraute begleiteten die letzten geschmeidigen Schritte, die der &#8220;Tiger&#8221;, wie sie den immer fröhlichen Twen nannten, auf österreichischem Boden machen sollte. Als Emmanuel Antiga die Schleuse der Passkontrolle durchschritten hatte, drehte er sich noch einmal um, winkte und weinte. Er sei fix und fertig gewesen, sagt eine, die dabei war. Aber man habe bei ihm immer das Gefühl gehabt, dass er lächelt &#8211; auch, wenn er einmal nicht lächelte.</p>
<p>   Emmanuel Antiga durfte nicht bleiben &#8211; Integration und Fürsprecher hin oder her. Der wendige Libero des SV Eichgraben mit der Rückennummer 4 bestieg an jenem Jännertag vor genau einem Jahr die sonntägliche Linienmaschine ins nigerianische Lagos. Mit seinem Asylantrag kam er bei den Behörden ebenso wenig durch wie mit seiner Geschichte: der einzige Sohn eines Voodoo-Priesters, der nach dem frühen Tod seiner Mutter beim christlich geprägten Onkel aufwächst und schließlich vor seinen Stammesbrüdern fliehen muss, weil diese ihn bei Todesdrohung zwingen wollen, als einziger Nachkomme des Schamanen die heidnisch-grausamen Stammesrituale fortzuführen &#8211; wer kauft einem das schon ab?!</p>
<p>   Unbesiegbar. Tiger musste gehen, er war der Erste. Zurück bleiben drei afrikanische Burschen, die in ständiger Angst leben, Tiger nun auf seinem Weg zurück folgen zu müssen. Anthony, Victor und Junior, drei tolle junge Kicker, die aus nächster Nähe mitansahen, wie ihre Freunde, Fans und Förderer im kleinen Eichgraben trotz aller Versprechen und Interventionen nichts für sie tun können, wenn die Behörden die Möglichkeiten der Anfang 2006 verschärften Fremdengesetze ausschöpfen.</p>
<p>   Dabei waren sie alle doch einmal unbesiegbar gewesen.</p>
<p>   Als der SV Eichgraben im Sommer 2004 in der zweiten Klasse Traisental wie in den Jahren davor auf dem vorletzten Tabellenplatz der untersten Liga herumgrundelte, stößt das magische Quartett aus Nigeria zur Mannschaft. Ein eigenwilliger Manager hatte die vier Afrikaner bei Trainingsspielen im Flüchtlingslager Traiskirchen entdeckt und in das 3000-Seelen-Dorf am Rande des Wienerwalds vermittelt, wo sie gleichsam über Nacht zu Stars wurden. 20 Tore macht in jener Herbstsaison allein Anthony, der Jüngste der Vierertruppe. Allen Verteidigern zieht der spritzige Stürmer davon. Die Sportreporter der Lokalblätter loben die Spielfreude der &#8220;Black Pearls&#8221; über den grünen Klee. Statt der üblichen 20 bis 30 müde klatschenden Spielerverwandten bejubeln nun 200 bis 300 Zuschauer Woche für Woche das erfolgreiche Team. Und der SV Eichgraben katapultiert sich in jener Saison vom vorletzten auf den zweiten Tabellenplatz &#8211; punktegleich mit dem damaligen Herbstmeister.</p>
<p>   Der Verein richtet seinen neuen Stars eine kleine Wohnung über dem Klubhaus ein, sie trainieren die Nachwuchsmannschaften, helfen ab und an in den umliegenden Gärten mit, und &#8220;Der Eichgrabener&#8221;, die gemeindeeigene Zeitung, sucht jegliche Drogendealer-Vorurteile der letzten skeptischen Einheimischen mit zu entkräften: Die jungen Afrikaner würden brav in der Bibel lesen. Was zumindest in Tigers Fall sogar stimmte. Bei der Mette, am Nachmittag des Heiligen Abends, sangen Victor und er gar ein Duett.</p>
<p>   Die Schilderungen von Vereinsfunktionären, Mitspielern und deren Familien zeichnen das Bild einer perfekten Integrationsidylle. &#8220;Wenn irgendwo so was funktioniert hat, dann hier bei uns in Eichgraben&#8221;, sagt die Lehrerin Elisabeth Hammerl. Sie war es schließlich, die sich gemeinsam mit der Familie von Ursula Leutgöb für Tigers Verbleib in Eichgraben starkmachte. Hunderte Unterschriften wurden gesammelt, bei den Sachbearbeitern der Behörden vorgesprochen, selbst der örtliche ÖVP-Landtagsabgeordnete eingespannt, um bei der Innenministerin zu intervenieren. Das ganze Netz an Kontakten wurde ausgenützt, um im menschlichen Einzelfall die scharfen Gesetze so wohlwollend wie möglich auszulegen. &#8220;Alles zwecklos&#8221;, sagt Hammerl. &#8220;In diesen Momenten merkt man erst, wie machtlos man im eigenen Land ist.&#8221;</p>
<p>   Schnell &amp; kitschig. So wollten die Eichgrabener zumindest in Tigers Heimatland etwas ausrichten. Den Ausschlag gab ein Beitrag der ORF-Sendung &#8220;Thema&#8221; über Youth Care International: Barbara Rupp, eine pensionierte steirische Ärztin, hatte in Graz einen nigerianischen Megafonverkäufer kennen gelernt, der sich als gelernter Mathematiklehrer entpuppte. Gemeinsam sammelten sie Spenden, um schließlich das &#8220;Holy Trinity&#8221;-Schulzentrum im nigerianischen Uromi aufzubauen, wo inzwischen mehrere hundert Kinder unterrichtet werden. &#8220;Als ich den Beitrag gesehen habe, wusste ich, das wäre was für Tiger&#8221;, sagt Hammerl. Sie kontaktierte Barbara Rupp und erzählte ihr Emmanuel Antigas Geschichte. Danach lief alles ebenso schnell wie beinahe kitschig ab: Via Eichgraben und Graz wurde der 22-Jährige als Sportlehrer von Lagos nach Uromi vermittelt, sein Gehalt monatlich von den Spenden der Eichgrabener bezahlt. Fußballklub, Verschönerungsverein, Pfarrgemeinderat &#8211; selbst bei der Weihnachtsfeier der Pensionisten wird gesammelt. Oft lagen Geldkuverts im Briefkasten der Leutgöbs, Menschen steckten ihnen im Ort zehn Euro zu. Für den Tiger. In Nigeria.</p>
<p>   Tigers Rückkehr nach Nigeria war nicht mehr zu verhindern. Doch Emmanuel Antiga durchschritt die Schleuse der Passkontrolle mit Stolz und Würde, vielleicht nur ein wenig beschämt von der Großzügigkeit seiner Freunde. Um ihm Schubhaft und Abschiebung mit Polizeigewalt zu ersparen, legten die Dorfbewohner schon damals zusammen: für ein Flugticket zurück nach Hause. Mit Kappen, T-Shirts, Schuhen und Schokolade als Geschenke im Gepäck, die ihn nicht als Gescheiterten auswiesen, sondern als stolzen Sieger &#8211; ein Gefühl, das Tiger mit seinen Leistungen als Kicker den Eichgrabenern oft genug geschenkt hatte.</p>
<p>   Für den Job und alles andere ist er mehr als dankbar. &#8220;Mein Traum ist es, sie alle wiederzusehen&#8221;, sagt Tiger am Telefon zu profil. &#8220;Sie haben mir ein neues Leben ermöglicht, und das werde ich ihnen nie vergessen.&#8221; Dass er nicht hier bleiben konnte, schmerzt ihn.</p>
<p>   Sein Rückflugticket nach Österreich, das er immer noch in der Tasche hat, läuft nächste Woche ab.</p>
<p>   Er wird es nicht mehr brauchen.</p>
<p>   Über den anderen drei der &#8220;Black Pearls&#8221; aus Eichgraben hängt weiter das Damoklesschwert der Abschiebung. Integration hin oder her.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://josefbarth.com/die-abschiebung-des-tigers/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Der verschmähte Mäzen</title>
		<link>http://josefbarth.com/der-verschmahte-mazen</link>
		<comments>http://josefbarth.com/der-verschmahte-mazen#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 28 Nov 2005 07:00:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jb</dc:creator>
				<category><![CDATA[for profil]]></category>
		<category><![CDATA[Fußball]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.josefbarth.com/?p=110</guid>
		<description><![CDATA[Fußball. Frank Stronach kehrt Austria Wien und der Bundesliga den
Rücken. Der Milliardär, der mit den Violetten Europacupsieger und mit
Österreich Weltmeister werden wollte, scheiterte ausschließlich an
sich selbst. (für profil)
   Der Sicherheitsmann am Eingang bewies Mut. „Es tut mir leid, aber
ich kann Sie nur mit einer Stimmkarte in den Saal lassen.“ Gerade
hatte Michael Häupl als [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Fußball. Frank Stronach kehrt Austria Wien und der Bundesliga den<br />
Rücken. Der Milliardär, der mit den Violetten Europacupsieger und mit<br />
Österreich Weltmeister werden wollte, scheiterte ausschließlich an<br />
sich selbst.</strong> <em>(für profil)</em></p>
<p>   Der Sicherheitsmann am Eingang bewies Mut. „Es tut mir leid, aber<br />
ich kann Sie nur mit einer Stimmkarte in den Saal lassen.“ Gerade<br />
hatte Michael Häupl als Vorsitzender des violetten Kuratoriums die<br />
drohende Revolte einiger Funktionäre niedergeschlagen, nun musste<br />
sich der Wiener Bürgermeister wie jedes andere Vereinsmitglied der<br />
Registrierungsprozedur unterziehen. Die Generalversammlung des FK<br />
Austria Magna, die Donnerstag vergangener Woche im Wiener<br />
Rathauskeller stattfand, brachte unter enormem Medienrummel ein<br />
denkbar kurioses Ergebnis. Sie schaffte Gewissheit, ohne<br />
Spekulationen zu beenden. Und leitete das Ende der Ära eines Mannes<br />
ein, der den Verein durch einen langfristigen Vertrag noch bis zum<br />
Juli 2007 in der Hand hat.</p>
<p>   Der drohende Umsturz durch eine kleine Gruppe von<br />
Austria-Mitgliedern unter Führung des Geschäftsmannes Helmut Denk<br />
(siehe Kasten) blieb aus. Präsident Peter Langer blieb<br />
trotz 7000 Protestunterschriften von Fans ebenso im Amt wie seine<br />
beiden Stellvertreter: Magna-Mann Andreas Rudas und<br />
„News“-Chefredakteur Peter Pelinka.</p>
<p>   Frank Stronach selbst, der sich als Zielscheibe der Attacken sah,<br />
blieb der Krisensitzung fern. Er hatte seine Entscheidung schon in<br />
den Tagen zuvor gefällt. Montag vergangener Woche kündigte er via<br />
Presseaussendung seinen Abschied von der Wiener Austria an, drei Tage<br />
darauf trat er als Bundesligapräsident ab. Er scheide nicht im Zorn,<br />
versichern Vertraute, sei der Austria immer noch &#8211; nach all den<br />
Anfeindungen &#8211; wohl gesonnen, wolle nur ihr Bestes.</p>
<p>   Kein Groll. Es entzieht sich der Vorstellungskraft des<br />
Durchschnittsbürgers, dass ein Mann, der bis zu 100 Millionen Euro in<br />
einen Verein investierte und nun von diesem verstoßen wird, keinerlei<br />
Emotionen hegen soll. Kein Hauch von Groll gegenüber den einfachen<br />
Fans nach dutzenden „Magna raus!“-Transparenten, die sie auf der<br />
Westtribüne im Wiener Horr-Stadion affichierten? Kein Unmut gegenüber<br />
kleinen Funktionären, die sein finanzielles Engagement für den Verein<br />
nicht zu schätzen wussten? „Weil mir die Zukunft der Austria wichtig<br />
ist, möchte ich den Betriebsführungsvertrag mit dem FK Austria Wien<br />
auflösen“, ließ er Montag vergangener Woche schriftlich und<br />
auffallend gelassen wissen. „Es gibt zurzeit inner- und außerhalb des<br />
Vereins große Unruhe und viele verschiedene Meinungen darüber, wie<br />
und von wem der FK Austria geführt werden soll. Eine solche Situation<br />
ist für die Zukunft eines Vereins nicht gut.“</p>
<p>   Im Fußball wollte sich der großzügige Gönner Stronach jene Freunde<br />
machen, die sich der knallharte Geschäftsmann Stronach nie leisten<br />
konnte. Bei Gala-Abenden der Sportprominenz wurde der rote Teppich<br />
ausgerollt, mit dem einzigen Meisterteller seiner Ära in Händen wurde<br />
er sogar einmal von den Fans bejubelt.</p>
<p>   Im VIP-Sektor der Austria-Tribüne haderte man weniger mit Stronach<br />
selbst als mit seinen falschen Einflüsterern. Wer ihm zustimmte,<br />
genoss bei ihm Ansehen, wer ihm widersprach, machte sich in seinen<br />
Augen der Arbeitsverweigerung schuldig. Streckte Stronach seine Hand<br />
aus, gab er Geld oder entschied mit gesenktem Daumen über das<br />
Schicksal von Trainer oder Sportdirektor. Er selbst sah das<br />
differenzierter. „Ich brauche keine Einflüsterer“, sagte er. „Ich<br />
hole mir Fakten, dann entscheide ich. Schnell und allein.“ Und leider<br />
zu oft falsch.</p>
<p>   „Wer zahlt, schafft an“, wurde zur Klubphilosophie am<br />
Verteilerkreis Favoriten, wo sich das Horr-Stadion, die Heimstätte<br />
der Austria, befindet. Dabei hatte Stronach nie verstanden, dass ein<br />
Fußballverein nicht wie ein Unternehmen zu führen ist. „Er hat es<br />
nicht geschafft, einen Vertrauensmann für die sportlichen Belange bei<br />
der Austria zu installieren, der ihm all das zurückgeben hätte<br />
können, was er sich verdient hätte“, sagt Austria-Legende Herbert<br />
Prohaska. „Aber er ließ es einfach selbst nie zu.“</p>
<p>   Identifikationsprobleme. Mit Ikonen wie Prohaska hat die Austria<br />
unter Stronach gebrochen. Die Fans konnten sich immer weniger mit dem<br />
Klub identifizieren. Prohaska, der im Jahr 2000, als Stronach gerade<br />
bei der Austria eingestiegen war, als Trainer fungierte, hatte nie<br />
einen Zugang zum Austrokanadier gefunden. Schon im April 2000 kam es<br />
zum Eklat. „Ehrlich gesagt, liegt mir viel daran, dass es nie mehr zu<br />
einem Treffen mit Stronach kommt“, schrieb Prohaska in seiner<br />
kürzlich erschienen Biografie. „Es wird immer einen Bogen geben, den<br />
ich um ihn machen kann.“ Denselben Bogen macht auch Toni Polster. „So<br />
viel Macht wie der Toni hat noch nie einer gehabt bei Austria, er<br />
wird für alles zuständig sein. Ein Superbursch“, verkündete Stronach<br />
vollmundig bei Polsters Engagement als Generalmanager im Herbst 2004.<br />
Mittlerweile treffen die beiden einander bestenfalls noch vor Gericht<br />
- im Arbeitsrechtsprozess, den Polster wegen seiner fristlosen<br />
Entlassung gegen die Austria führt.</p>
<p>   Den Nimbus des reichen und darob von allen vergötterten Gönners<br />
konnte er nie genießen. Auch in der Bundesliga, die er durchaus<br />
sinnvoll reformierte, musste er sich wegen seiner Doppelfunktion und<br />
dem Verkauf der TV-Rechte an den Abo-Sender Premiere immer Kritik<br />
gefallen lassen. Einzig sein Herz für den Nachwuchs stellte nie<br />
jemand infrage. Die Fußballakademie in Hollabrunn lässt sich Stronach<br />
bis heute zwei Millionen Euro pro Jahr kosten.</p>
<p>   Vielleicht mag der Neidgedanke eine Rolle spielen, dem sich<br />
potente Sponsoren ausgesetzt sehen. Auch in Salzburg revoltierten die<br />
Fans nach dem Einsteig von Dietrich Mateschitz. Doch der<br />
Red-Bull-Boss begab sich zwar organisatorisch, nicht aber sportlich<br />
derart in die Schusslinie wie der Magna-Chef. Mateschitz<br />
verpflichtete die über Grenzen hinweg anerkannte Bayern-Legende Franz<br />
Beckenbauer als Berater, Stronach holte sich mit dem langjährigen<br />
Rapid-Trainer Otto Baric kurzzeitig ein deklariertes Feindbild der<br />
Violetten an seine Seite. Während Mateschitz seinen Trainer trotz<br />
desaströsem Meisterschaftsstart der Salzburger Millionentruppe<br />
unbehelligt weiterwerken ließ, feuerte Stronach den Trainer trotz<br />
Erreichen des UEFA-Cup-Viertelfinales. Der Red-Bull-Boss hält einen<br />
einmal eingeschlagenen Kurs trotz zwischenzeitiger Rückschläge,<br />
Stronach griff immer ins Lenkrad, wenn er nur den Verdacht hegte, es<br />
laufe nicht alles wie geplant.</p>
<p>   Doch bei aller Kritik an Stronachs Entscheidungen: Durch seinen<br />
überraschenden Einstieg bewahrte er den Klub vor dem drohenden<br />
Kollaps. Beim Rückflug von einem Geschäftstermin in Russland im April<br />
1998 &#8211; Stronach hatte eben erst Steyr-Daimler-Puch übernommen -<br />
philosophiert im Sitz neben ihm einer, der in beiden Welten zu Hause<br />
war, über potenzielle Vorteile von Sportsponsoring für einen Konzern<br />
wie Magna. Freilich nicht ganz ohne Hintergedanken. Rudolf Streicher,<br />
noch Steyr-Generaldirektor und Präsident der Violetten, hatte gerade<br />
die Mühsal der Sponsorsuche für den Fußballklub erlebt. Dem Verein<br />
stand durch das von der EU verfügte Werbeverbot für Tabakwaren der<br />
Abgang des Hauptsponsors Austria Tabak bevor. Die Austria war schon<br />
darangegangen, einzelne Spieler zu verpfänden, und stand dennoch mit<br />
mehr als 40 Millionen Schilling (2,9 Millionen Euro) in der Kreide.<br />
Die Bundesliga drohte mit dem Lizenzentzug. Verbindlichkeiten, die<br />
Stronach mit einer einzigen Überweisung tilgte, und darüber hinaus<br />
garantierte er anfangs 2,9 Millionen Euro pro Jahr. Mittlerweile<br />
verfügt die Austria über ein Jahresbudget von 25 Millionen Euro.</p>
<p>   Nachwuchsarbeit. Der breiten Öffentlichkeit war das Gesicht des<br />
Wirtschaftsmagnaten bis dahin nicht übermäßig geläufig. Streicher<br />
hatte alle Mühe, ihn nach der Landung, in der Pause des Länderspiels<br />
gegen die USA, in den VIP-Klub des Wiener Happel-Stadions zu<br />
schleusen. Österreich ging 0:3 unter. Stronachs Analyse: Der<br />
Nachwuchs werde in Amerika besser gefördert. Dafür werde er nun in<br />
Österreich sorgen. Streicher brauchte die Geldquelle, die im Begriff<br />
war zu sprudeln, nur zu kanalisieren. Bei einem Telefonat am nächsten<br />
Morgen legte er nach: „Frank, wenn du dich im Fußball engagieren<br />
willst, dann denk bitte an die Austria.“</p>
<p>   Damit legte er den Grundstein der Zweckehe. Und indirekt für jenen<br />
Betriebsführungsvertrag mit dem Magna-Unternehmen Sport Management<br />
International (SMI), dessen Inhalt vergangene Woche bekannt wurde und<br />
ein Mitgrund für die Aufruhr im violetten Lager war. Der Kontrakt<br />
verpflichtet Stronach beim Abgang nur, der Austria 26 Hobbykicker<br />
ohne jegliche Qualifikation zu hinterlassen. Bis Juli 2007 bleibt er<br />
in Kraft, sollte die Austria bis dahin keine Ersatzsponsoren haben.<br />
Stronach sah in dieser Allmacht die Notwendigkeit für seine Pläne.</p>
<p>   „Wir wollen bis 2002 die Austria an die Europaspitze führen“,<br />
hatte der Austrokanadier angekündigt. Mit den Großen im<br />
internationalen Klubfußball wie Real Madrid oder Liverpool wollte er<br />
mitmischen, mit Chelsea-Mäzen Roman Abramowitsch auf Augenhöhe<br />
kommunizieren. Für seine schrullig-charmante Utopie rüstete Stronach<br />
entsprechend auf. Insgesamt 78 Kicker transferierte er innerhalb von<br />
sechs Jahren zur Austria. Ein Trainer wie Walter Schachner, der mit<br />
der Austria nach der Herbstsaison 14 Punkte voranlag und mit dem GAK<br />
Meister wurde, war für seine Pläne eine Nummer zu klein. Unter der<br />
Regie von Sportdirektor Peter Svetits musste der Deutsche Christoph<br />
Daum her.</p>
<p>   Teure Topstars. Doch vor den wirklich großen Namen zuckte selbst<br />
Stronach zurück. Svetits und Daum wollten klotzen, nicht kleckern.<br />
Den Kroaten Robert Kovac von Bayern München hatte Daum ganz oben auf<br />
seinem Wunschzettel. Dazu wollte Svetits den argentinischen<br />
Mittelfeld-Nationalspieler Gustavo Lopez von Celta de Vigo sowie den<br />
Engländer Steve McManaman und den Spanier Albert Celades (beide Real<br />
Madrid) verpflichten. Auch bei Andrei Schewtschenko klopfte Svetits<br />
an, als dieser beim AC Mailand die Ersatzbank drückte. Erst am<br />
Mittwoch vergangener Woche schoss der Ukrainer mit vier Treffern<br />
Daums jetziges Team, Fenerbahce Istanbul, im Alleingang k. o.</p>
<p>   So trägt sich Stronach lediglich mit einem Meistertitel, zwei<br />
Cupsiegen und einem Viertelfinale im UEFA-Cup in die Annalen des bald<br />
95-jährigen Traditionsvereins ein. „Das neue Stadion in Rothneusiedl<br />
will Stronach trotzdem bauen“, versichert Andreas Rudas. Auch an<br />
Akademie und Amateurmannschaft hält er fest. Sollte er nun von Zeit<br />
zu Zeit ein Heimspiel der violetten Profis in seiner verglasten Loge<br />
des Horr-Stadions verfolgen, werden ihn mitleidige Blicke treffen.<br />
Vielleicht wird ihm in der Pause mancher aufmunternd auf die Schulter<br />
klopfen. Irgendwann wird ihn möglicherweise der Hauch eines<br />
tragischen Helden umwehen und er von den Austrianern respektiert<br />
werden. Doch lieben werden sie ihn nie.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://josefbarth.com/der-verschmahte-mazen/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
