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Kärntner Karriere

Porträt. Er war Jörg Haiders rechte Hand und wurde als BZÖ-Allzweckwaffe gefeiert. Der steile Aufstieg des Franz Koloini endete nun vor Gericht. (für profil)

Der Mann weiß eben, was im Leben zählt. “Sex ist das Allerwichtigste in einer Beziehung. Wenn’s da nicht passt …” – “Scharf macht mich die Optik einer Frau”, verriet der Endzwanziger noch vor neun Wochen dem “Kärntner Monat”. Offenbar manchmal zu scharf: Denn der dort als “BZÖ-Allzweckwaffe” Titulierte wurde nun just wegen einer Rauferei nach peinlichen Eifersuchtsszenen von einem Klagenfurter Strafrichter rechtskräftig verurteilt.

Franz Koloini, 29, hat mehr als nur die prototypische Karriere eines Aufsteigers im Umfeld des BZÖ hinter sich. Seit er vor Jahren vom Barkeeper eines Cocktailclubs zum persönlichen Referenten Jörg Haiders aufstieg, stand er stets unter dem Schutz des Landeshauptmanns. Kaum ein anderer war schon so viel, doch nie wirklich wer. Und kaum ein anderer hinterließ in so vielen Jobs so viele offene Fragen – und so einen schlechten Eindruck.

Am persönlichen Fall eines extravagenten Aufsteigers lässt sich ein Sittenbild der Kärntner Landespolitik zeichnen. Für den gerade eingesetzten U-Ausschuss zur Kärnten Werbung gilt der Rolex-Träger und Harley-Fahrer als eine der Schlüsselfiguren – wie auch schon in einigen anderen Affären zuvor.

Der Raufbold

Gefährliche Drohung und Bestimmung zur Körperverletzung legte ihm die Staatsanwaltschaft zur Last. Zu 2700 Euro Geldbuße verurteilte ihn nun der Strafrichter. Vergangenen November bedrohte Franz Koloini einen Verehrer seiner Frau. Sein sechsfach vorbestrafter Halbbruder verprügelte den Nebenbuhler auf der Herrentoilette – dieser trug eine Schädelprellung davon. “Das ist als Warnung zu verstehen, sonst passiert Schlimmeres”, ließ der in Kärnten als “schöner Franz” Bekannte das Prügelopfer wissen. Seiner Frau, die vor Ort die Polizei verständigte, richtete der mit “fünf bis acht Wodka-Red-Bull” leicht alkoholisierte BZÖ-Sympathisant, der sich davonmachte, dann telefonisch aus: “Pass auf, was du machst, das war erst der Anfang.” Koloinis Pech: Die Polizei war bei der Gattin eingetroffen und hörte via Lautsprecher alles mit.

Der Vereinsmeier

Seit Februar 2008 ist Koloini offiziell ohne Beschäftigung. “Ich bin beim AMS gemeldet. Keine Ahnung, was die mir zahlen”, sagte der Fahrer eines geleasten Audi TT mit einstigen Jobambitionen bei einer Vermögensberatungsfirma vor Gericht. Der Prokurist des von Haider erfundenen Bundesligisten SK Austria Kärnten verlor seinen Job, nachdem er Berichten lokaler Medien zufolge versucht hätte, beim Präsidenten 50.000 Euro “herauszuschlagen”. Näher definiert wurde dieser Sachverhalt nie, Koloini bestreitet ihn. “Ich wollte kein Geld haben”, sagt er und beteuert seine Unschuld. Ein Kärntner Blatt ließ er wissen, an den “Kreditschädigungen” der 50.000-Euro-Affäre sei “nichts, aber schon gar nichts” dran, “das Ganze war und ist nur ein Gerücht”. Den Job war er aber los, obwohl Haider “für ihn die Hand ins Feuer legte”. Klubgeschäft-Erfahrung hatte Koloini davor: Unter seiner Obmannschaft gingen Bad Bleibergs BSV Juniors endgültig den Bach runter.

Der EM-Koordinator

Sein Dienstwagen, ein Audi A4 mit uneingeschränkter Privatnutzungsmöglichkeit, war bereits Thema eines Rechnungshofberichts, die Sonderausstattung für 5000 Euro extra wird noch vom U-Ausschuss unter die Lupe genommen. 2006 vertraute man dem damals 26-Jährigen die Vermarktung Kärntens für die Fußball-Europameisterschaft an. Allerdings nicht allzu lange. 800.000 Euro zahlte die Gesellschaft einer speziellen Reiseagentur, wie der Rechnungshof nun feststellte, um Kärnten in Italien bekannt zu machen und die Squadra Azzurra davon zu überzeugen, während der EM in Kärnten zu residieren. Das italienische Team buchte schließlich in Baden bei Wien – zum Gesamttarif von 300.000 Euro.

Der Kärnten-Werber

Für seine Aufgabe als EM-Koordinator qualifizierte sich Koloini, der eine Ausbildung an der Tourismusfachschule abgebrochen hatte, vordergründig durch seine Arbeit für die Kärnten Werbung 2005. Der Umgang mit Finanzen bereitete dem einst lohngepfändeten Markenkleidungsfan jedoch auch dort Probleme, wie die Prüfer aufzeigen. So nutzte Koloini eine Kreditkarte der Kärnten Werbung für private Shopping-Ausflüge, eine andere wurde ihm bei einem Kroatien-Trip entwendet. Die Schulden von 7500 Euro, die durch Erstere entstanden, stotterte er ab. Den Verlust der zweiten Karte meldete er spät: 7146 Euro waren schon abgebucht worden. Die Kreditkartengesellschaft refundierte den Betrag jedoch. Die Kärnten Werbung trennte sich danach einvernehmlich von Koloini.

Der Tsunami-Helfer

Zur Kärnten Werbung hatte es den stets gebräunten Sonnenbrillen-Fetischisten nach seinem Engagement für das “Kärnten Dorf” im indonesischen Banda Aceh verschlagen. Zweimal reiste Koloini auf Landeskosten in die Tsunami-gebeutelte Krisenregion, um dort Jörg Haiders Hilfsprojekt mit Kärntner Geldern zu verwirklichen. Es verschlang 951.000 Euro, 204.000 Euro mehr als geplant. Über den Verbleib von weiteren 108.000 Euro rätseln sogar die Landesprüfer. Haiders Sprecher will dieses Geld heimholen lassen: “Ziel ist es, das Geld nun nach Kärnten zu holen.” Derzeit sollen sie auf dem Konto der Stiftung Carinthia liegen, deren Gründungsdokument vollständig jedoch nur in indonesischer Sprache vorliegt. Dass das Dorf, nachdem es ein gutes Jahr leer stand, besiedelt werden konnte, ist vor allem das Verdienst von eingesprungenen Hilfsorganisationen. Ein U-Ausschuss dazu dürfte demnächst folgen.

Der Protokollchef

Eine Auslandsreise begründete 2003 den Ruhm von Franz Koloini, dem damaligen Protokollchef des Landeshauptmanns. Im Vorfeld des Besuchs von Jörg Haider bei dem irakischen Diktator Saddam Hussein traf sich eine illustre Runde zum Dinner im Wiener Palais Auersperg. Die Rechnung, so hieß es erst, solle dem Amt der Kärntner Landesregierung zugestellt werden. Vor dem damaligen Untersuchungsausschuss sagte Koloini später aus, er habe die Kosten in Höhe von 2500 Euro aus eigener Tasche bezahlt. Koloini entging dem gegen ihn angestrengten Verfahren wegen falscher Beweisaussage kraft einer Weisung des früheren Justizministers und Ex-Anwalts Haiders, Dieter Böhmdorfer.

Diesmal schlug die Justiz zu. Sein Aufstieg scheint gestoppt. Vorerst einmal.

Alles Ausschuss

Zwei Kärntner U-Ausschüsse beleuchten auch Koloinis Rolle, ein weiterer dürfte folgen. Derzeit im Visier der politischen Prüfer: die Kärnten Werbung.

Überall, wo Haider draufsteht, ist Koloini drin.” Auch wenn der Satz von ÖVP-Klubchef Stephan Tauschütz ein wenig holpert, ist er doch nicht ganz falsch. U-Ausschüsse zu Haiders Auslandsreisen, der Wörtherseebühne, dem Hypo-Verkauf hielt der Landtag bisher ab. Ein weiterer zur Spendenaffäre ums indonesische “Kärnten Dorf” soll folgen. Und fast immer fiel auch der Name Koloini. Derzeit suchen die Abgeordneten nach ausgegebenen Millionen der Kärnten Werbung. Koloinis Ex-Arbeitgeber wurde vom Rechnungshof regelrecht zerpflückt. Und doch blieben einige Fragen offen, die nun auch Gegenstand des vergangene Woche begonnenen Untersuchungsausschusses sein dürften.

So wurden beispielsweise immerin 366.000 Euro an diverse Berater bezahlt, der Sachaufwand verdoppelte sich ohne ersichtlichen Grund von rund 600.000 auf 1,2 Millionen Euro jährlich, wie die “Kleine Zeitung” aufdeckte. Und der Vertrag des Geschäftsführers kann – wie sonst in der Privatwirtschaft erst nach jahrzehntelanger Betriebszugehörigkeit – nur mit zwölfmonatiger Kündigungsfrist aufgelöst werden.

Der Opposition weiters noch aufklärungsbedürftig scheinen auch Zahlungen der Kärnten Werbung – noch zu Zeiten, als Franz Koloini dort Fußball-Agenden über hatte – in Höhe von 239.000 Euro. Diese “Vermittlungsgebühren” wurden angeblich berappt, um 13 Fußballteams in Kärntner Trainingslagern unterzubringen. Von der Fußball-Europameisterschaft, für die Koloini Kärnten ursprünglich hätte vermarkten sollen, wird sich der Ausschuss dabei nicht stören lassen. Im Gegensatz zu Landtag und Parlament tagt er auch den Sommer über.

Posted: März 10th, 2008
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Der Zeuge vom Klo

BZÖ-Affäre. Der Prügel-Bodyguard aus der Wahlnacht belastet Peter Westenthaler in einem “News”-Interview. Ein Entlastungszeuge will Westenthaler aus der Patsche helfen; dessen Geschichte hält einer kurzen Gegenrecherche aber leider nicht stand. (für profil)

Mit Bodyguards hat Peter Westenthaler einfach kein Glück. Erst erinnert sich nun der eine, Siegfried Kobal, den Sprecher der Justizministerin in der Wahlnacht auf Geheiß des BZÖ-Chefs aus einem Lokal geschmissen zu haben. Dann verkündet der zweite, Walter Lagger, zu Westis Entlastung: “Westenthaler hat uns […] keinerlei Aufträge zur Entfernung dritter Personen […] erteilt. […] Vielmehr war das Einschreiten von Kobal seine eigene Entscheidung.” Allein: Leibwächter Nummer zwei kann das eigentlich gar nicht wissen. Denn zum Zeitpunkt der Schlägerei war der Kärntner am Klo. Laut Polizeiprotokoll, das profil vorliegt, sagte er damals unter Wahrheitspflicht: “Nach etwa 30 Minuten musste ich zur Toilette. Als ich wieder zurückkam, merkte ich, dass sich weniger Personen im Lokal befanden und mehrere Personen vor dem Lokal auf der Straße standen.” Da war die Sache schon gelaufen. Gegenüber profil kann Westis Entlastungszeuge diesen Widerspruch nicht erklären. Und vor Gericht sagte er nie aus.

Posted: Februar 24th, 2008
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“Hatte keine Krawatte”

Die Justiz dürfte gegen Westenthaler wegen etwaiger Falschaussage vorgehen wollen: Der brachte sich ohne Not in eine dumme Situation. (für profil)

Was da schon wieder konstruiert wird”, murrte Peter Westenthaler im Abgang aus dem Zeugenstand. Seine Aussage im Prügelprozess seines Bodyguards nahm ihm Staatsanwalt Karl Schober damals nicht ab: “Wie bei jeder Wirtshausschlägerei gibt es ein paar Zeugen, die etwas gesehen haben, ein paar, die angeblich nichts gesehen haben, und ein paar, die relativ dumm daherlügen – Letztere werden aber ohnehin von der Staatsanwaltschaft hören.” Das Urteil gegen den Bodyguard ist mittlerweile rechtskräftig: vier Monate bedingt. In der Wahlnacht des 1. Oktober hat er im Wiener Lokal Stadl den Pressesprecher von Justizministerin Karin Gastinger, Christoph Pöchinger, verprügelt. Das ist damit amtlich bestätigt.

Nun wird ermittelt, ob sich Westenthaler damals der falschen Beweisaussage schuldig machte. Strafrahmen: bis zu drei Jahre Haft. In seinem Vorhabensbericht ans Justizministerium dürfte der Staatsanwalt Ermittlungen gegen Westenthaler sowie dessen Auslieferung durch das Parlament beantragen. Zumindest geht Peter Westenthaler gegenüber profil davon aus. Wenngleich er auch wiederholt: “Ich habe mir nichts zuschulden kommen lassen.” Dabei hätte er sich als Exverdächtiger in der Causa der Aussage entschlagen dürfen. Doch er wollte reden. Unbedingt. Und er bestritt Dinge, die für das Verfahren eigentlich irrelevant waren. Und profil schrieb mit:

* Beispielsweise, dass er an jenem Abend nicht “längere Zeit” mit Gastingers Sprecher über deren BZÖ-Austritt (kurz vor der Wahl) diskutiert habe, wie mehrere Zeugen sagten, sondern “30 Sekunden, das war’s”. Von tumultartigen Szenen, wie sie selbst von kalmierendsten Zeugen nicht ausgeschlossen wurden, will er nichts gesehen haben.

* Auch könne er nicht jener Mann mit weißem Hemd und Krawatte gewesen sein, den andere “Peter” nannten und der laut herumschrie – wie das eine Anrainerin angab, die am offenen Fenster ihre sterbenskranke (und mittlerweile verstorbene) Mutter pflegte. Er sei “zehn Sekunden” vor dem Lokal gewesen, um seine Frau zu holen, so Westenthaler. Und: “Ich hatte keine Krawatte oben. Meine Krawatte habe ich nach der letzten Diskussion im Fernsehstudio abgelegt. Dann hab ich sie nicht mehr raufgegeben.” Ein Polizist beschrieb Westi später dennoch mit “bunter Krawatte”. Und auch Fotos von der BZÖ-Wahlparty, die nach der ORF-Diskussion stieg, zeigen Westenthaler mit weißem Hemd – und Krawatte.

* Ebenso habe er nie “Sie Arschloch! Sie Verräter!” geschrien, wie das die Dame mit der kranken Mutter sagte. Westenthaler: “Das schließe ich zu 100 Prozent aus.” Er ist so sicher, da er gegen zwei Uhr morgens, nach der Wahlparty, “de facto nüchtern” gewesen sei. “Maximal zwei bis drei G’spritzte” habe er konsumiert. Westenthaler: “Es ist nicht meine Art, Alkohol zu trinken.”

* Selbst die harmlose Aussage eines Wachmanns bestreitet er: Dabei baute ihm der Staatsanwalt sogar eine goldene Brücke: Wort für Wort referierte er die irrelevanten Angaben des Beamten. Der Polizist habe Westenthaler, den er aus den Medien kannte, gefragt, ob irgendwas vorgefallen sei. Dieser habe verneint. Der BZÖ-Chef bestreitet das: “Ich hatte keinerlei Kontakt zu einem Uniformierten.” Warum der Polizist eine derartige Nichtigkeit erfinden sollte, war dem Staatsanwalt nicht ganz klar. Westenthaler-Anwalt Eduard Wegrostek sagt, es sei für die Wahrheitsfindung nicht relevant, ob er einen Polizisten traf oder eine Krawatte umhatte. Dem Strafrecht ist das aber nicht gänzlich egal.

Posted: August 13th, 2007
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