“So einfach ist die Welt”
Interview. Bildungsministerin Elisabeth Gehrer über die Aufbruchsstimmung an Österreichs Hochschulen und eine Task Force für Eliteuniversitäten. (für profil, mit Alexander Dunst)
profil: Frau Ministerin, wann waren Sie das letzte Mal an Österreichs größter Universität, der Uni Wien?
Gehrer: Heute war ich an der Uni Linz. An die Uni Wien komme ich gelegentlich, wenn es eine Veranstaltung gibt.
profil: Sind das die von Ihnen propagierten Weltklasse-Unis?
Gehrer: Österreichs Universitäten werden nie als Ganzes Weltklasse sein. Es wird einzelne Exzellenzbereiche geben.
profil: Wie würden Sie die Bedingungen für die Studenten bezeichnen?
Gehrer: In den Bereichen mit weniger Studierenden sind die Bedingungen sehr gut. Wo es überlaufen ist – wie an der Publizistik -, nicht so gut. Wie überall auf der Welt.
profil: Wenn es Bereiche gibt, in denen gute Bedingungen herrschen, wozu dann “Centers of Excellence”?
Gehrer: Es geht nicht darum, den Universitäten etwas hineinzusetzen, sondern darum, dass sich dort diese “Centers of Excellence” entwickeln. Die Universität Innsbruck hat im Bereich der neuen Informationstechnologien vom Land Tirol vier Lehrstühle gekriegt. Wir sollten uns nicht kleiner machen, als wir sind.
profil: Das heißt, die Unis dürfen – wenn sie es sich leisten können -, müssen aber nicht.
Gehrer: Die Universitäten können es sich leisten und werden ihre Schwerpunkte weiterentwickeln, um wettbewerbsfähig zu sein.
profil: Kommt es durch die Schwerpunktsetzung nicht zur universitären Zweiklassengesellschaft?
Gehrer: Der Wettbewerb ist das Allerwichtigste. Wenn wir da bestehen wollen, brauchen wir Breite und Spitze. Es wird vielleicht nicht mehr jedes Studium überall geben. Also die Architektur nicht siebenmal, sondern künstlerische Architektur irgendwo als Schwerpunkt. Und das ist gut so, Österreich ist klein.
profil: Der Physiker Anton Zeilinger hat diese Woche seine Idee einer “University of Excellence” vorgestellt. Was sagen Sie dazu?
Gehrer: Die Idee einer Eliteuniversität wird von einer Task Force, bestehend aus Vertretern von Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung, geprüft. In einem halben Jahr sollen Ergebnisse vorliegen. Auch Zeilinger wird eingebunden sein.
profil: Wie soll eine Eliteuni finanziert werden: aus dem bestehenden Uni-Budget oder durch zusätzliche Mittel?
Gehrer: Das werden wir entscheiden, wenn die Ergebnisse auf dem Tisch liegen.
profil: Alfred Gusenbauer hat sich ebenfalls für Eliteuniversitäten ausgesprochen.
Gehrer: Wir werden sehen, ob die SPÖ tatsächlich bei dieser Meinung bleibt.
profil: Schließen Sie aus, dass es in den öffentlichen Universitäten in Ihrer Zeit als Ministerin Zugangsbeschränkungen geben wird?
Gehrer: An der Musikuniversität muss das sein: Wer den Ton a nicht vom Ton e unterscheiden kann, kann nicht Musiker werden, wer farbenblind ist, nicht Maler. So einfach ist die Welt. An den anderen Universitäten gibt es keine, und das wird so bleiben. Punkt.
profil: Die Uni Wien sagt, sie verfüge heute inklusive Studiengebühren real über weniger Geld als 1999.
Gehrer: Die Rektoren haben mit dem Finanzminister ein Globalbudget ausverhandelt und mir erklärt, dass das ein gutes Budget ist. Ich habe mich da gar nicht eingemischt. Dieses Budget ist einzuhalten. Wenn das so ein schlechtes Budget sein soll, warum hat man das so ausverhandelt?
profil: Hat sich die Situation an den Unis verbessert, seitdem Studiengebühren eingeführt wurden?
Gehrer: Es ist ein neues Denken eingekehrt. Wir sehen, dass die Studienzeiten kürzer werden, dass die Beliebigkeit abgenommen hat. Ich war jetzt an einigen Universitäten und fühle eine Aufbruchsstimmung.
profil: Wissen die Studenten, wofür sie 378 Euro pro Semester zahlen?
Gehrer: Nicht in allen Studienrichtungen, denn nicht in allen strengt man sich gleich an.
profil: Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts SORA unter den Studenten hat sich die Situation eher verschlechtert.
Gehrer: Ich denke nicht, dass man das so pauschal sagen kann. Das muss man sich pro Universität ansehen.
profil: Das ist eine österreichweite Umfrage.
Gehrer: Ich kenne die Umfrage nicht, also kann ich nichts dazu sagen.
profil: Glauben Sie, dass Sie bei den Studenten beliebt sind?
Gehrer: Politiker sind überhaupt nicht besonders beliebt. Darüber muss man sich nicht den Kopf zerbrechen.
profil: Wollen Sie nach 2006 noch Bildungsministerin bleiben?
Gehrer: Ich bin bis 2006 gewählt und werde so lange arbeiten.
profil: Viele Menschen beginnen im Ruhestand zu studieren. Eine Option für Sie?
Gehrer: Was ich im Ruhestand mache, überlege ich mir, wenn es so weit ist.