“Sie Arschloch! Sie Verräter!”
Affäre. Wüste Beschimpfungen, angebliche Drohungen – und ein Bodyguard ohne Gewerbeberechtigung: Die Wahlnachtsprügelei scheint für Peter Westenthaler ein böses Nachspiel zu haben.(für profil)
Die unbeteiligte Dame an der Bar könnte alles bezeugen. Von ihrem Platz aus überblickt sie das schummrige Lokal: den schrägen Tisch im Eck, den kleinen neben dem Eingang, den halben auf dem Weg zur Toilette – und die schmiedeeisernen Hocker an der Holztheke. Die barbusige Schönheit ist mittendrin, wenn im winzigen “Stadl” in der Liechtensteinstraße ab 22 Uhr einem Roland Kaiser und Gus Backus ins Ohr trällern; wenn die Schalen der verspeisten Erdnüsse dem Hausbrauch entsprechend auf den Boden geworfen werden und eine neonviolette Lampe das hölzerne Dach über der Bar in ein futuristisch-rustikales Licht taucht.
Doch die erwähnte Bronzestatue auf der Bar wird auch diesmal stumm bleiben.
Die Ermittler des Landesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) sind vornehmlich auf Zeugenaussagen aus dem orangen Dunstkreis angewiesen, um die umstrittenen Minuten jener Wahlnacht zu rekonstruieren, die Peter Westenthalers Sessel als Klubobmann des BZÖ schon wackeln lassen, bevor er ihn überhaupt bestiegen hat.
Der BZÖ-Chef geriet in die Schlagzeilen, nachdem Christoph Pöchinger, Sprecher der Justizministerin, angegeben hatte, von einem Bodyguard Westenthalers im Stadl geprügelt worden zu sein. Dabei habe er nur Freunde treffen wollen.
Westenthalers Sprecher Lukas Brucker ließ nach Bekanntwerden der Affäre via Austria Presse Agentur verlauten, Pöchinger hätte dort eine “geschlossene Gesellschaft” des BZÖ gestört. Das ist – schlicht gesagt – nicht zutreffend. Das Lokal, das Sonntagabend normalerweise geschlossen ist, war an jenem Abend nur deshalb geöffnet, weil Cornelia Matt, eine Mitarbeiterin von Vizekanzler Hubert Gorbach und persönliche Bekannte von Pöchinger, beim Stadl-Eigentümer interveniert hatte. Gegen 23 Uhr rief sie den Wirt an, der sperrte extra auf. Als Christoph Pöchinger gegen ein Uhr Früh das Lokal betrat, saß Matt samt Kollegin Christine Kilzer, Gastinger-Kabinettschef Michael Schön und dem Wirt an der Bar – von Westenthaler oder Wahlparty keine Spur.
Im “Karl’s”, bei der Wahlparty des BZÖ, beschließen kurz darauf Pöchingers Freunde Martin Standl und Rüdiger Schender, Pressesprecher respektive Kabinettschef des Vizekanzlers, ebenfalls in den Stadl hinüberzuwechseln. Der Abgang der beiden Herren von der BZÖ-Feier dürfte im Karl’s nicht unbemerkt geblieben sein.
Eine gute Stunde später, Martin Standl ist bereits nach Hause gegangen, trifft weitere BZÖ-Prominenz im Stadl ein: unter anderem Heimo Lepuschitz, Sprecher von Sozialministerin Ursula Haubner, Lukas Brucker, Sprecher von Peter Westenthaler, sowie Klubobmann Herbert Scheibner – und freilich Westenthaler selbst nebst angeblichem Bodyguard. Ein Wort gibt das andere: Zeugen sagen, Pöchinger sei als Verräter beschimpft worden, da seine Chefin Gastinger das BZÖ kurz vor der Wahl im Stich gelassen habe. “Hauts die Arschlöcher raus”, habe Westenthaler dann gerufen. Daraufhin habe der Bodyguard Pöchinger am Hals gepackt, ihn rücklings vom Barhocker und in den Windfang des Lokals gezerrt. Dort habe dieser, so Pöchingers Aussage, auf ihn eingetreten. Der Gastinger-Sprecher habe sich die Hände schützend vors Gesicht gehalten. Er trägt Hämatome auf den Unterarmen davon und klagt über Schmerzen im Hals-und Lendenwirbelbereich.
Ein neuer Zeuge. Laut Zeugenaussagen habe Westenthaler andere Anwesende davon abgehalten, Pöchinger zu helfen. Zumindest zwei Zeugen gaben vor den Ermittlungsbehörden an, der BZÖ-Chef hätte sinngemäß gedroht: “Sonst bist du der Nächste, der ane in die Goschen kriegt!” Die beiden Gorbach-Mitarbeiterinnen sowie Schender (dem dabei das Hemd heruntergerissen worden sein soll) hätten es schließlich geschafft, dazwischenzugehen. Dann landeten alle vor dem Lokal.
Ein profil bekannter unbeteiligter Augenzeuge beobachtete in jener Nacht, gegen halb drei Uhr morgens, auf dem Gehsteig vor dem Lokal eine deftige Szene und schildert sie folgendermaßen: Zwölf bis 15 Leute seien plötzlich vor dem Lokal gestanden. “Einige Herren in Anzügen und einige Damen – alle standen sie um einen Herrn herum, der ein helles Hemd und Krawatte trug, aber kein Jackett.” Es sei gerangelt und gestoßen worden. “Mir ist es so vorgekommen, als wär’s eine Rauferei gewesen.” Die Damen, so der Zeuge weiter, hätten den Herrn ohne Hemd zurückhalten wollen. “Der hat geschrien: ,Böck’, oder auch Pöchinger, ,gehen S’ ma aus die Augen! Sie Arschloch! Sie Verräter! Sie sind entlassen!’” Die Damen hätten ihrerseits den Hemdträger angeherrscht: “Peter, gib a Ruh!” So sei das einige Minuten lang gegangen. “Die Leute haben ihn zurückgehalten, weil er den Eindruck gemacht hat, als würde er auf den anderen losstürmen wollen”, so der Zeuge. “Aus der Zeitung hab ich erfahren, dass der Herr ohne Jackett der Herr Westenthaler gewesen sein muss.”
Jener Mann, der beschimpft worden und ein wenig abseits gestanden sei, wäre dann von einem anderen weggeführt worden, erinnert sich der Zeuge. Dabei dürfte es sich um Christoph Pöchinger gehandelt haben, der selbst aussagte, von einem Unbekannten, der um seine Sicherheit besorgt gewesen wäre, weggebracht worden zu sein. Als Pöchinger weg gewesen sei, soll nach Darstellung des Zeugen sogar noch die Polizei gekommen sein. “Die sind aber nicht reingegangen, haben gar nichts getan und sind gleich wieder gefahren. Und das, obwohl zwei große schwarze Autos, deren Fahrer zur Gruppe gehört haben dürften, im Halteverbot vor dem Lokal gestanden sind.”
Peter Westenthaler war, von profil mit der Aussage des Zeugen konfrontiert, äußerst kurz angebunden: “Sie können tausende Aussagen haben. Ich sag zu dem Thema nix. Wiederschau’n!” Pöchinger will seinen mutmaßlichen Peiniger, dessen Namen er nicht kannte, nun auf einem Foto wiedererkannt haben. profil ist die Identität des Mannes bekannt. Er war schon in den späten neunziger Jahren für den Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider als Leibwächter tätig gewesen.
Fraglich ist nun aber der gewerberechtliche Status des Mannes. Sein Gewerbeschein für das Sicherheitsgewerbe ist nach Auskunft der Wirtschaftskammer mit Juni 2006 ausgelaufen und seither nicht erneuert worden. Westenthaler-Sprecher Lukas Brucker will dazu nichts sagen. Dafür aber Josef Schachermaier, der für die Wirtschaftskammer als “Pfuscherjäger” im Bereich der Sicherheitsbranche fungiert. Er zeigt sich über die Vorgänge entsetzt, da das Ansehen des Berufsstandes beschädigt werde. “Der Herr verfügt über keinerlei Gewerbeberechtigung, und auch beim Versicherungsträger findet sich kein entsprechender Datensatz, dass er irgendwo angestellt sei”, so Schachermaier. “Für mich liegt der Verdacht nahe, dass auch abgesehen vom kolportierten Vorfall von dem Herrn damit widerrechtlich agiert wird.”
OZDKH7 azrzguojeqge, [url=http://jwvtocjlabrh.com/]jwvtocjlabrh[/url], [link=http://zwvbqiylbxoq.com/]zwvbqiylbxoq[/link], http://qqmktyqromtw.com/
You need to login to post comments!