Mister Eurofighter

Porträt. Kunstflugweltmeister, Karriereoffizier und Bewerber um den AUA-Chefsessel: Generalmajor Erich Wolf hob das Eurofighterprojekt aus der Taufe. Nun bringt er es vielleicht versehentlich um. (für profil)

Allzu viele private Anrufe bekommt er derzeit nicht. Wenn ihn ein Freund nun seiner Loyalität versichert, ist das Balsam für seine Seele. “Ich danke dir vielmals. Du bist einer der wenigen”, raunt er ins Handy. Er lächelt, lauscht wieder, wird ernst und antwortet auf die Frage: “Na weil sich die anderen alle anscheißen.” Viele Unterstützer dürfte er im Ministerium nicht haben – jetzt weniger denn je.

Feigheit vor dem Feind ist nichts, was Erich Wolf besonders schätzt. Und mit schwachem Selbstvertrauen ist er nicht gerade gestraft. Dass die Kontrollkommission des Bundesheeres gegen ihn ermittelte und den Akt der Staatsanwaltschaft übergab, trifft ihn dennoch sichtlich. Die gerichtlichen Vorerhebungen, die nun laufen, will er nicht kommentieren. Dass er den Wirbel um seine Person aber als Ausfluss einer Politkampagne sieht, lässt er durchblicken: “Man sucht immer ein Haar in der Suppe und versucht das Heer als dumm hinzustellen. Und einer muss eben am Ende den Kopf hinhalten.”

Erich Wolf, Generalmajor des österreichischen Bundesheeres, ist der “Airchief” des Generalstabs und “Gesamtverantwortliche für die Einführung des Eurofighters”. Und er ist die neue Zielscheibe von Peter Pilz und Co.

Bilderbuchkarriere. Seit im parlamentarischen Eurofighter-Untersuchungsausschuss von Wolfs rauschendem Fest mit seltsamen Schießspielchen am Fliegerhorst Brumowski in Langenlebarn berichtet wurde, das die Eurofighter GmbH bezahlte, steht Wolf im Mittelpunkt der Abfangjäger-Causa. Zuletzt wurden gar Stimmen laut, man könne allein aufgrund dieser angeblichen Geschenkannahme Wolfs aus dem Vertrag aussteigen und den Eurofighter ad acta legen (siehe Kasten).

Der 57-jährige Wolf kann auf eine militärische Bilderbuchkarriere zurückblicken: engagiertes Freiwilligenjahr, Jagdkommandoausbildung statt stillgelegtem Jusstudium, Militärakademie, Pilotenausbildung, Generalstabskurs. 1979 gewinnt der junge Offizier die inoffiziellen Flugkunstweltmeisterschaften der militärischen Jetpiloten. Wolf war der Einzige, der den so genannten “negativen Kreis” mit einem Düsenflugzeug schon damals fliegen konnte – ein Looping mit der Pilotenkuppel nach außen. Damals wie heute fliegt er die Saab 105. Jenen Jet, mit dem sich auch Verteidigungsminister Günther Platter ab und zu transportieren ließ. “60 Flugstunden absolviere ich im Jahr, um mir die Befähigung erhalten zu können. Den Minister hab ich aber nie geflogen”, sagt Wolf. Er hat aber ohnehin eine klare Haltung dazu: klotzen, nicht kleckern. Minister sollten ergo Regierungsflugzeuge haben und ein selbstbewusstes kleines Land eben vernünftige Abfangjäger. “Aber wie heißt’s in einem alten Lied: Ein jeder Kongoneger hat sein Hosenträger, aber unsereiner, der hat nix!”, klagt er.

Wolf war von Beginn an in die Abfangjägerbeschaffung maßgeblich involviert. Unter dem seitenlangen Anforderungsprofil für die Drakennachfolger aus dem Jahr 2000, das noch sein Vorgänger als Luftstreitkräfte-Chef paraphiert hat, prangt bei dem Vermerk “Bearbeiter” sein Name. Als Generalstabsflieger testete er selbst die unterschiedlichsten Maschinen für die Drakennachfolge: die amerikanischen F-16 und F-18, den schwedischen Gripen, die französische Mirage 2000 und die russische MiG 29. Als die Entscheidung auf den Eurofighter fiel, war Wolf sichtlich begeistert. Von einem Lokalaugenschein im Manchinger Werk ist nur ein Wort überliefert: “urgeil”.

Titel ohne Mittel. Die Umstrukturierungen im Heer Anfang 2006 beraubten ihn jedoch eines Gutteils seiner Kompetenzen. Verteidigungsminister Platter legte Boden-und Luftstreitkräfte unter dem Kommando von Generalmajor Günter Höfler zusammen. Wolf blieb nur der eigenwillige Titel “Airchief” und jener des Eurofighter-Beauftragten.

“Ohne Wolf”, sagt Pilz, “hätten wir keinen Eurofighter.” Und der SP-Fraktionsführer Günther Kräuter misstraut ihm: “Wolf wirkte vor dem Ausschuss unglaubwürdig.” So habe er sich, laut Kräuter, widersprochen, als er zu seinen Nebengeschäften befragt wurde.

Wolf war nämlich auch an anderer Front sehr engagiert, was von Kollegen mit Argusaugen beobachtet wurde. Schon seit den neunziger Jahren unterhielt der begeisterte Golfer (Handicap 21) gemeinsam mit seiner Frau ein paar kleinere Unternehmen, die unter anderem Flugshows veranstalteten. So pflegte er auch gute Kontakte zu Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz. Eine von jenen Firmen, in denen Wolf als Geschäftsführer agiert, wurde zu 100 Prozent von Red Bull übernommen. Auch Wolfs Tochter arbeitet bei Mateschitz. Der Energy-Drink-Hersteller ging eine Partnerschaft mit dem Kommando Luftstreitkräfte unter Wolf ein, die beispielsweise die jährliche Flugshow in Zeltweg unterstützt. Die Kooperation liegt momentan auf Eis, da das Kommando Luftstreitkräfte mit der Umstrukturierung des Heeres aufgelöst wurde und Red Bull damit der Vertragspartner abhandenkam. Letztes großes gemeinsames Event: das Jubiläum “50 Jahre Luftstreitkräfte” mit der Ausstellung “Alpha, Romeo, Tango” im Jänner 2006 in Mateschitz’ Hangar 7 in Salzburg, bei dem auch ein Eurofightermodell ausgestellt wurde.

Kein Bussi-Bussi-Typ. Im Zuge der Flugshows lernte Wolf auch Erhard Steininger kennen, jenen mysteriösen Lobbyisten in Diensten von EADS, der vor dem Ausschuss seine Aussage verweigerte und der Firma des BZÖ-Werbers Gernot Rumpold einen Millionenauftrag vermittelte. Bei Wolfs zweiter Hochzeit, 1999, war Steininger Trauzeuge. Über die genaue Tätigkeit seines mittlerweile in Pension befindlichen Freundes schweigt Wolf.

Wirtschaftliche Kompetenz traut sich Wolf also durchaus zu. Zu Anfang des vergangenen Jahres bewarb er sich um den offenen Posten als Chef der Austrian Airlines. “Die Kommission war durchaus überrascht von mir: Die meinten, ich sei ja gar nicht so ein Militärschädl”, sagt Wolf über sein damaliges Hearing. Den Job bekam er nicht, dafür lobt er den nunmehrigen AUA-Boss Alfred Ötsch.

“Er ist irrsinnig von sich eingenommen und vermittelt einem das Gefühl, nur er allein verstünde die Dinge”, sagt Kräuter. Ähnliches, nur freundlicher, sagt BZÖ-Klubdirektor und Milizoffizier Günther Barnet: “Wolf ist in der Lage, militärisch richtige Entscheidungen zu treffen und gleichzeitig politisch langfristig zu denken. Er lotet die Grenzen der Rechtsordnung aus und traut sich eben was.”

Wolf selbst will sich politisch aber nicht einordnen lassen: “Ich gehöre keiner Partei oder Vorfeldorganisation an.” Und auch seine Societykontakte halten sich in Grenzen. Mit Dietrich Mateschitz ist er immer noch per Sie: “Ich bin eben kein Bussi-Bussi-Typ.”

Posted: Februar 19th, 2007
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