Faschingsschmerz
Widerstand. Zwei Nostalgietreffen, zwei Ideologien, ein gemeinsamer Feind: Wolfgang Schüssel. Josef Barth über den lustlosen Aschermittwochsredner Jörg Haider und die müden Schlachtrufe der Donnerstagsdemonstranten. (für profil)
Vor fünf Jahren war die Welt noch aufgeregter. Aber sie war auch einfacher. Damals wussten die Fahnenträger der Donnerstagsdemo noch, wogegen sie Woche für Woche aufmarschierten: gegen die Regierungsbeteiligung einer rechtspopulistischen FPÖ, gegen Jörg Haider und seine menschenverachtenden Sprüche. Damals wusste allerdings auch Jörg Haider noch ganz genau, welchen Ton er bei seiner jährlichen Aschermittwoch-Rede treffen musste, um sein polterndes Publikum an den Biertischen zu Schenkelklopfen und “Bravo”-Salven hinzureißen und die Empörung der restlichen Republik zu provozieren.
Fünf Jahre später sind sowohl Haider als auch seine Gegner nur mehr ein Schatten ihrer selbst. Die Erosionserscheinungen sind auf beiden Seiten nicht zu übersehen: Nur noch rund 500 eingefleischte FPÖ-Sympathisanten hängen im kärntnerischen Treibach-Althofen am heurigen Aschermittwoch an Haiders Lippen. Nicht sehr viel mehr Aufrechte spazieren tags darauf mit Schildern und Transparenten über die Wiener Ringstraße. Irgendwie rührig – und irgendwie traurig.
Auch Haider wirkt für seine Verhältnisse handzahm wie ein müder Sittich. Das Arsenal der Untergriffe ist ausgereizt. Es gibt keinen französischen “Westentaschen-Napoleon” mehr zum Abwatschen, keine Juden mit “Dreck am Stecken” und keine deutsch-arrivierten “Terroristen” der 68er Bewegung. Haider polemisiert zum Einschlafen lustlos. “Der Schröder organisiert wegen der hohen Arbeitslosenzahlen schon wieder das nächste Hochwasser”, ätzt er mau: “Damit seine Werte in den Meinungsumfragen wieder steigen.” Die Fans in Treibach-Althofen haben schon mehr gelacht, und Haiders eigene Popularitätswerte bieten ihnen wohl auch keinen Anlass zur Erheiterung.
Wenn selbst die eingefleischteste Stammklientel – ältere Freiheitliche aus Kärnten – nur noch höflich Beifall spendet, wird deutlich, dass Haiders große Zeiten vorbei sind. Er spielt nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Tags darauf begnügen sich die heimischen Tageszeitungen mit Kurzmeldungen, und die internationale Presse, vor fünf Jahren noch höchst alarmiert, nimmt Haiders Ausfälle gar nicht erst wahr.
Kriegstreiber George Bush, die Privilegienritter, die Kärntner Slowenen – das alte Hohn-Repertoire zieht kaum mehr. Die gereimten Verse über den SPÖ-Vorsitzenden Alfred Gusenbauer fallen überhaupt völlig durch. “Sitzt Gusi abends im TV, wird Häupls Haarpracht weiter grau.” Kaum einer lacht. Sogar der Villacher Fasching ist pointensicherer.
Wer will gegen diesen schwunglosen Demagogen ohne Gefolgschaft noch ernsthaft demonstrieren? “Wi-der-stand! Wi-der-stand!”, ruft ein eifriger Pfeiferlbläser im langen Ledermantel am Wiener Ballhausplatz. Widerstand wogegen? “Gegen die Nazis.” Ist es wirklich so schlimm? “Noch viel schlimmer.” Der Ledermantel bleibt mit seiner Meinung allein. Die meisten anderen hier haben sich längst auf den neuen Gegner verständigt.
Die Nostalgietreffen in Kärnten und Wien könnten ideologisch unterschiedlicher nicht sein – und doch teilen sie ein gemeinsames Feindbild: Wolfgang Schüssel. Der Name des Kanzlers zieht hüben wie drüben. Und nirgendwo ist er positiv besetzt. “Dem haben wir das alles zu verdanken”, sagt eine Demonstrantin. Mit den “Haider ist Hitler”-Plakaten kann sie nichts anfangen. “Die FPÖ hat sich eh selbst gerichtet, und jetzt regiert der Schüssel praktisch allein.”
“Schüssel heißt er/uns bescheißt er”, skandiert die Menge auf dem Weg durch die Mariahilfer Straße. Junge linke Demonstranten sprechen aus, was sich ältere Freiheitliche im Kärntner Kulturzentrum denken. “Der Bundeskanzler spielt ja gern Fußball”, poltert Haider vom Rednerpult. “Aber er ist ein richtiger Abstauber vor dem Tor!” Das klingt ebenso verbittert wie hilflos. “Das waren alles freiheitliche Initiativen, für die er sich jetzt feiern lässt.”
“Nie-der/nie-der/nieder mit der ÖVP”, dröhnen die Demonstranten immer wieder. “Bei der Umfärbung. Da waren s’ gut die Schwarzen”, dröhnt Haider in Kärnten. “Wenn’s nach dem Schüssel geht, sollen wir Freiheitlichen einfach nur brav mitstimmen: Des woar so net ausg’macht!” Bei “Narrisch guat” würde an dieser Stelle die Lei-Lei-Fanfare einsetzen. “Als Nächstes färben s’ vielleicht noch unsere Fahne um. Von Rot-Weiß-Rot auf Schwarz-Weiß-Rot.” Beifällige Zustimmung, immerhin.
Die Kritik der Donnerstagsmarschierer hat sich mittlerweile tendenziell auf die sachliche Ebene verlagert: Abfangjäger, Studiengebühren, Pensionen. “Kür-zen/stür-zen”, rufen die Demonstranten und verwünschen die “Schwarzen mit ihrem Drang zum Sozialabbau”. Der Landeshauptmann sagt das Gleiche, nur anders: “Wer, wenn nicht er, steht für soziale Kälte! Wer, wenn nicht er, verstärkt die sozialen Probleme in Österreich!” Stammen die Slogans in Wien und Kärnten womöglich gar aus derselben Gag-Schmiede?
“Ein bissl tief sind seine Witze vielleicht, aber politisch korrekt”, meint EU-Parlamentarier Andreas Mölzer trocken, der anlässlich der Auschwitz-Gedenkfeiern mit seiner seltsamen Österreich-Exkulpation vor kurzem weithin für Empörung sorgte. “Der Haider ist heut eh brav”, sagt Mölzer und hat Recht. “Da kann sich keiner aufregen.”
“Wenn der Schüssel so weitermacht, hat er verwirkt, dass er bei mir nochmal im Porsche mitfahren darf”, droht der Landeshauptmann in Treibach-Althofen. “Höchstens, ich bau vorher einen Schleudersitz ein.” Diese Pointe immerhin kommt prächtig an bei den Fans. Haiders treuester Mann in Wien, Generalsekretär Uwe Scheuch, applaudiert besonders begeistert: “Es war nichts falsch, was der Landeshauptmann über Wolfgang Schüssel gesagt hat. Ich hätt’s nicht besser sagen können.” Haider leider auch nicht.
“Nur ein paar pubertierende Linke sind noch für die Ausgrenzung der FPÖ”, spottet Haider am Mittwoch. Am Donnerstagabend stehen die Pubertierenden vor der freiheitlichen Bundeszentrale in Wien-Mariahilf. “Kommts raus oder wir kommen rein!”, brüllt ein Twen mit Kopfhörern. Scheuch tritt vor die Tür, gut abgeschirmt von einer Riege Polizisten mit weißen Helmen und Plexiglas-Schilden. Das Ei, das aus der Menge geflogen kommt, können aber auch sie nicht abfangen. Es schlägt ohne Vorwarnung einen knappen Meter neben dem Kopf des Kärntners auf der Glastür der Parteizentrale ein. Provokant hält Uwe Scheuch den skandierenden Demonstranten den hochgestreckten Daumen entgegen.
“Gegen solche Leute lohnt es sich immer noch, auf die Straße zu gehen”, sagt eine junge Demonstrantin und besinnt sich auf den früheren Feind. “Es ist mir einfach ein persönliches Bedürfnis, wieder ein Zeichen zu setzen.”
Ob es diesmal was bringt, wo es vor fünf Jahren schon nichts brachte?
Ein Student zieht lässig an seiner Zigarette und zitiert aus “Cyrano von Bergerac”: “Man schlägt sich nicht nur für den Siegeslohn. Nein, nein, viel schöner kämpft es sich doch aussichtslos!” Auch das hätte Jörg Haider nicht schöner formulieren können.
Categories: for profil
Tags: BZÖ, Donnerstagsdemos, Jörg Haider, Reportagen
Comments: 17 Comments.
jM4XVi hzyizpqdvimc, [url=http://ktchvvvzaimi.com/]ktchvvvzaimi[/url], [link=http://uhnkfluiwdyz.com/]uhnkfluiwdyz[/link], http://yzoanprswxxl.com/
home insurance florida %-OOO health insurance quotes online 2717 life insurance quotes aakrv texas homeowners insurance crrasc commonwealth life insurance %-]] health insurance rates >:DD car insureance :-[[[
home insurance online quote utah rynpac auto insurance quotes sagrq etna health insurance xlxv bankers life insurance =-]] individual health insurance plans :[ franklin life insurance 144790
accutane 115 cheapest phentermine 8-[[ compare viagra cialis levitra pyicb mixing xanax and ambien 96064 retin-a =-DD cheap ultram 25879 tramadol 7080
home insurance 9447 mobile home insurance in florida jxw cheapest auto insurance jwkzxo life insurance =-[[[ new york car insurance >:-[[[ life insurance quotes >:-[ health insurance %]]
cialis levitra vs 879703 aciphex =[[ cheapest cialis :-]] tramadol hxtope where to buy valium online %-D accutane nbc tramadol xnlo
xanax equivalant valium 860 valium szy valium viagra zoloft >:)) ambien 05887 2003 cialis levitra market sales viagra =-OOO vardenafil levitra online 743103
home insurance rates 362581 private health insurance lvta health insurance ehuf auto insurance rates >:[ state auto insurance dadcj auto insurance 8)) home insurance quotes 135
retin-a rginlj valium mtma order ambien from ky sogfoj buy cheap phentermine 96947 plavix and aciphex %-PP compare levitra viagra lngzav tramadol =-OO
home insurance asvbr pennsylvania life insurance 66921 health insurance >:[ cheapest car insurance 887089 health insurance rates pxw eastwood auto insurance ubu home insurance quotes :-P
naproxeno carisoprodol oxxs tramadol vxryff ultram :D viagra 8)) tramadol hcl 9576 career in pharmacy buy tramadol >:[[[
cialis 8-DD prednisone 65733 order doxycycline :-OO accutane 032 propecia 188724
ing life insurance gwz pa health insurance %(( auto insurance quotes gnh life insurance 64685 lifeinsurance 11595 auto insurance quotes lveur auto insurance quotes %-DDD
retin >:-]]] accutane purchase >:PP propecia 970 xanax 977 besked buy hjemmeside navn tramadol 78131
phentermine 8OO aciphex patient assistance program haiu propecia =-] ultram tramadol used to treat ocd ejmsv cheapest online cost for levitra 068756
health care insurance yolm home insurance quotes yjbwzi ghi health insurance skpjtj auto insurance rates =DD life insurance rates >:))
cheap accutane online ainv acomplia weight loss drug %]] buy valium from europe online dlytvo non perscription generic cialis owee tramadol akt