Der Preis des Wissens

Bildung. Studenten, die lernen wollen, aber nicht können; Professoren, denen die Decke stückchenweise auf den Kopf fällt; und Eltern, die an öffentlichen Schulen für die Ausbildung ihrer Kinder noch Geld drauflegen müssen. Eine profil-Reportage über die finanzielle Not im heimischen Bildungswesen. (für profil, mit Alexander Dunst, Gerhild Niedoba und Ulla Schmid)

Zu wenig Lehrer für neues Lernen

Mittelschule Glasergasse, Wien 9

Es heißt, die Hauptschulen “am Land” hätten ein mit städtischen Gymnasien vergleichbares Niveau. Warum eigentlich? “Weil die Kinder dort nicht in die AHS gehen, sondern in die örtliche Hauptschule, bessere Schüler motivieren schlechtere und ziehen sie dadurch mit”, sagt Direktor Roland Lajda, ein gebürtiger Tiroler. In Wien strömen zwei Drittel der Kinder – ob geeignet oder nicht – in die AHS, die Qualität der Hauptschulen sinkt. Dem soll der Wiener Schulversuch “Kooperative Mittelschule” (KMS) entgegenwirken, die Zusammenarbeit einer Hauptschule mit einem Realgymnasium: AHS-Lehrer unterrichten an Pflichtschulen (und umgekehrt), der Umstieg nach der vierten Klasse ins Oberstufenrealgymnasium ist möglich, denn im Prinzip ist der vorgeschriebene Unterrichtsstoff in der Unterstufe ident. Doch in den KMS wird verstärkt Wert auf themenzentrierten Unterricht gelegt, auf Projektarbeit und vor allem auf Unterricht im Team, das so genannte Team Teaching. Die Schüler werden ihrer unterschiedlichen Begabung entsprechend gefördert und benotet – die einen nach Maßstäben der Hauptschule, die anderen nach jenen der Mittelschule. Damit wird in den Klassen eine innere Differenzierung vorgenommen, ohne die Kinder mittels Leistungsgruppen zu diskriminieren. “Das erfordert Team Teaching, also mehr Personaleinsatz als an gewöhnlichen Hauptschulen”, sagt Direktor Lajda. Doch beim Personal wird gekürzt, “aber davon lebt das Schulprojekt und auch die Chance unserer Schüler, später eine höhere Schule zu besuchen”.

Weniger Stunden, gleicher Stoff

AHS Anton-Baumgartner-Straße, Wien 23

Dieter Braunsteiner will sich nichts vormachen lassen: “Kinder wollen lernen. Wer das nicht glaubt, unterschätzt sie”, sagt der Direktor. Die Schüler der – unangemeldet – besuchten siebten Klasse bestätigen ihn: Nein, sagen sie einhellig und schütteln den Kopf, von einer “Entlastung” durch die Stundenkürzungen, die seit September gelten, könne keine Rede sein. “Jetzt bekommen wir halt Kopien und müssen daheim mehr lernen”, sagt ein Schüler. Eine Klassenkollegin moniert, sie sehe nicht ein, warum sie auf einem Gymnasium “nicht von jedem Gebiet genug mitbekomme”. Denn wegen der Allgemeinbildung sei sie ja schließlich da. Und die Frau Professor ist ein bisschen nervös, weil die Debatte Zeit kostet – und Unterrichtszeit ist seit den zu Schulanfang eingeführten Stundenkürzungen kostbarer geworden. Die lebenden Fremdsprachen hat es getroffen, und Unterrichtsfächer wie Physik, Geschichte und Geografie wurden zu Ein-stundenfächern degradiert. Das macht es schwierig, erfolgreich erprobte Schwerpunkte wie “science” (eine fächerübergreifende Kombination aus Biologie, Physik und Chemie) von der Unterstufe in die Oberstufe zu tragen. Auch stets gut besuchte, unverbindliche Übungen mit Praxisbezug wie “Wissenschaftliches Arbeiten”, “Präsentationstechnik” oder “Lernen lernen” mussten gestutzt werden, weil die Unterrichtszeiten nicht mehr bezahlt werden. “Schwerpunkte entwickeln”, sagt Braunsteiner, “wird immer schwerer, wenn die Lehrerkosten dafür nicht bezahlt werden.”

Eltern zur Kasse gebeten

AHS Untere Bachgasse, Mödling (NÖ)

In den vergangenen neun Jahren hat sich Lilli Frömmer des Öfteren gedacht, sie würde ganz gerne nachrechnen, wie viel sie für die Schulausbildung ihrer drei Töchter ausgibt. “Heute”, sagt sie, “will ich es eigentlich gar nicht mehr wissen.” Ständig steht etwas an, und als Obfrau des Elternvereins verfolgt sie die Debatte unter den Eltern sehr genau, die in die Richtung läuft, ob im Schulwesen nicht eine schleichende Privatisierung vor sich geht. Immer öfter muss der Elternverein zuschießen – Geräte für den Chemieunterricht, Geräte für den Turnsaal, Sitzmöbel für das Tagesheim, Zeitungsabos für den Sprachunterricht, Spinde für die Schulsachen, so geht das dahin. “Mittel, die eigentlich der Schulerhalter bereitstellen müsste, werden zunehmend von den Eltern aufgebracht”, sagt Frömmer. Das vom Bund zugewiesene Schulbudget wird im Gegenzug immer knapper: Das Dach leckt, die Fenster sind undicht – doch Geld für die Sanierung wird trotz jahrelanger Urgenz beim Landesschulrat und im Ministerium nicht bereitgestellt. Mit den Stundenkürzungen wurden auch die unverbindlichen Übungen an der Schule reduziert. Wer will, dass sich seine Kinder beispielsweise mehr bewegen oder musizieren, müsse dies privat außerhalb der Schule organisieren und zahlen. Das kostet Wegzeit und natürlich Geld. Und was den Unterricht betrifft, so Frömmer, hätten die Stundenkürzungen nur bewirkt, dass spielerische, kommunikative, praxisbezogene Unterrichtsbestandteile verloren gehen, vor allem beim Fremdsprachenunterricht. “Da war einmal eine positive Entwicklung, aber langsam denke ich mir, dass wir wieder einen gewaltigen Schritt zurück machen.”

Generalsanierung: Bitte warten!

AHS Ödenburger Straße, Wien 21

Oft muss Elfriede Jarmai an die Schildbürger denken, die einem Pferd, das sie sich zum Arbeiten hielten, das Fressen abgewöhnen wollten. Das Pferd bekam immer weniger in den Futtertrog, rackerte aber fleißig weiter – bis es eines Tages tot umfiel. “Mir kommt vor”, sagt die Direktorin, “dem Bildungswesen geht’s bald genauso.” Im Sprachunterricht, wo früher 15 oder 16 Schüler saßen, sitzen heute 29: Wie soll man da kommunizieren? Im Werksaal drängen sich heute doppelt so viele Kinder wie früher um die Geräte; die Physik- und Chemiesäle entsprechen seit zehn Jahren nicht mehr dem Standard – Generalsanierung: Bitte warten! Die Außensportanlage, lange Zeit gefährlich baufällig, wird nun, nach langem Drängen, endlich saniert. Dafür, so scheint es, wird das Geld an einer anderen Ecke abgezwackt: Vor Jahren mietete die Schule das weitläufige Grundstück neben dem Gebäude an, legte einen Beachvolleyball-Bereich und eine großzügige Rasenfläche für die Freizeitstunden an, legte Beete an und errichtete ein Biotop für den Biologie-Unterricht. Jetzt will das Ministerium die Miete dafür nicht mehr zahlen. Also senkte die Stadt Wien den Preis um die Hälfte. Und was sagt das Ministerium jetzt? Dass die Miete doch nun erst recht kein Problem mehr sein könne.

Projekt: Ja. Geld dafür: Nein

AHS Astgasse, Wien 14

Bis 2003 werde sie die heimischen Schulen in die Zukunft führen, kündigte Bildungsministerin Elisabeth Gehrer bei der Präsentation der “Computermilliarde” im Jänner 2001 an. Sie wolle vermehrt “Laptop-Klassen” einführen, meinte Gehrer damals. Im Goethe-Gymnasium existiert solch ein Schulversuch seit fünf Jahren. Auf Unterstützung durch das Ministerium wartet die Schule bis heute. Schuldirektor Gerd Schneider wünscht sich Hilfe beim Kauf der rund 1600 Euro teuren Geräte, die derzeit von den Eltern bezahlt werden. Schneider: “Ein Sockelbetrag sollte vom Bund kommen, sonst ist es sozial ungerecht.” Bisher half der Staat nur ein einziges Mal. Mit einem einzigen Laptop letztes Jahr. “Das Projekt wurde genehmigt, kosten darf es aber nichts”, so Schneider. Dennoch ist der Schulversuch ein Erfolg: Dieses Jahr starteten wegen der großen Nachfrage erstmals zwei fünfte Klassen den Unterricht mit tragbaren Computern. Für die Schule sind aber auch die Kosten für Internetanschlüsse eine zusätzliche Belastung, denn das zur Verfügung stehende Budget sinke jedes Jahr. “Früher waren wir Direktoren pädagogische Leiter”, resümiert Schneider, “jetzt rennen wir nur mehr dem Geld nach.”

Autonomie in Ketten

AHS Linzer Straße, Wien 14

Mit der Autonomie ist das so eine Sache. Schwerpunkte, Stundentafeln, unverbindliche Übungen: Das alles dürfen die Schulen selbst gestalten. Aber bei der Personalsuche hört sich die Selbstständigkeit auf. Und da spießt es sich dann. Vor vier Jahren legte Direktor Franz Neufingerl in Zusammenarbeit mit den Lehrern den Schwerpunkt “Englisch als Arbeitssprache” für die Unterstufe fest. Die Anmeldungsliste für diesen Schulzweig ist lang, das Bestreben, das Projekt auf die Oberstufe auszudehnen, da. Nur fehlt es an geeignetem Personal. AHS-Lehrer, die neben Englisch Fächer wie Physik, Chemie, Biologie oder Geografie studiert haben, sind in Wien rar. Nun kann der Direktor aber nicht auf eigene Faust – etwa per Inserat – Lehrer in anderen Bundesländern suchen. Er kann nur seinen Bedarf an Fachstunden beim Stadtschulrat bekannt geben. Das sieht dann so aus: Die Schule braucht, sagen wir, einen Englischlehrer mit Zweitfach Geschichte, also muss eine Bedarfsmeldung für etwa acht Stunden Englisch und acht Stunden Geschichte erfolgen. Im schlimmsten Fall stehen dann je ein Geschichte- und ein Englischlehrer vor der Tür – statt dem einen, der beides lehren kann. “Die personelle Autonomie, von der das Ministerium immer spricht, gehört in die Kategorie Märchen”, sagt der Direktor. Autonomie hat er hingegen bei Zusatzangeboten, etwa Hilfslehrern mit englischer Muttersprache, die den Unterricht unterstützen. Dafür zahlt das Ministerium ohnehin nicht.

Für Forschung kein Geld

Molekularbiologisches Institut, Uni Wien

Im boomenden Forschungszweig der Gentechnik kämpft der wissenschaftliche Nachwuchs zusehends mit Abschlussschwierigkeiten. Die angehenden Gentechniker müssen, um ihre Diplomarbeit mit dem Magistertitel abschließen zu können, im Labor experimentieren. Doch für die aufwändige Forschung, die bisher durchaus wissenschaftliche Ergebnisse von internationalem Niveau brachte, gibt es zu wenig Plätze. Angehende Absolventen müssen ihren Abschluss dadurch oft aufschieben, und viele der komplizierten technischen Apparaturen sind überaltert. So soll ein teurer Tiefkühler die Arbeitsmaterialien bei minus 80 Grad Celsius desinfizieren. “Aber wie jeder Kühlschrank wird auch der irgendwann einmal kaputt”, sagt Institutsleiter Thomas Decker. Das Geld für ein Ersatzgerät fehlt. Mit dem Kauf eines einzigen wissenschaftlichen Strahlenmikroskops brauchte das Institut beispielsweise sein gesamtes außerordentliches Jahresbudget auf. Decker: “Uns fehlt das Geld, um auf dem neuesten technischen Stand zu bleiben und sogar um das Alte reparieren zu können.”

Brandgefährlich ohne Fluchtweg

Chemisches Institut, Universität Innsbruck

Die Olympischen Winterspiele von 1964 bescherten der Tiroler Landeshauptstadt schmucke neue Betonbauten. In einem davon, dem damaligen Pressezentrum, ist seit 1966 das Chemie-Institut untergebracht. Die Einsparungen, die den Universitäten dieses Jahr abgenötigt werden, treffen das Chemie-Institut voll. Längst müsste das ehemalige Bürogebäude generalsaniert werden, um den strengen feuerpolizeilichen und sicherheitstechnischen Gesetzesauflagen zu entsprechen. “Der Einbau von Brandmeldern und Brandschutztüren war bisher nur minimalst möglich”, sagt Roland Psenner, Studiendekan der Naturwissenschaftlichen Fakultät. Fluchtbalkone sind zwar vorhanden, diese seien jedoch “einerseits viel zu klein und andererseits völlig nutzlos, weil keine Treppe davon hinunter ins Freie führt”. Brennbare und gefährliche Chemikalien müssen in den Labors gelagert werden. Spezielle Sicherheitsräume, in denen sie nach neuesten Vorschriften versperrt werden müssten, fehlen. “In vielen Räumen funktionieren zudem die Abzüge nicht mehr”, sagt Professor Herwig Schottenberger vom Institut für anorganische Chemie. “Die verbliebenen Öffnungen wurden teilweise einfach nur zugeklebt, damit sich gesundheitsschädliche Dämpfe aus den Labors nicht vollends in die anderen Räume ausbreiten können.” Die Studenten seien solcherart “deutlich gesundheitsgefährdet”. Ganz schlimm, erzählt ein Student, sei es bei Föhn-Wetterlage, was in Innsbruck nicht selten der Fall ist. “Da verteilen sich die Gerüche im ganzen Haus.” Auch die Laborausstattung ist laut Studiendekan längst überholt. “Die Geräte sind teilweise so alt, dass wir hoffen, dass sie uns nicht auseinander bröseln.” Ein neues Gebäude sei zwar geplant, der Baubeginn aber noch ungewiss.

Kein Platz zum Studieren

Auditorium maximum, Universität Wien

Montag, 16 Uhr, Uni Wien: In die Einführungsvorlesung der Publizistik drängen wöchentlich bis zu 1000 Studenten. Einige konnten sich noch einen Sitzplatz auf dem Boden erkämpfen, andere – mit schwacher Ellbogentechnik – versuchen dem wissenschaftlichen Vortrag draußen auf den Gängen durch die offenen Türen zu lauschen. “Alltag bei den Massenstudien”, sagt ÖH-Vorsitzende Patrice Fuchs. Zerknirschte Beifügung: “Leider.” Hinzu kommt: Bei Hauptstudien wie Publizistik, Politikwissenschaft und Soziologie müssen Studenten Wahlfächer aus anderen Studienrichtungen absolvieren. Dort werden sie aber als Menschen zweiter Klasse behandelt, da auch bei diesen Vorlesungen akuter Platzmangel herrscht und Hauptfachstudenten bevorzugt behandelt werden. Eine Garantie, dann zumindest im nächsten Semester einen Fixplatz zu erhalten, gibt es nicht. Manche Studierenden fühlen sich daher in einer Endlosschleife. Sie wollen zwar lernen, können aber nicht, weil man sie nicht lässt.

Volles Haus, leckes Dach

Wirtschaftsuniversität Wien

Karl Sandner, Vizerektor der Wirtschaftsuni, formuliert drastisch: “Versuchen Sie, einen Lkw, der für 38 Tonnen zugelassen ist, mit 60 Tonnen zu beladen und gleichzeitig bei vollem Tempo die Achsen zu wechseln.” Sein Haus führt einen Mehrfrontenkampf. In den vergangenen fünf Jahren sei die Studentenzahl um die Hälfte gestiegen, die Geldmittel nur um ein Zehntel, beklagt Sandner: “Wenn ein Restaurant voll ist, ist es voll. Das scheint aber nach Ansicht des Ministeriums nicht für Unis zu gelten.” Zeitweilig muss der WU-Betrieb übersiedeln. Das Gebäude bröckelt vor sich hin, im Sommer überschwemmten Regengüsse – das Dach ist löchrig – mehrere Büros. Während der nötigen Renovierung muss die Wirtschaftsuni in den kommenden Jahren institutsweise zwischen dem Altgebäude und einem Ausweichquartier hin- und hersiedeln. Dabei ist der Improvisationsgeist bei den Professoren besonders ausgeprägt. Sämtliche Lehrveranstaltungen der ersten Se-mester werden auch per Internet angeboten. Die Studiosi können von zu Hause lernen. Sandner: “Vom Ministerium wird das aber nicht belohnt. Im Gegenteil: Man erntet nur ein Geht ja eh!’”

Wo einem die Decke auf den Kopf fällt

Institut für Sportwissenschaft, Universität Graz

Es bröckelt der Putz, aber das fällt hier niemandem mehr auf. Statt durch Fenster dringt das Licht durch Plastikplanen in das baufällige Gebäude. “Als ich 1996 nach Graz kam, dachte ich, hier ist es wie in der DDR, das kann nicht lange so bleiben”, erinnert sich Institutsvorstand Martin Sust bei einem Rundgang durch das Haus. Er täuschte sich. Das Institut blieb eine Ruine: In das Sportlabor im Keller, wo Schüler auf Haltungsschäden untersucht werden, dringt Wasser. Es riecht nach Moder, weißer Schimmel wächst an den Wänden und über Steckdosen. Mit dem Strom aus den verwucherten Anschlüssen werden medizinische Geräte betrieben. Für die Baufälligkeit des Instituts zeichnet nicht allein die Hochschulpolitik der schwarz-blauen Regierung verantwortlich: Seit 30 Jahren üben sich Institutsvorstände im universitären Canossagang. Vergeblich. Seit 2001 liegt ein Plan für die Generalsanierung vor. Allein es fehlt das Geld. Für die ausgehängten Wartelisten zur Teilnahme an Lehrveranstaltungen fällt Sust die Schuld-zuweisung leichter: Seit fünf Jahren würden die Budgets um fünf Prozent sinken. Das Ergebnis: Bis zu 120 Studenten hoffen vergeblich auf einen Platz in den Übungen. Als Folge der Geldnot bietet die Sportwissenschaft jedes Semester zwei Lehrveranstaltungen weniger an. Martin Sust steht zappelnd vor den Wartelisten, er möchte weiter und seinen Hörsaal präsentieren. Da fällt der Putz immer wieder auf die Köpfe der Studenten herab. “Von dem fehlenden Projektionsgerät ganz zu schweigen”, seufzt der Professor.

Abhängig vom Sponsoring

AHS Babenbergerring, Wiener Neustadt (NÖ)

Der Rotstift führte Regie, als 1997 das Werbeverbot an den heimischen Schulen fiel. Seitdem dürfen sich Schulen Sponsoren suchen, um Zusatzangebote im Bildungsbereich finanzieren zu können. Dass seitdem das Schulbudget von Jahr zu Jahr geringer wird, steht auf einem anderen Blatt. Johann Hagenhofer, vor kurzem pensionierter Direktor des Gymnasiums Babenbergerring, hat es in der Disziplin “Sponsoren keilen” zur Meisterschaft gebracht: Vier voll ausgestattete Informatiksäle – auf neuestem Stand – leistet sich das Haus (gerade einmal einer wäre sich mit dem staatlichen Budget ausgegangen), zudem Sprachreisen, fremdsprachige Austauschlehrer und spezielle Unterrichtsmaterialien für jede Klasse. Im Gegenzug werden den Wirtschaftspartnern im Rahmen von Schulprojekten beispielsweise Internet-Homepages erstellt, wissenschaftlich begleitete Umfragen erarbeitet und Marketingkonzepte entworfen. Das seien die guten Seiten der Schulautonomie, sagt Hagenhofer. Die Nachteile aber lägen darin, dass in wirtschaftlich rauen Zeiten die Unternehmer jeden Euro umdrehen, bevor sie ihn ausgeben. Und eines sei auch klar: Wenn Hagenhofers Nachfolger nicht ähnliches Talent bei der Akquisition von Sponsoren an den Tag legt, sagt ein Personalvertreter, “dann hat die Schule ein Problem”.

Chemikalien auf Pump

Institut für Technische Chemie, TU Graz

Der TU Graz fehlen heuer 1,6 Millionen Euro: Projekte werden gestrichen, Chemikalien erst 2004 bezahlt. Mitte August war das Geld für die Übungschemikalien immer noch nicht da, und Stefan Krahulec wurde langsam nervös. “Anorganische Chemie ist ein Pflichtfach”, erläutert der Studienrichtungsvertreter für Technische Chemie. “Wenn das nicht stattfindet, verliert ein ganzer Jahrgang ein Studienjahr.” Kurz vor Semesterbeginn fand Institutsvorstand Frank Dieter Uhlig einen – kurzfristigen – Ausweg: Die Chemikalien werden heuer gekauft, aber erst 2004 bezahlt. Gelöst sind die Geldnöte der Technischen Universität (TU) damit natürlich nicht. “Wenn wir nicht zusätzliche Mittel bekommen, brechen wir nächstes Jahr weg”, befürchtet der Vizerektor für Finanzmanagement, Ulrich Bauer. Schon im laufenden Jahr musste Bauer einen Investitionsstopp verfügen, für die nächsten Jahre droht Schlimmeres: Mittelfristig würde die TU den internationalen Anschluss verlieren, da das Geld fehle, um gute Mitarbeiter zu halten. An Verständnis der Regierung für die Wünsche der Universitäten glaubt Bauer nicht: “Aus dem Bildungsministerium kommt jeder mit leeren Händen zurück.”

Posted: September 27th, 2003
Categories: for profil
Tags: ,
Comments: No Comments.